26.01.2012

Deutsche Ballsport-Größen nicht in London 2012

Die deutschen Handballer, Fußballer und Basketballer müssen bei Olympia allesamt daheimbleiben. Damit fehlen dem deutschen Team für London nicht nur einige seiner Schwergewichte und Quotenbringer - auch die Anzahl der Athleten und Betreuer schrumpft deutlich.
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DOSB-Präsident Thomas Bach blickt besorgt auf die olympischen Ballsportarten. Foto: Jens Kalaene (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Die deutschen Handballer, Fußballer und Basketballer müssen bei Olympia allesamt daheimbleiben. Damit fehlen dem deutschen Team für London nicht nur einige seiner Schwergewichte und Quotenbringer - auch die Anzahl der Athleten und Betreuer schrumpft deutlich.


Die olympischen Quotenbringer von einst sind in London fast allesamt außen vor - und der Schock über die maue Ausbeute deutscher Mannschaftssportler sitzt sechs Monate vor dem Großereignis tief. Nach dem Olympia-Aus der Basketballer um Superstar Dirk Nowitzki und der Fußball-Nationalteams (U21 Männer/Frauen) erwischte es mit den Handballern das nächste Schwergewicht. Statt in diesem Sommer Millionen an den Fernsehschirmen zu verzücken, muss die Auswahl von Bundestrainer Martin Heuberger von daheim aus zuschauen.

«Das Aus tut sehr weh, aber ich bin überzeugt, wir werden in London trotzdem eine starke deutsche Olympia-Mannschaft haben mit herausragenden Athleten», untermauerte DOSB-Präsident Thomas Bach. Dennoch lässt sich das vorolympische Tief belegen: Von den zwölf Teams in den sechs großen Mannschaftssportarten haben sich bisher nur die beiden Hockey-Teams qualifiziert. Raus sind die Handballer, Basketballer und Fußballer - jeweils bei Männern und Frauen.

«Das ist sehr bedauerlich. Olympia lebt ja eigentlich von den Ballsportarten, jetzt aber haben wir nur noch mit den Volleyballern vernünftige Qualifikationsaussichten», bemängelte Thomas Weikert, Vorsitzender der AG Spielsport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Einen Imageverlust fürs London-Team befürchtet zumindest Bach nicht: «Ich bin sicher, dass andere Mannschaftsteile den Part als Stimmungsmacher im olympischen Dorf und an den Wettkampfstätten übernehmen werden», sagte der deutsche Ober-Olympier im dpa-Gespräch.

«Die Ballsportarten tragen eine Mannschaft über das gesamte Turnier. Wenn Handballer oder Basketballer am Ende immer noch dabei sind, ist das für alle sehr identifikationsfördernd», verdeutlichte Weikert, zugleich Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Das wird 2012 in London ausbleiben - einen Negativtrend will DOSB-Generaldirektor Michael Vesper aber im schwachen Abschneiden von Nowitzki & Co. nicht erkennen. «Wir sind und bleiben im Mannschaftssport stark, auch wenn es in vielen Ausscheidungen nicht optimal lief», sagte der Chef de Mission des Olympia-Teams.

Das Olympia-Ticket lösen können aus deutscher Sicht nur noch beide Volleyball-Teams und die Männer-Wasserballer. Letztere kämpfen Anfang April in Edmonton um ihre Chance. Die Qualifikationsturniere der Volleyball-Nationalmannschaften stehen im Mai an, allerdings haben die Männer im Fall der Fälle auch noch eine zweite Chance bei einer Ausscheidung im Juni. «Natürlich wollen wir mit beiden Teams in London vertreten sein», meinte Verbandspräsident Werner von Moltke.

Selbst im Optimalfall wären im Juli und August aber nur fünf deutsche Mannschaften dabei - 2008 in Peking waren es noch acht. «Wenn man die jüngere Olympia-Vergangenheit anschaut, ist das eine sehr kleine Zahl», sagte Weikert. Er geht nur noch von rund 400 deutschen Athleten bei den Sommerspielen in London aus - andernfalls wären es etwa um die 450 gewesen. Kurz vor Olympia 2008 schaffte immerhin noch ein Quartett durch die Hintertür den Weg nach Peking.

Nicht zuletzt hat das überraschende Aus so vieler Teams auch Konsequenzen auf den Rest des Olympia-Trosses: Schrumpft die Größe der Olympia-Mannschaft, dann schrumpft auch die Zahl der Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen, die mit dürfen. Denn von der Zahl der Athleten hängt auch die Zahl der Betreuer ab. «Wenn Basketballer und Handballer dabei wären, hätten wir im Tischtennis unseren eigenen Arzt in London - so wohl nicht», urteilte Weikert. (Quelle: München (dpa/lby))


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