21.03.2010

Große Paralympics-Show, tolle deutsche Erfolge

Das macht ganz große Lust auf Sotschi 2014: Deutschlands «Helden mit Handicap» verlassen Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Langläuferin Verena Bentele freut sich über ihre Goldmedaille im 5-km-Rennen. (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Das macht ganz große Lust auf Sotschi 2014: Deutschlands «Helden mit Handicap» verlassen Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.

Angeführt von den überragenden Einzelkönnern Verena Bentele, Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler stieg das deutsche Team vor Norwegen zur besten Mannschaft in der Historie der winterlichen Behindertenspiele seit 1976 auf.
«Da haben wir jetzt für klare Verhältnisse gesorgt», erklärte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), am Tag vor dem Abschluss der Winter- Paralympics 2010 in Whistler.

Mit zwölfmal Gold, fünfmal Silber und sechsmal Bronze war das Ergebnis von Turin 2006 (8-5-5) schon vor dem Finaltag übertroffen. Am Schlusstag legte dann Verena Bentele im Sprint über 1 Kilometer noch einmal nach: Mit ihrem phänomenalen fünften Sieg im fünften Rennen gewann die blinde «Skikönigin» von Whistler für das DBS-Team die 13. Goldmedaille. Damit eroberte die deutsche Mannschaft wie 2002 in Salt Lake City Platz eins in der Nationenwertung vor Russland (12-16-10).

«Ja! Wir haben es geschafft», rief Chef de Mission Karl Quade im Langlaufstadion im Callaghan Valley lauthals aus und reckte die Arme zum Jubel in die Luft. «Toll. Ein Erfolg in diesen Dimensionen konnte nicht erwartet werden», kommentierte er den beeindruckenden Auftritt des kleinen Teams mit seinen nur 20 Mitgliedern. «Eine super Leistung, ein Top-Ergebnis», hielt Beucher fest.

In seinem letzten Paralympics-Finale war der 42-jährige sehbehinderte Langläufer Frank Höfle (Isny) Vierter geworden. Tino Uhlig (Baiersbronn), Willi Brem (Germaringen) und Andrea Eskau (Bergheim) an ihrem 39. Geburtstag waren jeweils im Halbfinale ausgeschieden.

Die Paralympischen Spiele haben Maßstäbe gesetzt, nicht nur im deutschen Team. Große Gefühle, große Momente, großer Sport, herzliche kanadische Gastgeber: Von dem Augenblick an, als der 15-jährige Zach Beaumont das paralympische Feuer entzündete, herrschte eine unvergleichliche Stimmung. Allein der Dopingfall des schwedischen Rollstuhl-Curlers Glenn Ikonen sorgte für Irritationen.

«Der Jacques Rogge würde sagen: Best games ever. Die Spiele hier und vor allem die alpinen Ski-Wettbewerbe in Whistler waren für jeden Athleten ein unvergessliches Erlebnis» - Dreifach-Sieger Martin Braxenthaler brachte es auf den Punkt. Er und die anderen deutschen Alpinen legten ein furioses Finale hin, das mit der Bilanz von sieben goldenen sowie je vier silbernen und bronzenen Plaketten schlichtweg überragend war. «Das sind Rennsäue. Wenn die anderen zittern, zeigen sie, wo's lang geht», sagte Bundestrainerin Maike Hujara.

Verena Bentele war die ungekrönte Königin der nordischen Skisportler, Gerd Schönfelder der Herrscher der Alpinen. «So kann man echt aufhören. Das ist ja nicht mehr zu toppen» - der «Stier von Kulmain» beendet seine paralympische Karriere mit 16 Titeln und 22 Medaillen. Fünf Starts, vier erste Plätze, ein zweiter Rang: Schönfelder hat die Anwartschaft auf einen Platz in der Paralympics- Ruhmeshalle zementiert und am Samstag gleich zweimal Gänsehaut produziert: Während der Super-Kombination, die mit seinem vierten Gold zu Ende ging, wurde er zum zweiten Mal Vater: «Ein geiles Drehbuch. Ein unglaublich schöner Tag, ein perfekter Tag.»

Thomas Bach würdigte den Auftritt des deutschen Teams. «Das war eine wirklich herausragende Leistung, getragen von großartigen Athleten», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Deutschen Presse-Agentur dpa. «In Kanada hat sich auch die große Entwicklung der Paralympics gezeigt. Die Athleten und ihre Leistungen stehen im Vordergrund, nicht ihre Behinderung.»

Die deutsche Mannschaft steht vor dem Umbruch. Asse wie Schönfelder und wohl auch Braxenthaler und Verena Bentele hören auf. Mit ihnen «ist unser Ziel deutlich übertroffen worden», sagte Quade. Doch es wird weiter Erfolge geben: Die 17-jährige Anna Schaffelhuber, die bei ihrer Premiere Bronze im Super-G gewann, die vierfache Medaillengewinnerin Andrea Rothfuß oder der Abfahrts-Vierte Thomas Nolte sind schon jetzt gut genug, das Erbe anzutreten. «Das Team wird in Sotschi ein anderes Gesicht haben», kündigte Quade an. Und Schaffelhuber, die bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne trug, steht symbolisch für den Umbruch und das neue, frische Gesicht. (Quelle: Vancouver (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Frank Ullrich wird Bundestrainer der Skilangläufer. Foto: Martin Schutt
Überraschend: Ullrich wird Langlauf-Bundestrainer

19.04.2012: Frank Ullrich ist zurück auf der großen Wintersportbühne.

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle ist überraschend zurückgetreten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Behles Abgang mit Stil: Gemeinsame Suche nach Lösungen

30.03.2012: Jochen Behle ist konsequent, aber keine Mimose.

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle ist überraschend zurückgetreten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Skilanglauf-Bundestrainer Behle tritt zurück

29.03.2012: Jochen Behle hat völlig unvermittelt seinen Rücktritt als Langlauf-Bundestrainer erklärt und damit Athleten wie Ski-Kollegen schockiert. «Das ist der Hammer.

Marit Björgen (M) jubelt in Stockholm auf der Ziellinie. Foto: Claudio Bresciani
Deutsche beim Stockholmer Sprint kraftlos

14.03.2012: Die deutschen Skilangläufer haben den Auftakt des Weltcup-Finals in Stockholm verpatzt. Beim City-Sprint in der klassischen Technik hatten die DSV-Läufer im Feld der 50 Besten der Welt keine Chance.

Dotzler konnte seine zweite Bronzemedaille erringen. Foto: Patrick Seeger/Archiv
Zweite Bronze-Medaille für Langläufer Dotzler bei U 23-WM

25.02.2012: Hannes Dotzler hat bei den Langlauf-Weltmeisterschaften der U 23 im türkischen Erzurum seine zweite Bronzemedaille gewonnen. Der Sonthofener musste am Samstag im Skiathlon über 30 Kilometer in 1:16:32,0 Stunden lediglich den Russen Raul Schakirzjanow und Jewgeni Below nach Zielfotoentscheid den Vortritt lassen.

Eric Frenzel kam beim Weltcup in Liberec auf Platz zwei. Foto: Filip Singer
Frenzel Zweiter bei Kombinierer-Weltcup in Liberec

25.02.2012: Die Erleichterung war Eric Frenzel bei aller Erschöpfung anzumerken. Nach Wochen der Enttäuschungen und Selbstzweifel meldete sich der Weltmeister beim Weltcup in der Nordischen Kombination im tschechischen Liberec mit Platz zwei auf dem Siegerpodest zurück.

Katrin Zeller wurde beim Sprint im polnischen Sklarska Poreba Neunte. Foto: Valda Kalnina
Herrmann mit Prologbestzeit - Wenzl zurückgesetzt

17.02.2012: Die Schwedin Ida Ingemarsdotter und Devon Kershaw aus Kanada haben die Premiere des Skilanglauf-Weltcups im polnischen Sklarska Poreba gewonnen.

Todesfall überschattet König-Ludwig-Lauf

05.02.2012: Oberammergau (dap/lby) - Der traditionelle König-Ludwig-Lauf in Oberammergau ist am Wochenende bei eisiger Kälte von zahlreichen Zwischenfällen überschattet worden.

Tobias Angerer kann sich in Rybinsk über zwei Podestplätze freuen. Foto: Juri Koschetkow
Wieder Dritter: Angerer überzeugt auch im Skiathlon

05.02.2012: Tobias Angerer gehört noch nicht zum alten Eisen. 23 Monate musste er warten und kämpfen, um endlich wieder bei einem Langlauf-Weltcup auf das Siegerpodest steigen zu können.