EU erlaubt mehr Heringsfang - Kritik und Erleichterung
Die Einigung der EU-Fischereiminister auf eine drastische Anhebung der Heringsfangquote ist bei Ostseefischern auf Erleichterung, bei Umweltschützern auf Kritik gestoßen. «Das ist ein Fortschritt», sagte der Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß. Er hoffe, dass nach jahrelangen Quotenkürzungen durch die EU jetzt eine Trendwende komme.
(Foto: dpa)
Die Einigung der EU-Fischereiminister auf eine drastische Anhebung der Heringsfangquote ist bei Ostseefischern auf Erleichterung, bei Umweltschützern auf Kritik gestoßen.
«Das ist ein Fortschritt», sagte der Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß. Er hoffe, dass nach jahrelangen Quotenkürzungen durch die EU jetzt eine Trendwende komme.
Die EU-Minister hatten sich am Freitag in Brüssel darauf verständigt, die Quote für den Hering in der westlichen Ostsee im nächsten Jahr um 32 Prozent auf 20 900 Tonnen anzuheben.
Die Umweltschutzorganisation WWF kritisierte den Ministerbeschluss. «Dies könnte sich als Bumerang für die deutsche Fischerei erweisen, falls nicht im Gegenzug der Nordseehering im selben Maße geschont wird», meinte Schacht. Allerdings will die EU die Fangmengen für Hering in der westlichen Ostsee und den angrenzenden Seegebieten Kattegat und Skagerrak gleich verteilen.
Der Rostocker Fischerei-Biologe Christopher Zimmermann zeigte sich jedoch skeptisch, dass dies bei den im Dezember anstehenden Verhandlungen mit Norwegen gelingen wird. Norwegen ist kein Mitglied der EU. Grundsätzlich hält er den Ausgleich zwar für einen gangbaren Weg, weil es sich um ein und denselben Heringsbestand handelt. Wenn die Fangquote für den Bestand - wie angestrebt - um insgesamt drei Prozent sinken solle, müsste für Skagerrak und Kattegat eine Quotenkürzung um mindestens 30 Prozent vereinbart werden. «Das wird harte Verhandlungen geben», ist sich Zimmermann sicher. Die Norweger hätten sich in der Vergangenheit jeweils mit Unterstützung des EU-Mitglieds Schweden durchgesetzt.
«Die Gefahr ist groß, dass wir Ende 2012 wieder im roten Bereich sein werden», sagte der Forscher in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Seit 2006 sei die Hälfte der erwachsenen Tiere des Bestandes verloren gegangen. «Jetzt kommen zwei stärkere Nachwuchsjahrgänge.» Diese könnten zum Aufbau des Bestandes beitragen, aber nur wenn die Gesamtfangmenge erst ab 2013 erhöht werde.
Kahlfuß erinnerte daran, dass die Heringsquote erst im vergangenen Jahr um 38 Prozent gekürzt worden sei. «Und 2010 war auch schon nicht das Halleluja.» Die derzeit erlaubte Quote stelle nur noch knapp 40 Prozent der Fangmenge von 2007 dar, sagte der Verbandschef. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit noch rund 300 Kutter- und Küstenfischer. Das Fischereiministerium in Schleswig-Holstein hatte bereits im September den Vorschlag der EU-Kommission begrüßt. Allerdings spiele der Hering für die Ostseefischer im nördlichsten Bundesland nur eine nachgeordnete Rolle, hieß es. Steigende Fischbestände seien aber für das Öko-System der Ostsee ein Zeichen der Hoffnung. (Quelle: Hamburg/Rostock (dpa/lby))
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