22.02.2012

Halsbandsittich kommt bei Bundesamt auf den Prüfstand

In Wiesbaden, rund um Köln und Heidelberg flattern freilebende Halsbandsittiche schon seit Jahrzehnten durch die Parks. Nun breiten sich die Papageien vor allem entlang des Rheins weiter aus.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Ein wildlebender Halsbandsittich (Psittacula krameri), auch
 
(Foto: dpa)


In Wiesbaden, rund um Köln und Heidelberg flattern freilebende Halsbandsittiche schon seit Jahrzehnten durch die Parks. Nun breiten sich die Papageien vor allem entlang des Rheins weiter aus.

Viele Spaziergänger freuen sich über die possierlichen Schreihälse, Ornithologen erforschen begeistert die Lebensgewohnheiten der Exoten.
Kritiker warnen jedoch, dass die Sittiche womöglich natürlich vorkommenden Vögeln wie Spechten und Kleibern die Bruthöhlen streitig machen und Fledermäuse vertreiben. Sind die freigesetzten Papageien eine Bedrohung für natürlich vorkommende Tiere? Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn will nun gezielt eine Antwort darauf finden. Unter Fachleuten gehen die Meinungen weit auseinander: Manche begrüßen neue Arten als Zugewinn an biologischer Vielfalt, andere plädieren für eine konsequente Beseitigung.

Die ersten wildlebenden Halsbandsittiche in Deutschland wurden Mitte der 1960er Jahre in Köln beobachtet - vermutlich waren sie entflogen oder ausgesetzt worden. Nach aktuellen Schätzungen leben inzwischen 8500 Halsbandsittiche hierzulande wild, meist in Parks mit vielen alten Bäumen. Ob sie dort andere Tiere vertreiben, lasse sich anhand der bekannten wissenschaftlichen Daten nicht sicher beurteilen, heißt es vom Bundesamt. Daher gelte der Halsbandsittich als potenziell invasiv und sollte weiter beobachtet werden. Das bedeutet, er kommt voraussichtlich auf die sogenannte «graue Liste».

Mit dem Bewertungssystem der weißen, grauen und schwarzen Listen teilt das Bundesamt freigesetzte oder eingeschleppte Tiere und Pflanzen danach ein, ob sie einheimische Arten möglicherweise gefährden. Bislang sind nur die Fische fertig: Von 25 beurteilten Arten kamen 6 auf die «schwarze Liste». Sie gelten als invasiv, eine Gefährdung einheimischer Arten gilt als belegt. Ob und mit welchen Mitteln solche Populationen kontrolliert werden, soll im Einzelfall entschieden werden.

Für Kandidaten auf der «grauen Liste» gilt: Eine Gefährdung ist wahrscheinlich, die Art muss weiter genauer beobachtet werden. Auf der weißen Liste landen alle Arten, von denen bislang keine Gefahr ausgeht. Die Einordnung für landlebende Wirbeltiere und einen großen Teil der Pflanzen soll bis Herbst fertig sein. Beim Halsbandsittich sei es etwa denkbar, dass er sich in Auenwäldern ausbreitet und dort Höhlenbrüter bedroht, schreiben die Experten des Bundesamtes in einer Mitteilung. «Als mögliche Maßnahmen käme hier vor allem Vergrämen in Betracht. Ei-Entnahme, Vergiftung oder Abschuss wären wahrscheinlich nicht praktikabel.»

Allein im Rhein-Neckar-Raum leben nach Zählungen des Biologen Michael Braun rund 3000 Halsbandsittiche. «Diese Zahlen sind seit Jahren stabil», sagt er. Erst in jüngerer Zeit seien dagegen die Papageien in Zweibrücken und einzelne auch in Frankfurt beobachtet worden. Braun ist zwar grundsätzlich damit einverstanden, bei zugewanderten Arten zu prüfen, ob sie der heimische Fauna schaden. Aber: «Wie man den Halsbandsittich auf die graue Liste setzen kann, das ist mir ein Rätsel.»

Auch der Wiesbadener Papageien-Experte Detlev Franz ist sich sicher: «Ich denke, beim Halsbandsittich wird keine Gefährdung rauskommen.» Parkanlagen seien ohnehin kein natürlicher Lebensraum. Eine Konkurrenz um Höhlen etwa mit Hohltauben, Dohlen und Fledermäusen kann Franz nicht erkennen. Die Ansprüche seien viel zu unterschiedlich. Franz hat unter anderem untersucht, in wieweit Halsbandsittiche und Buntspechte in Konkurrenz stehen. Für den Experten ist es wegen mangelnder Daten noch völlig offen, ob die Papageien den Spechten die Höhlen streitig machen und deren Population schädigen. Gegen eine Konkurrenz spreche jedoch, dass beide Arten zeitversetzt brüten. (Quelle: Wiesbaden (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Norbert Röttgen will sich vorerst nicht zu den Hintergründen seiner Entlassung durch Kanzlerin Merkel äußern. Foto: Henning Kaiser/Archivbild
Abservierter Röttgen will nicht nachkarten

21.05.2012: Der scheidende Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will vorerst nicht gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen seiner Entlassung nachkarten.

Bulle springt Metzger von der Schlachtbank

21.05.2012: Ein Bulle hat in Unterfranken dem Tod ins Auge geblickt und schleunigst die Flucht ergriffen. Das Tier sprang am Montag einem Metzger in Zellingen (Kreis Main-Spessart) von der Schlachtbank, wie die Polizei in Würzburg mitteilte.

Greenpeace protestiert gegen bayerische Waldpolitik. Foto: Peter Kneffel
Schutz der Buchenwälder - großes Greenpeace-Banner vor Staatskanzlei

21.05.2012: Mit einem riesigen Banner vor der bayerischen Staatskanzlei haben sich Greenpeace-Aktivisten erneut für den Erhalt der Buchenwälder im Freistaat stark gemacht.

Wolf «Pandur» noch immer auf der Flucht

21.05.2012: Der aus einem oberpfälzischen Tierpark entwischte Wolf kann wahrscheinlich nicht mehr eingefangen werden.

Das Ringen um die alten Buchenwälder geht weiter. Foto: David Ebener/Archiv
Das Ringen um den Steigerwald geht weiter

20.05.2012: Das Ringen um das künftige Schutz- und Nutzungskonzept für den Steigerwald geht weiter. Offiziell hat die Staatsregierung vor knapp einem Jahr zwar den Plänen für einen Nationalpark eine Absage erteilt.

Wolf bricht aus Tierpark im Bayerischen Wald aus

19.05.2012: Ein zwei Jahre alter Wolf ist seinen Pflegern in einem Tierpark in Lohberg (Kreis Cham) entwischt.

Ob Sissi richtig getippt hat entscheidet sich am Samstag. Foto: Frank Leonhardt
Dackel «Sissi» sagt Bayern-Sieg voraus

18.05.2012: Der FC Bayern München gewinnt an diesem Samstag das Finale gegen den FC Chelsea - zumindest wenn es nach Dackeldame «Sissi» geht.

Der Sumatra-Elefant ist eine etwas kleinere und hellere Unterart des asiatischen Elefanten und gilt als stark gefährdet. Foto: Mast Irham
Wilderer töten seltenen Sumatra-Elefanten

17.05.2012: Einen der letzten Sumatra-Elefanten haben Wilderer in der indonesischen Provinz Banda Aceh getötet. Es sei der zweite derartige Fall binnen eines Monats, sagte ein Sprecher der lokalen Forstbehörden.

Polizei fahndet nach flüchtiger Kuh

17.05.2012: Die Polizei im fränkischen Lichtenfels sucht nach einem Autounfall in der Nacht zum Donnerstag nach einer flüchtigen Kuh. Das Tier war plötzlich auf eine Straße am Ortsausgang gelaufen und dort mit einem Auto zusammengeprallt.