06.11.2011

Euro-Finanzminister gehen ans Kleingedruckte

Nach drei Krisengipfeln für Griechenland und die Euro-Währung innerhalb von nur elf Tagen befassen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten jetzt mit den Details der Rettungspläne.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Finanzminister Schäuble im Kreis seiner Euro-Kollegen. Archivfoto: Nicolas Bouvy (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Nach drei Krisengipfeln für Griechenland und die Euro-Währung innerhalb von nur elf Tagen befassen sich die Finanzminister der 17 Euro-Staaten jetzt mit den Details der Rettungspläne.

Bei einem Treffen an diesem Montag in Brüssel geht es vor allem um die Erhöhung der Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF auf etwa eine Billion Euro, sagten EU-Diplomaten.


Außerdem soll über das «Kleingedruckte» bei Kapitalspritzen für Banken in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro gesprochen werden - sofern diese Banken durch den Verzicht auf die Hälfte der Schulden Griechenlands geschwächt werden könnten.

Medienberichte, es könnte auch über das Anzapfen von Gold- und Devisenreserven der nationalen Zentralbanken beraten werden, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert zuvor zurückgewiesen. Am Montag stehe das Thema der Optimierung der EFSF auf der Tagesordnung der Eurogruppe. «Dazu gehört die Diskussion des Fortschritts bei den Detailfragen der bekannten zwei Optionen, die bereits dem Bundestag vorlagen.» Dieses Thema stehe in keinem Zusammenhang mit der Frage nach Sonderziehungsrechten.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten hatten in der Nacht zum 28. Oktober unter anderem beschlossen, das Garantievolumen des Rettungsfonds durch einen «Hebel» von 440 Milliarden auf rund eine Billion Euro zu erhöhen. Eine Woche später war der G20-Gipfel in Cannes de facto zu einem weiteren Euro-Krisengipfel geworden. Seibert räumte ein, von einigen Teilnehmern des Gipfels sei die Frage aufgeworfen worden, ob Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Steigerung der Effizienz der EFSF in Betracht gezogen werden sollten. Sonderziehungsrechte sind eine künstliche, vom IWF geschaffene Währung und Teil der nationalen Währungsreserven der Mitgliedstaaten des Fonds. «Von deutscher Seite ist dieser Vorstoß abgelehnt worden», betonte der Regierungssprecher.

Unter dem Vorsitz des luxemburgischen Premier- und Schatzministers Jean-Claude Juncker reden die Euro-Minister über die Einzelheiten des «Hebels» für den EFSF. Es geht einerseits darum, Staatsanleihen von bestimmten Euro-Ländern durch eine Art Versicherung für Anleger wieder attraktiver zu machen. Zum anderen wird die Schaffung von besonderen Fonds vorbereitet, in die auch Staatsfonds anderer Staaten - beispielsweise China - investieren könnten.

Die Eurogruppe diskutiert auch darüber, wie eine bessere Überwachung der Eurozonenländer sichergestellt werden kann. Vor allem Italien soll eine strengere Aufsicht bekommen. Bereits beim G20-Gipfel musste die Regierung des unter Druck stehenden Regierungschefs Silvio Berlusconi eine Finanzkontrolle durch den Internationalen Währungsfonds akzeptieren. EU-Diplomaten erwarten jetzt in der Eurogruppe eine «Bestandsaufnahme», wie weit die italienische Regierung mit der Umsetzung ihrer beim Gipfel vorgelegten Sparvorschläge ist.

Am Dienstagmittag treffen sich dann die Finanzminister aller 27 EU-Staaten. Die EU-Kommission legt dabei ihre Pläne für eine Finanztransaktionssteuer vor. Diese Steuer soll 57 Milliarden Euro pro Jahr einbringen. Es gibt dagegen jedoch erheblichen Widerstand - unter anderem von Großbritannien. (Quelle: Brüssel (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Frankreichs Präsident Francois Hollande meldet Vorbehalte gegen Bundesfinanzminister Schäuble als Chef der Eurogruppe an - eine neue Volte im EU-Postengeschacher: Foto: Ian Langsdon
Eurogruppen-Chef: Hollande hat Bedenken gegen Schäuble

20.05.2012: Frankreichs Präsident François Hollande hat nach «Spiegel»-Informationen Bedenken gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als Eurogruppen-Chef.

Der britische Finanzminister George Osborne rückt von seiner Blockadehaltung ab. Foto: Andy Rain
EU verschärft Kapitalregeln für Banken

15.05.2012: Die Banken in Europa müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital absichern, um besser gegen Krisen gewappnet zu sein.

Athen hängt am Tropf internationaler Geldgeber; falls Mitte Juni kein neues Geld aus dem Hilfsprogramm fließt, ist das Land pleite. Foto: Oliver Berg/Symbolfoto
Chef-Kassenhüter: Griechenland soll Euro behalten

15.05.2012: Die Eurogruppe will das krisengeschüttelte Griechenland als Mitglied behalten.

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker und die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. Foto: Torkil Adsersen/Archiv
EU-Minister wollen sich auf neue Bankenregeln einigen

15.05.2012: Die Finanzminister der 27 EU-Staaten kommen heute in Brüssel zusammen, um sich auf strengere Eigenkapitalregeln für Banken zu einigen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte: «Alle haben den Willen, eine Lösung zu finden.» Foto: Tim Brakemeier/ Archiv
Neue Eigenkapitalregeln für Europas Banken kommen

03.05.2012: Nach heftigem Streit in der EU sind die geplanten schärferen Eigenkapitalregeln für Europas Banken in Sicht. Sie sollen wie geplant Anfang 2013 in Kraft treten.

Die Finanzminister von Belgien, Schweden, Irland, Spanien und Polen (v.l.n.r.) im Gespräch. Foto: Thierry Roge
EU-Mitglieder nähern sich im Streit um Banken-Regeln an

02.05.2012: Im Streit um strengere Eigenkapitalregeln für Banken nähern sich die EU-Staaten langsam an. «Wir sind nahe an einer Vereinbarung», sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am späten Mittwochabend nach elfstündigen Marathonverhandlungen in Brüssel.

Um die Größe des neuen Euro-Rettungsschirms ESM gibt es nach wie vor Streit. Foto: Patrick Pleul
Streit um Euro-Brandmauer

30.03.2012: Die Eurozone bekommt einen deutlich höheren Schutzwall gegen die seit zwei Jahren grassierende Schuldenkrise. Mit einer «Brandmauer» von insgesamt 800 Milliarden Euro wollen die Euroländer eine weitere Eskalation verhindern.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv
Euro-Kassenhüter wollen Streit um ESM schlichten

30.03.2012: Die Euro-Finanzminister kommen heute in Kopenhagen zusammen, um sich auf die Erhöhung des neuen Euro-Rettungsschirms ESM zu einigen. Diplomaten erwarten schwierige Debatten, da Berlin und Paris nicht auf derselben Linie liegen.

Schuldensünder Spanien kann etwas aufatmen: Die Euro-Finanzminister sind dem Wunsch nach Lockerung des für 2012 angesetzten Defizit-Ziels entgegengekommen. Foto: dpa
EU kommt Spanien bei Lockerung des Defizitziels entgegen

13.03.2012: Spanien hat beim Tauziehen mit der EU über das für 2012 angepeilte Defizitziel einen Teilerfolg erzielt. Die Euro-Finanzminister vereinbarten am Montagabend in Brüssel, die Marke von ursprünglich 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 5,3 Prozent anzuheben.