Hausmusikabend nach Art der Well-Geschwister
Zwei mal drei ist sechs - das ist bei den Geschwistern der großen Familie Well schon lange so. Erst begeisterten die drei Brüder von der Biermösl Blosn 35 Jahre lang ihr Publikum, dann taten es ihnen drei Schwestern als Wellküren gleich.
(Foto: dpa)
Zwei mal drei ist sechs - das ist bei den Geschwistern der großen Familie Well schon lange so. Erst begeisterten die drei Brüder von der Biermösl Blosn 35 Jahre lang ihr Publikum, dann taten es ihnen drei Schwestern als Wellküren gleich.
Nun hat sich zwar die Biermösl Blosn zu Jahresbeginn aufgelöst.
Doch die Premiere des als Hausmusikabend betitelten Programms von und mit den Geschwistern Well am Sonntagabend in den Münchner Kammerspielen ließ das traurige Ende der Biermösl Blosn schnell vergessen - und wieder spielen sechs Musikanten auf der Bühne.
Einige Dutzend Instrumente hängen an Karabinern von der Decke, Moni, Burgi, Bärbi, Michael, Christoph («Stofferl») und - neu hinzugekommen - Karli Well bedienen sich reichlich und machen teils virtuos Musik. Neben Volksmusik mischen sie auch Klassik auf, Maurice Ravels «Bolero» muss genauso herhalten wie Georges Bizets Oper «Carmen». Auch vor den Beatles machen sie nicht Halt. Von der mittelalterlichen Drehleier über Trompete und Ukulele bis zum Saxophon ist alles geboten in dem Programm, das die hohe Musikalität und instrumentale Vielfalt der Well-Familie eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Den Rahmen des gemeinsamen Musizierens unter dem Motto «Fein sein, beinander bleibn» bildet der Wunsch der Geschwister, nach langen Jahren des kommerziellen Verzichts endlich das große Geld zu machen und dabei auch vor einem «Jodeling» beim Kultur-Oktoberfest in Texas nicht haltzumachen. Bei den Proben beginnen die Schwestern und Brüder freilich schnell zu streiten - all die alten Geschichten von der Kindheit im Elternhaus kommen hoch. Es werden die verschiedensten Versionen vom Stoß einer Schwester in die Odelgrube oder dem Hieb auf die Nase eines Bruders mit dem Schürhaken aufgewärmt - keiner will's gewesen sein.
In Musik verwandelt wird die Streithanselei der erwachsen gewordenen Well-Kinder in einem hochamüsanten Instrumentalstück. Dabei spielen alle wild durcheinander und trösten sich doch wieder gegenseitig, um am Ende einträchtig-innig das Volkslied «Fein sein, beinander bleibn» anzustimmen.
Das neue Programm ist weniger politisch als die Auftritte der Biermösl Blosn. Aber der beißende Spott am politischen und gesellschaftlichen Zustand der Republik und insbesondere in Bayern bleibt nicht aus. Den Abend adelt der bald 70-jährige Kabarettist Gerhard Polt. Er schlüpft für fünf Minuten in vollem Ornat und nur an der Stimme zu erkennen in die Rolle des «Nikolausi» alias Haus-Nikolaus der Familie Well. Am Ende viele Vorhänge für das Ensemble, das erst nach drei Zugaben von der Bühne gelassen wird. (Quelle: München (dpa/lby))
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