02.02.2012

Kinder mit Migrationshintergrund seltener in Kitas

Eltern mit ausländischen Wurzeln betreuen ihre kleinen Kinder wesentlich häufiger ausschließlich zu Hause als Eltern ohne Migrationshintergrund.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Kinder ohne Migrationshintergrund werden häufiger in Kindergärten betreut. Foto: Patrick Pleul / Archiv (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Eltern mit ausländischen Wurzeln betreuen ihre kleinen Kinder wesentlich häufiger ausschließlich zu Hause als Eltern ohne Migrationshintergrund.

Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 14 Prozent der Ein- und Zweijährigen mit mindestens einem Elternteil ausländischer Herkunft in einer Kita oder von Tageseltern betreut worden, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.
Bei den gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund lag der Anteil bei 30 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch. In beiden Gruppen stieg die Quote binnen eines Jahres leicht um zwei Prozentpunkte.

Auch bei den Drei- bis Fünfjährigen war der Anteil der Kinder ausländischer Herkuft in Kitas oder anderer externer Tagesbetreuung mit 85 Prozent deutlich niedriger als der bei Kindern ohne Migrationshintergrund, von denen 97 Prozent Kitas besuchten oder von Tageseltern betreut wurden. Hier hat sich die Betreuungsquote während der vergangenen beiden Jahre kaum verändert.

Der Ausbau der Kindertageseinrichtungen müsse konsequent vorangetrieben werden, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) laut Mitteilung. Bis zum Sommer 2013 müsse der Bedarf gedeckt werden, denn dann gelte der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die Ein- und Zweijährigen. «Je früher Max und Ali miteinander im Sandkasten spielen, umso besser für die Integration und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt», sagte Schröder.

Der Vorsitzende des AWO-Bundesverbandes, Wolfgang Stadler, sieht das Kernproblem in der Finanzierung. «Gerade die klammen Kommunen haben oft kaum Mittel, um in die notwendige Förderung der Kinder zu investieren. Bund, Länder und Kommunen müssen an einen Tisch, damit alle Kinder die gleichen Bildungschancen bekommen, denn Bildung verhindert Armut», sagte Stadler laut Mitteilung.

Die Grünen finden unter anderem die Betreuungskosten für die Eltern problematisch. «Wir brauchen massive Investitionen in die Kita-Qualität und perspektivisch die Abschaffung der Kita-Gebühren», sagte Memet Kilic, Sprecher für Migrations- und Integrationspolitik, laut Mitteilung. «In den ersten Lebensjahren werden wichtige Weichen für Kinder gestellt.» Das geplante Betreuungsgeld werde aber verhindern, dass mehr Eltern ihre Kinder in Kitas schicken.

Auch die SPD ist gegen das Betreuungsgeld: «Das Ziel kann nicht sein, Kinder von den Betreuungsangeboten fernzuhalten. Wir müssen Hürden abbauen, die gerade Familien mit Migrationshintergrund noch davon abhalten, ihre Kinder in Kitas zu bringen», sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzenden Manuela Schwesig laut Mitteilung.

Wenn der Bundestag im Frühjahr zustimmt, soll das Betreuungsgeld 2013 eingeführt werden. Es ist für Eltern von Kindern unter drei Jahren gedacht, die ihren Nachwuchs zu Hause betreuen. (Quelle: Wiesbaden/Berlin (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Mit Peter Altmaier (CDU) bekommt Deutschland einen neuen Umweltminister. Foto: Maurizio Gambarini
Altmaier wird zum Bundesumweltminister ernannt

22.05.2012: Eine Woche nach der Entlassung von Norbert Röttgen wird der CDU-Politiker Peter Altmaier heute in Berlin zum neuen Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernannt.

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba
Alexis Tsipras besucht Berlin

22.05.2012: Knapp vier Wochen vor den Neuwahlen in Griechenland schließen die Konservativen die Reihen, um klar stärkste Kraft im Parlament zu werden.

Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi. Noch ist der Streit um die künftige Führung der Linken nicht beendet. Foto: Caroline Seidel
Linke streitet weiter um künftige Führung

21.05.2012: Rund zwei Wochen vor dem Wahlparteitag der Linken verschärft sich der Machtkampf um die künftige Führung. Ein Krisentreffen von Bundestags-Fraktionsvize Dietmar Bartsch mit Ex-Parteichef Oskar Lafontaine brachte am Sonntagabend keine Lösung.

Norbert Röttgen will sich vorerst nicht zu den Hintergründen seiner Entlassung durch Kanzlerin Merkel äußern. Foto: Henning Kaiser/Archivbild
Abservierter Röttgen will nicht nachkarten

21.05.2012: Der scheidende Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will vorerst nicht gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen seiner Entlassung nachkarten.

Kundgebungen von Pro NRW führen immer wieder zu Konfrontationen mit Gegendemonstranten. Foto: Henning Kaiser/Archivbild
Mordaufruf von Islamisten: Generalbundesanwalt ermittelt

21.05.2012: Nach dem Mordaufruf eines Islamisten gegen deutsche Rechtsextremisten hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Sie richten sich gegen Yassin Chouka alias Abu Ibrahim, der der Bundesanwaltschaft kein Unbekannter ist.

Thilo Sarrazin (SPD), ehemaliger Finanzsenator von Berlin, vor der Sendung
Sarrazin verteidigt Anti-Euro-Buch

21.05.2012: Der ehemalige SPD-Politiker Thilo Sarrazin hat sein neues Anti-Euro-Buch und seine viel kritisierte Bezugnahme auf die deutsche NS-Vergangenheit verteidigt.

Kind auf Supermarkt-Parkplatz angefahren und schwer verletzt

21.05.2012: Ein dreijähriges Mädchen ist auf einem Supermarkt-Parkplatz in der Oberpfalz angefahren und schwer verletzt worden.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Foto: Uli Deck/Archiv
SPD-Frauen bezweifeln Gabriels Eignung als Kanzler

21.05.2012: Auf dem Bundeskongress der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) ist es heute zu einem hitzigen Schlagabtausch mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel gekommen.

Kanzlerin Angela Merkel will mit der Opposition über eine parteiübergreifende Zustimmung zum Fiskalpakt sprechen. Foto: Boris Roessler
Treffen der Partei- und Fraktionschefs zum Euro am Donnerstag

21.05.2012: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will an diesem Donnerstag mit den Partei- und Fraktionschefs von SPD, Grünen und Linken über eine Zustimmung zum europäischen Fiskalpakt verhandeln. Das teilte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter heute in Berlin mit.