25.01.2012

Deutsche Post soll Beihilfen zurückzahlen

Die Deutsche Post soll nach dem Willen der EU-Kommission ungerechtfertigte Beihilfen von bis zu einer Milliarde Euro an den Staat zurückzahlen. Im Kern geht es um Subventionen für Pensionskosten, verbunden mit hohen regulierten Preisen.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Aus Sicht der EU-Kommission hat die Deutsche Post die staatlichen Beihilfen ungerechtfertigt bekommen. Foto: Oliver Berg / Archiv (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Die Deutsche Post soll nach dem Willen der EU-Kommission ungerechtfertigte Beihilfen von bis zu einer Milliarde Euro an den Staat zurückzahlen. Im Kern geht es um Subventionen für Pensionskosten, verbunden mit hohen regulierten Preisen.

Deutschland müsse deshalb zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro von dem Bonner Konzern einfordern, entschied die Kommission in Brüssel. Die Post will gegen den Beschluss klagen.
Dies sei auch mit der Bundesregierung abgestimmt, hieß es.

«Die Rückzahlungsentscheidung der EU-Kommission ist nicht nachvollziehbar und entbehrt jeglicher Grundlage», erklärte Post-Vorstandschef Frank Appel. Sie stehe außerdem im Widerspruch zu einer früheren EU-Entscheidung und Ergebnissen ähnlicher Verfahren.

Das Wirtschaftsministerium betonte, die Bundesregierung werde ungeachtet einer möglichen Anfechtung vor europäischen Gerichten der Kommissionsforderung nachkommen und die Beihilfen von der Deutschen Post AG zurückverlangen. Für die Umsetzung ist das Finanzministerium zuständig. Dort hieß es, die Rückforderung werde demnächst eingeleitet. Es sei davon auszugehen, dass das Geld dann noch 2012 dem Haushalt zufließen könnte.

Das Unternehmen gab sich zuversichtlich, dass die Entscheidung vor Gericht keinen Bestand haben werde. Die Wettbewerbshüter stellten auch fest, dass Ausgleichszahlungen von 5,6 Milliarden Euro an die Post mit EU-Regeln übereinstimmten und deshalb gerechtfertigt seien.

Bei den umstrittenen Beihilfen von 1995 an geht es um Zahlungen für die Pensionslasten für Beamte, die der frühere Staatskonzern bei seiner Privatisierung übernommen hatte. Um die Post zu entlasten, steuerte der deutsche Staat rund 37 Milliarden Euro bei.

Die Entscheidung der Brüsseler Behörde hat der Post zufolge weder Auswirkungen auf das Jahresergebnis 2011 noch auf den noch ausstehenden Dividendenvorschlag an die Aktionäre. Der Konzern erwartet für 2011 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mehr als 2,4 Milliarden Euro.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia verteidigte das Vorgehen: «Unser Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.» Einen genauen Forderungsbetrag nannte der Spanier zunächst nicht. Die Post habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, sondern auch mit höherem Briefporto ihre Kosten gedeckt, begründete die Kommission den Beschluss. Damit habe sie von Sozialleistungen profitiert, die unter den entsprechenden Werten von Konkurrenten lagen. Das könnte Nachteile für Wettbewerber nach sich gezogen haben.

Schon vor Jahren waren die Ermittlungen aufgenommen worden, nachdem der US-Konkurrent UPS eine Beschwerde bei der Kommission eingereicht hatte. Die Wettbewerbshüter weiteten die Prüfung zuletzt im Mai 2011 aus. Neben der Deutschen Post muss auch das frühere belgische Staatsunternehmen Bpost 417 Millionen Euro an Subventionen zurückerstatten.

In einem ähnlichen Fall von 2002 hatte die EU-Kommission die Deutsche Post aufgefordert, 572 Millionen Euro unerlaubter Beihilfen zurückzuzahlen. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) kippte die Entscheidung später. Die Post, die in Deutschland etwa 90 Prozent des Versandmarktes kontrolliert, konnte das Geld letztlich behalten. (Quelle: Brüssel/Bonn/Berlin (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Internationale Anerkennung des Violinwettbewerb «Henri Marteau». Foto: ARTE/Symbol
Oberfränkischer Musik-Wettbewerb wird international aufgewertet

26.04.2012: Der in Oberfranken ausgerichtete Violinwettbewerb «Henri Marteau» hat eine wichtige internationale Anerkennung erhalten. Der musikalische Wettstreit gehört künftig zum Weltverband internationaler Musikwettbewerbe (WFIMC). Das teilte die Intendantin der Hofer Symphoniker, Ingrid Schrader, am Donnerstag mit.

Linde AG: Brüssel genehmigt Ausbau des Homecare-Geschäfts. Foto: Tobias Hase/Archiv
EU gibt Linde grünes Licht für Medizintechnik-Übernahme

18.04.2012: Der Münchner Linde-Konzern hat von der EU-Kommission grünes Licht für den Ausbau seines Medizintechnik-Geschäfts bekommen.

Die Entscheidung über die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga fällt am 17. April. Foto: Christian Charisius
Bundesliga-Rechte: Angebote von Sky und Telekom

02.04.2012: Im Rennen um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga haben die Deutsche Telekom und der Pay-TV-Sender Sky ihre Angebote bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht.

«LIGA total!» steht auf einer Werbebande vor Beginn eines Bundesligaspiel in der Arena in München. Foto: Sven Hoppe / Archiv
Poker um Bundesliga-Rechte: Angebote von Sky und Telekom

02.04.2012: Im Rennen um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga haben die Deutsche Telekom und der Pay-TV-Sender Sky ihre Angebote bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht.

Der Streit um eine mögliche Spritpreisbremse ist im vollen Gange. Foto: Patrick Pleul
ADAC: Benzinpreis vor Ostern auf Rekordhoch

30.03.2012: Pünktlich zu den Osterferien ist der Benzinpreis auf ein Rekordhoch gestiegen. Am Freitagmittag lag der Preis für Super E10 im bundesweiten Schnitt bei 1,674 Euro, wie ein ADAC-Sprecher sagte.

Der Telekom-Vertrag für das Programm «Liga total» wird überprüft. Foto: Sven Hoppe
Fußballkrimi um Übertragungsrechte - Telekom gegen Sky

30.03.2012: Im Poker um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga werden die Messer gewetzt. Mitte April fällt die Entscheidung über die Vergabe der milliardenschweren Pakete.

Die Tochter Eurohypo war lange Zeit das Commerzbank-Sorgenkind. Foto: Frank May
Commerzbank darf Sorgentochter Eurohypo abwickeln

30.03.2012: Die defizitäre Commerzbank-Tochter Eurohypo verschwindet vom Markt.

Die staatliche Beteiligung an Volkswagen ist der EU-Kommission ein Dorn in Auge. Nun hat sich ihre Drohung wahrgemacht und erneut Klage gegen das VW-Gesetz eingereicht. Foto: Marcus Brandt
EU-Kommission reicht Klage gegen VW-Gesetz ein

20.03.2012: Die EU-Kommission lässt im Streit um das VW-Gesetz nicht locker: Wie angekündigt hat die Behörde wegen der Sonderregelung jetzt Klage gegen Deutschland eingereicht.

Areva ist Weltmarktführer in Atomtechnik. Foto: David Ebener/Archiv
Siemens erringt Erfolg im Scheidungsstreit mit Areva

14.03.2012: Im Scheidungsstreit mit dem französischen Atomkonzern Areva hat Siemens mit Unterstützung der EU-Kommission einen Erfolg errungen.