Große Paralympics-Show, tolle deutsche Erfolge
Das macht ganz große Lust auf Sotschi 2014: Deutschlands «Helden mit Handicap» verlassen Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.
(Foto: dpa)
Das macht ganz große Lust auf Sotschi 2014: Deutschlands «Helden mit Handicap» verlassen Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.
Angeführt von den überragenden Einzelkönnern Verena Bentele, Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler stieg das deutsche Team vor Norwegen zur besten Mannschaft in der Historie der winterlichen Behindertenspiele seit 1976 auf.
«Da haben wir jetzt für klare Verhältnisse gesorgt», erklärte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), am Tag vor dem Abschluss der Winter- Paralympics 2010 in Whistler.
Mit zwölfmal Gold, fünfmal Silber und sechsmal Bronze war das Ergebnis von Turin 2006 (8-5-5) schon vor dem Finaltag übertroffen. Am Schlusstag legte dann Verena Bentele im Sprint über 1 Kilometer noch einmal nach: Mit ihrem phänomenalen fünften Sieg im fünften Rennen gewann die blinde «Skikönigin» von Whistler für das DBS-Team die 13. Goldmedaille. Damit eroberte die deutsche Mannschaft wie 2002 in Salt Lake City Platz eins in der Nationenwertung vor Russland (12-16-10).
«Ja! Wir haben es geschafft», rief Chef de Mission Karl Quade im Langlaufstadion im Callaghan Valley lauthals aus und reckte die Arme zum Jubel in die Luft. «Toll. Ein Erfolg in diesen Dimensionen konnte nicht erwartet werden», kommentierte er den beeindruckenden Auftritt des kleinen Teams mit seinen nur 20 Mitgliedern. «Eine super Leistung, ein Top-Ergebnis», hielt Beucher fest.
In seinem letzten Paralympics-Finale war der 42-jährige sehbehinderte Langläufer Frank Höfle (Isny) Vierter geworden. Tino Uhlig (Baiersbronn), Willi Brem (Germaringen) und Andrea Eskau (Bergheim) an ihrem 39. Geburtstag waren jeweils im Halbfinale ausgeschieden.
Die Paralympischen Spiele haben Maßstäbe gesetzt, nicht nur im deutschen Team. Große Gefühle, große Momente, großer Sport, herzliche kanadische Gastgeber: Von dem Augenblick an, als der 15-jährige Zach Beaumont das paralympische Feuer entzündete, herrschte eine unvergleichliche Stimmung. Allein der Dopingfall des schwedischen Rollstuhl-Curlers Glenn Ikonen sorgte für Irritationen.
«Der Jacques Rogge würde sagen: Best games ever. Die Spiele hier und vor allem die alpinen Ski-Wettbewerbe in Whistler waren für jeden Athleten ein unvergessliches Erlebnis» - Dreifach-Sieger Martin Braxenthaler brachte es auf den Punkt. Er und die anderen deutschen Alpinen legten ein furioses Finale hin, das mit der Bilanz von sieben goldenen sowie je vier silbernen und bronzenen Plaketten schlichtweg überragend war. «Das sind Rennsäue. Wenn die anderen zittern, zeigen sie, wo's lang geht», sagte Bundestrainerin Maike Hujara.
Verena Bentele war die ungekrönte Königin der nordischen Skisportler, Gerd Schönfelder der Herrscher der Alpinen. «So kann man echt aufhören. Das ist ja nicht mehr zu toppen» - der «Stier von Kulmain» beendet seine paralympische Karriere mit 16 Titeln und 22 Medaillen. Fünf Starts, vier erste Plätze, ein zweiter Rang: Schönfelder hat die Anwartschaft auf einen Platz in der Paralympics- Ruhmeshalle zementiert und am Samstag gleich zweimal Gänsehaut produziert: Während der Super-Kombination, die mit seinem vierten Gold zu Ende ging, wurde er zum zweiten Mal Vater: «Ein geiles Drehbuch. Ein unglaublich schöner Tag, ein perfekter Tag.»
Thomas Bach würdigte den Auftritt des deutschen Teams. «Das war eine wirklich herausragende Leistung, getragen von großartigen Athleten», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Deutschen Presse-Agentur dpa. «In Kanada hat sich auch die große Entwicklung der Paralympics gezeigt. Die Athleten und ihre Leistungen stehen im Vordergrund, nicht ihre Behinderung.»
Die deutsche Mannschaft steht vor dem Umbruch. Asse wie Schönfelder und wohl auch Braxenthaler und Verena Bentele hören auf. Mit ihnen «ist unser Ziel deutlich übertroffen worden», sagte Quade. Doch es wird weiter Erfolge geben: Die 17-jährige Anna Schaffelhuber, die bei ihrer Premiere Bronze im Super-G gewann, die vierfache Medaillengewinnerin Andrea Rothfuß oder der Abfahrts-Vierte Thomas Nolte sind schon jetzt gut genug, das Erbe anzutreten. «Das Team wird in Sotschi ein anderes Gesicht haben», kündigte Quade an. Und Schaffelhuber, die bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne trug, steht symbolisch für den Umbruch und das neue, frische Gesicht. (Quelle: Vancouver (dpa/lby))
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