13.06.2011

Klimawandel könnte Bayerns Seen mehr Fische bringen

Noch mehr und noch größere Fische könnten mit zunehmendem Klimawandel Bayerns Flüsse und Seen bevölkern.
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Noch größer als dieser 1,50 Meter lange Wels, waren die Fische aus dem Ammersee. (Archiv)  (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Noch mehr und noch größere Fische könnten mit zunehmendem Klimawandel Bayerns Flüsse und Seen bevölkern. Höhere Temperaturen kämen vielen Fischarten entgegen, solange es dabei feucht bleibe, sagte der Fischereidirektor des Bezirks Oberbayern, Peter Wißmath, der Nachrichtenagentur dpa. Besonders große Exemplare wie die beiden jüngst im Ammersee gefangenen mannsgroßen Riesenwaller blieben aber auch in Zukunft Einzelfälle.


Nach Berichten von Münchner Zeitungen in der vergangenen Woche hatte ein Fischer im Abstand von nur 14 Tagen zwei alte Waller aus dem See gezogen. Der zweite Wels war mit 1,85 Meter noch größer als der erste und wog 88 Pfund. «Der ist mit Sicherheit mindestens 15 bis 20 Jahre alt», sagt Wißmath.

Für Badegäste ist ein solcher Riesenfisch laut Wißmath im übrigen völlig ungefährlich. «Er hat nicht mal Zähne, nur eine raue Kauleiste.» Umgekehrt sei trotz seines fortgeschrittenen Alters solch ein Wels noch zum Verzehr geeignet: Sein Fleisch könnte zwar etwas blättrig oder fasrig sein. «Aber wenn man den Fisch richtig zubereitet, kann man ihn sicher mit Genuss verzehren.»

Welse habe es in den oberbayerischen Seen stets gegeben. «Wenn es jetzt überall viel wärmer wird, kann es sein, dass er sich stärker vermehrt als bisher.» Die Fischerei werde darüber allerdings nicht glücklich sein, denn als Raubfisch holt sich der Wels auf seiner nächtlichen Futtersuche am Seegrund mindestens doppelt so viel an Fisch - etwa Weißfische und Barsche - wie er später selbst an Gewicht auf die Waage bringt.

Die Fischwelt in Bayern werde unter dem drohenden Klimawandel - anders als die Tier- und Pflanzenwelt am Lande - praktisch nicht leiden, glaubt der Fischereifachmann. «Die Fische bei uns in Bayern sind verhältnismäßig "jung"; ihre Urahnen stammen aus der jüngsten Eiszeit. Sie sind so einfach und robust, dass sie sich sehr gut anpassen können - die überstehen sogar einen atomaren Gau.»

Selbst die empfindlichen Forellen seien in wärmer werdenden Gewässern nicht bedroht. «Es wird mit Sicherheit so sein, dass die Oberläufe der Flüsse - solange es sie gibt - kühl genug bleiben. Dann wandern sie eben ein bisschen weiter hinauf.» Den massiven Rückgang der Renken am Ammersee führt Wißmath denn auch allein auf die Kormorane zurück. Besonders in der Laichzeit holten sich die Vögel den Fisch von der Oberfläche, bevor er überhaupt zum Laichen komme.

Bereits in den vergangenen 100 Jahren hätten die Gewässer in Bayern eine starken Wandel durchgemacht. Mit Beginn des Tourismus zu Anfang des 20. Jahrhunderts seien die Seen durch Einleitung von Abwässern zunehmend eutrophiert. Plötzlich hätten sich etwa Teich- und Malermuschelbänke gebildet, die es zuvor nicht gegeben hatte. Dafür seien der Kilch - eine Tiefsee-Renkenart -, der Seesaibling oder die Seeforelle so gut wie ausgestorben.«Die Seesaiblinge päppelt man jetzt durch künstliche Erbrütung, aber so richtig in Schwung ist das nicht gekommen.»

Nach der Installation von Ringkanalisationen in den 1960er bis 1980er Jahren seien die Muscheln aus den Seen wieder verschwunden. Tiefgreifende Veränderungen habe auch der Umbau der Zu- und Abflüsse der Seen gebracht. Dadurch hätten sie keine länger andauernden Hochwasserstände mehr. Bestimmte Fischarten wie der Hecht oder die Laube - eine Kleinfischart - könnten deshalb nicht mehr so ungestört laichen wie früher. (Quelle: München (dpa/lby))


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