01.02.2012

Deutsche Opfer zeigen «Concordia»-Kapitän an

Nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» haben 19 deutsche Opfer Strafanzeige gegen den Kapitän Francesco Schettino (52) und verantwortliche Offiziere gestellt.
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Kapitän Francesco Schettino (r.) bei seiner Festnahme. Foto: Enzo Russo (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» haben 19 deutsche Opfer Strafanzeige gegen den Kapitän Francesco Schettino (52) und verantwortliche Offiziere gestellt.

«Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der Aussetzung, Gefährdung des Schiffsverkehrs und um unterlassene Hilfeleistung», sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt am Mittwoch im nordrhein-westfälischen Marl.
Er bestätigte damit einen Bericht von «bild.de».

Der Kapitän habe die hilflosen Menschen im Stich gelassen und in Todesgefahr gebracht, sagte Reinhardt. Infolge des grob fahrlässigen Verhalten Schettinos und der Offiziere seien die Opfer erheblich verletzt worden. Eine Frau habe die Havarie mit einem Beckenbruch überlebt. Auch von Prellungen, Schürfungen und traumatischen Störungen ist die Rede. Mehrere «Costa Concordia»-Opfer litten unter Panikattacken und Alpträumen.

Der Anwalt aus Marl vertritt die 19 Passagiere aus verschiedenen Bundesländern auch bei deren Forderungen nach Schmerzensgeld und Schadenersatz. Die Strafanzeige, die er am Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft Bochum eingereicht hat, diene der Unterstützung der Schadenersatzforderungen. Dadurch könne er Akteneinsicht erhalten, sagte Reinhardt. Falls es in Italien zu einem Prozess gegen «Concordia»-Offiziere kommen sollte, könnte der deutsche Anwalt über einen italienischen Kollegen als Nebenkläger auftreten.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Strafanzeige. Sie sei aber noch nicht ausgewertet worden, sagte Sprecher Christian Kuhnert.

Zu der Katastrophe läuft in Italien ein Beweissicherungsverfahren. Nach dem Unglück wurden bislang 17 Todesopfer geborgen, 15 werden noch vermisst.

Schlechtes Wetter und starker Wind verhinderten am Mittwoch weitere Arbeiten am Wrack der «Costa Concordia», teilten die Rettungskräfte mit. Sollte es das Wetter erlauben, werde man aber die Umgebung des Wracks absuchen, hieß es. Die Einsatzkräfte hatten gehofft, mit dem Abpumpen von etwa 2300 Tonnen gefährlichem Schweröl zu beginnen. Dieser Schritt war zuvor mehrmals verschoben worden, die Suche nach Opfern hatte Vorrang.

Am Dienstag hatten die italienischen Rettungskräfte die Suche nach Vermissten im unter Wasser stehenden Teil des Wracks offiziell eingestellt. Grund dafür sei die Sicherheit der Taucher, die am halb untergegangen Wrack des Kreuzfahrtschiffs arbeiteten, sagte der Chef der Rettungskräfte, Franco Gabrielli. (Quelle: Marl/Bochum (dpa/lby))


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