09.02.2012

EZB lässt Leitzins auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte sich auf Umwegen am neuen Milliardenpaket zur Rettung Griechenlands beteiligen.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Europas Währungshüter lassen neue Instrumente zur Konjunkturbelebung vorerst im Schrank. Der Leitzins bleibt auf Rekordtief. Foto: Uwe Anspach  (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte sich auf Umwegen am neuen Milliardenpaket zur Rettung Griechenlands beteiligen. Notenbank-Präsident Mario Draghi betonte zwar, er lehne weiterhin «jeden rechtlichen Trick» ab, die EZB-Verträge zu umgehen.

Diese verbieten der Notenbank die direkte Finanzierung von Staatsschulden.
Allerdings könnte die EZB ihren gigantischen Bestand an griechischen Staatsanleihen im Schätzwert von 45 Milliarden Euro zu Geld machen und die Gewinne über die Euroländer - gemäß deren Anteil am EZB-Kapital - an Athen weiterreichen.

Volkswirte hatten spekuliert, die Notenbank könnte ihre Griechenlandbonds an den Rettungsfonds EFSF übertragen. Draghi erklärte, der Euro-Rettungsschirm EFSF gehöre den Regierungen: «Würden wir dem EFSF Geld geben, wäre das Staatsfinanzierung. Würden wir unsere Gewinne an unsere Mitgliedsländer gemäß ihrer Kapitalanteile an der EZB weitergeben, wäre das keine Staatsfinanzierung.» Die Notenbank ist einer der größten Schuldner Athens, weil sie seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen angeschlagener Eurostaaten wie Griechenland kauft.

Draghi zeigte sich weiterhin fest davon überzeugt, dass Griechenland nicht in die Pleite schlittern wird. «Wir haben nie einen Plan B. Das wäre schon eine Niederlage. Ich bin zuversichtlich, dass alle Teile zusammenpassen werden», sagte der Italiener. Die EZB gehört mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zur «Troika», die über Milliardenhilfen für Griechenland entscheidet. Ohne das Geld droht dem Land im März die Pleite.

Die Konjunkturaussichten im Euroraum seien weiter unsicher, allerdings gebe es Anzeichen für eine «allmähliche Stabilisierung auf niedrigem Niveau», sagte Draghi. «Aber wir kommen von einem sehr schwachen vierten Quartal.»Nach den zuletzt überraschend guten Konjunkturdaten halten die Währungshüter die Zinsen im Euroraum zunächst auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent.

Volkswirte rechnen jedoch mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, sollte sich die Staatsschuldenkrise zuspitzen. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und können so das Wachstum anschieben. Die Inflationsrisiken schätzt die EZB derzeit als gering ein.

Die EZB hält ihr Pulver auch deshalb trocken, weil längst beschlossen ist, dass sie den Geschäftsbanken zum Monatsende ein zweites Mal für die außergewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren billiges Geld anbieten wird. Kurz vor Weihnachten hatte die Notenbank fast 500 Milliarden Euro an Geldinstitute der Eurozone ausgereicht. Damit soll das kränkelnde Geschäft der Banken untereinander ebenso wiederbelebt wie eine Kreditklemme verhindert werden. Die Maßnahme beruhigte die Anleihenmärkte und bescherte den Börsen Kursgewinne. (Quelle: Frankfurt/Main (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

EZB-Präsident Mario Draghi und andere Währungshüter beraten in Barcelona. Foto: Emily Wabitsch / Archiv
Krisenfeuerwehr EZB fordert mehr Einsatz von der Politik

03.05.2012: Die Misere Spaniens bringt Europas Währungshüter nicht von ihrem Kurs ab. Weiteren Hilfen für die von der Schuldenkrise gebeutelten Eurostaaten erteilte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag eine Absage - ausgerechnet in Barcelona, wo der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ausnahmsweise tagte.

Ben Bernanke rechnet in der weltgrößten Volkswirtschaft mit einem moderaten Wirtschaftswachstum. Foto: Jim Lo Scalzo
US-Notenbank: Weitere Lockerung der Geldpolitik denkbar

26.04.2012: Die US-Notenbank könnte der schwachen Konjunktur schon bald mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik unter die Arme greifen.

EZB-Präsident Mario Draghi. Vor allem aus Deutschland gibt es Kritik an der Krisenpolitik der EZB. Foto: Boris Roessler
EZB: Können Geldhahn rechtzeitig wieder zudrehen

12.04.2012: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Sorgen vor ausufernder Inflation infolge ihrer weit geöffneten Geldschleusen zerstreut.

EZB-Präsident Mario Draghi. Foto: Boris Roessler
EZB lässt Geldschleusen weit geöffnet

04.04.2012: Europas Währungshüter fordern nach ihrer jüngsten Geldflut Konsequenzen von Banken und Politik.

Europas Währungshüter halten die Füße still: Der Leitzins bleibt auf Rekordtief, weitere Schritte im Kampf gegen Rezession, Kreditklemme und Schuldenkrise stehen erstmal nicht ins Haus. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
EZB nach Milliardenflut in Lauerstellung

08.03.2012: Nach der jüngsten Milliardenflut für die Banken halten sich Europas Währungshüter mit weiteren Krisenmaßnahmen vorerst zurück.

Das Hauptgebäude der US-Notenbank (Fed) in Washington. Foto: Matthew Cavanaugh / Archiv
Mini-Leitzins in den USA noch bis Ende 2014

25.01.2012: Überraschender Zins-Schwenk der US-Notenbank: Angesichts der trüben Konjunktur will die Federal Reserve deutlich länger als bislang gedacht an ihrer Politik des extrem billigen Geldes festhalten.

Das Gebäude der US-Notenbank (Fed) in Washington. Foto: Matthew Cavanaugh/Archiv
US-Notenbank legt erstmals Zinsprognosen vor

25.01.2012: Erstmals in ihrer beinahe 100-jährigen Geschichte veröffentlicht die US-Notenbank heute konkrete Zinsprognosen.

Die 17 Euro-Länder und bisher neun weitere EU-Staaten wollen sich an dem «Fiskalpakt» für mehr Haushaltsdisziplin in der Eurozone und EU beteiligen. Arne Dedert (Archivbild)
EU-Streit um «Fiskalpakt» - Athen dreht sich im Kreis

13.01.2012: Im Kampf gegen die Euro-Schulenkrise tun sich neue Risse in der EU auf.

Etwas weniger Zinsen kommen 2012 in das Sparschwein. Große Lebensversicherer zahlen im Schnitt unter vier Prozent. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Große Lebensversicherer zahlen 2012 weniger

22.12.2011: Anleger mit Lebensversicherungen müssen sich für 2012 auf deutlich sinkende Zinsgutschriften zumeist unter vier Prozent einstellen.