09.02.2012

Europäer verweigern schnelle Hilfen an Athen

Die griechische Regierung einigt sich nach langem Ringen auf ein hartes Sparpaket - doch die Euro-Partner dringen auf verbindliche Zusagen aus Athen. Die Finanzminister der Euro-Länder verhandelten in Brüssel über ein neues, milliardenschweres Hilfsprogramm.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Droht Griechenland der
 
(Foto: dpa)


Die griechische Regierung einigt sich nach langem Ringen auf ein hartes Sparpaket - doch die Euro-Partner dringen auf verbindliche Zusagen aus Athen. Die Finanzminister der Euro-Länder verhandelten in Brüssel über ein neues, milliardenschweres Hilfsprogramm.

Ein Kompromiss am Donnerstag sei aber noch nicht möglich, berichteten Diplomaten nach mehrstündigen Verhandlungen am Abend.
Endgültige Beschlüsse könnten frühestens in der nächsten Woche fallen.

«Es ist nun an der griechischen Regierung, die europäischen Partner zu überzeugen, dass das neue Paket funktionieren kann», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Das Programm soll einen Umfang von mindestens 130 Milliarden Euro haben. Diplomaten zufolge fordern stabilitätsorientierte Länder wie Deutschland schriftliche Garantien aus Athen, Reformen tatsächlich umzusetzen.

Rehn sagte, es gebe auf Mitarbeiter-Ebene eine Vereinbarung zwischen der griechischen Regierung und der «Troika» von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). «Diese Vereinbarung auf technischer Ebene wird nun eingehend von den Ministern der Eurozone geprüft.» Die Troika hatte das neue Programm verhandelt.

IWF-Chefin Christine Lagarde begrüßte die «sehr ermutigenden Nachrichten», die aus Athen kämen. Vor der Brüsseler Krisensitzung hatten sich die Regierungsparteien in Athen auf ein Sparpaket geeinigt. Es sieht neue, erhebliche Einschnitte vor: Niedrigere Mindestlöhne, eingefrorene Gehälter und weniger Staatsdiener.

Selbst bei der bis zuletzt umstrittenen Rentenkürzung gab es nach Angaben aus Athen eine Einigung. Bis 2015 soll Griechenland so insgesamt 14 Milliarden Euro sparen, allein dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Freitagmorgen in Berlin die Partei- und Fraktionschefs über den Stand der Griechenland-Hilfen unterrichten. Das verlautete aus Koalitionskreisen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte: «Die Verhandlungen sind weit vorangeschritten, aber wir sind noch nicht so weit.» Er forderte ein Programm, dass die Gesamtverschuldung Griechenlands bis Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt. Derzeit sind es rund 160 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sagte: «Es gibt viele Unklarheiten.»

Die obersten Kassenhüter antworteten nicht auf Fragen, ob die EZB und nationale Notenbanken bei der Griechenlandrettung mit ins Boot genommen werden sollen.

EZB-Chef Mario Draghi saß mit am Verhandlungstisch. Der Italiener hatte zuvor in Frankfurt deutlich gemacht, dass die EZB ihren gigantischen Bestand an griechischen Staatsanleihen im Schätzwert von 45 Milliarden Euro zu Geld machen könnte. Möglich ist, die Gewinne über die Euroländer an Athen weiterzureichen. Maßgeblich für die Gewinne wäre der jeweilige Anteil der Länder am EZB-Kapital.

Bisher wurde in Griechenland nur über einen Schuldenschnitt der Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen verhandelt. Nach Aussage des griechischen Ressortchefs Evangelos Venizelos gibt es mit den Bankenvertretern eine erste Einigung auf die sogenannte Privatsektor-Beteiligung.

«Wir haben auch eine Vereinbarung mit den Privatgläubigern auf die grundlegenden Faktoren der Privatsektor-Beteiligung», sagte er in Brüssel. «Wir brauchen politische Unterstützung der Eurogruppe, um die letzten Schritte zu machen.» Der freiwillige Schuldenschnitt ist ein Baustein des neuen Hilfspakets für Griechenland. Er soll die griechischen Staatsschulden von rund 350 Milliarden Euro um rund 100 Milliarden Euro mindern. (Quelle: Brüssel/Athen (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Blick auf die Khondab Schwerwasser-Atomanlage im iranischen Arak. Foto: STR/Archiv
IAEA-Chef Amano eröffnet Atomgespräche in Teheran

21.05.2012: Der Chef der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukio Amano, hat in Teheran Gespräche über das umstrittene iranische Atomprogramm begonnen. Zum Auftakt traf er mit dem Direktor des iranischen Atomprogramms, Ferejdun Abbasi, zusammen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Isna berichtete.

Bei Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wurden in Beirut zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt. Foto: Nabil Mounzer
Zwei Tote nach Kämpfen in Beirut - Panzer auf den Straßen

21.05.2012: Der blutige Konflikt in Syrien schwappt nun erstmals auch nach Beirut über: Bei Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wurden in der Nacht zum Montag in der libanesischen Hauptstadt zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt.

Francois Hollande präsentiert die Ergebnisses des Gipfels aus seiner Sicht. Foto: Yoan Valat
Paris setzt Kampftruppen-Abzug in Afghanistan durch

21.05.2012: Frankreich hat beim Nato-Gipfel seinen vorzeitigen Kampftruppen-Abzug aus Afghanistan bis Ende des Jahres durchgesetzt. «Wir haben eine gemeinsame Abmachung gefunden», sagte der neue Staatspräsident François Hollande am Rande des Spitzentreffens in Chicago.

Thilo Sarrazin (SPD), ehemaliger Finanzsenator von Berlin, bei einer Tonprobe der Sendung
Sarrazin verteidigt sein Anti-Euro-Buch

21.05.2012: Der Ex-SPD-Politiker Thilo Sarrazin hat sein neues Anti-Euro-Buch und seine viel kritisierte Bezugnahme auf die deutsche NS-Vergangenheit verteidigt.

Begleitet von Polizisten marschierten Tausende zum Konferenzort des Nato-Gipfels. Am Ende gab es Zusammenstöße. Foto: John Smierciak
Großdemonstration gegen Nato-Gipfel in Chicago

21.05.2012: Massenprotest gegen den bisher größten Nato-Gipfel: Viele tausend Aktivisten haben am Sonntag mitten im Zentrum der Millionenstadt Chicago gegen Krieg und Nato-Politik demonstriert.

Anhänger feiern Nikolic-Sieg: Völlig unerwartet hat Oppositionsführer Nikolic die Präsidentenwahl gewonnen. Foto: Koca Sulejmanovic
Verfassungsprobleme für neuen serbischen Präsidenten Nikolic

21.05.2012: Der neue serbische Staatspräsident Tomislav Nikolic muss komplizierte Verfassungsprobleme lösen, damit er zügig sein Amt antreten kann.

Tomislav Nikolic vor der Stimmabgabe mit seiner Frau Dragica. Foto: Andrej Cucic
Oppositionschef Nikolic gewinnt Präsidentenwahl in Serbien

20.05.2012: Entgegen allen Umfragen und Prognosen hat Serbiens Oppositionsführer Tomislav Nikolic die Stichwahl zur Präsidentschaft gewonnen.

Der NATO-Gipfel in Chicago wird von heftigen Protesten begleitet. Foto: Peer Grimm
Großdemonstration nimmt Nato-Gipfel ins Visier

20.05.2012: Massenprotest gegen den bisher größten Nato-Gipfel: Viele tausend Aktivisten haben am Sonntag mitten im Zentrum der Millionenstadt Chicago gegen Krieg und Nato-Politik demonstriert.

Ein Polizist im schottischen Lockerbie am Wrack der Passagiermaschine der PanAm. Foto: EPA Paletkey/Archiv
Lockerbie-Attentäter Al-Megrahi ist tot

20.05.2012: Zweieinhalb Jahre nach seiner umstrittenen Freilassung ist der mutmaßliche Lockerbie-Bomber Abdel Bassit al-Megrahi gestorben. Der Libyer soll an dem Attentat auf eine US-Maschine im Jahr 1988 beteiligt gewesen sein, bei dem 270 Menschen starben.