07.02.2012

Malia und Lyambiko: Zwei Jazz-Ladies verneigen sich

Die Jazz-Ikone Nina Simone und der Komponist George Gershwin - dazu gibt es jetzt zwei neue Tribute-Alben junger Interpretinnen mit recht unterschiedlichem Ergebnis. Hörenswert sind beide.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Malia verneigt sich vor Nina Simone. Foto: Universal Music (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Die Jazz-Ikone Nina Simone und der Komponist George Gershwin - dazu gibt es jetzt zwei neue Tribute-Alben junger Interpretinnen mit recht unterschiedlichem Ergebnis. Hörenswert sind beide.

Den innovativeren, mutigeren Ansatz wählt die aus Malawi stammende Britin Malia mit «Black Orchid» (Universal), ihrer Verbeugung vor dem Genie von Nina Simone (1933-2003).
Mit einem französischen Jazz-Trio hat sie ein äußerst intensives Album eingespielt, auf dem sie Schlüsselsongs aus der Karriere der Sängerin, Pianistin und prominenten US-Bürgerrechtlerin covert.

Malias Stimme ist mit atemberaubend nur unzureichend beschrieben. Die seit ihrem 14. Lebensjahr in London lebende Jazz-Stilistin singt berühmte Simone-Lieder wie «My Baby Just Cares For Me» oder «Keeper Of The Flame» nicht nur - sie lebt diese Songs.

Das von Nina Simone selbst komponierte «Four Women», ein so herzergreifendes wie selbstbewusstes Statement einer Tochter ehemaliger Sklaven, dürfte in Malias Version nicht nur bei politisch bewussten Hörern Gänsehaut erzeugen. Aber auch Gershwin-Interpretationen («I Love You Porgy») oder Jacques Brels Welterfolg «If You Go Away» gelingen in den aufs Wesentliche reduzierten Arrangements ganz großartig.

Malia (Gesang), Alexandre Saada (Piano), Jean-Daniel Botta (Gitarre, Standbass) und Laurent Sériès (Schlagzeug) benötigen auf «Black Orchid» wirklich keinen Ton zu viel. Die luftige Kargheit dieser Interpretationen hebt die grandiose Stimme der Afro-Britin nur noch mehr hervor. Auch Songs, deren Potenzial ausgereizt schien (etwa Randy Newmans «Baltimore» oder «I Put A Spell On You» von Screamin' Jay Hawkins), gewinnt sie neue Facetten ab.

Malia will damit ihr Vorbild aber nicht in den Schatten stellen, im Gegenteil: «Selten, schön, mächtig, mystisch, außerirdisch schwarz, überwältigend» nennt sie schwärmerisch die titelgebende «Orchidee» Nina Simone. Und fügt hinzu: «Was mich heute berührt, ist, dass ihre Songs auch dann noch gültig sind, wenn sich die sozialen Umstände verändert haben.» Malias Tribute-Album: eine vorbildliche Verbeugung mit sehr eigener Handschrift.

Traditioneller, weniger riskant, aber auf handwerklich ebenso perfektem Niveau nähert sich die Berliner Jazz-Sängerin Lyambiko dem Gegenstand ihrer Verehrung. «Lyambiko sings Gershwin» (Sony) vereint 15 edle Versionen überwiegend sehr berühmter Lieder des zwischen Jazz und Klassik wandelnden US-Komponisten (1898-1937).

Die wunderbar perlenden Piano-Läufe von Marque Lowenthal, der prägnante Standbass von Robin Draganic und das federnde Schlagzeug von Heinrich Koebberling liefern die Basis für Lyambikos wandlungsfähige Stimme. Die Tochter eines Jazz-Sängers aus Tansania schwebt federleicht durch «Love Walked In» oder «I Got Rhythm», verleiht aber auch Liedern aus Gershwins Blues-Oper «Porgy And Bess» den notwendigen Tiefgang (glanzvoll: ihre Version von «Summertime»).

Lyambiko hatte 2008 selbst bereits eine erfolgreiche Hommage an Nina Simone herausgebracht («Saffronia») - nach dem Gewinn des «Jazz Echo»-Preises für «Someting Like Reality» (2010) nun also Gershwin. Allzu große Abweichungen von den Originalen gibt es hier nicht, und manches Arrangement plätschert im gepflegten Bar-Jazz-Stil dahin. Aber auch dieses Tribute-Album ist eine mehr als angemessene Würdigung eines Genies der US-amerikanischen Musik.

Konzerttermine Malia im März/April: 3.3. Elmau/Oberbayern, 6.3. München, 13.3. Hannover, 14.3. Hamburg, 15.3. Braunschweig, 17.3. Minden, 18.3. Köln, 19.3. Berlin, 20.3. Dresden, 14.4. Wien, 15.4. Graz, 17.4. Innsbruck, 18.4. Ingolstadt, 19.4. Regensburg, 21.4. Mainz, 22.4. Freiburg, 27.4. Karlsruhe, 28.4. Kaiserslautern.

Konzerttermine Lyambiko im Februar: 10.2. Halle/Saale, 22.2. Lutherstadt Eisleben, 23.2. Hamburg, 24.2. Berlin, 25.2. Plauen, 26.2. Dresden, 28.2. Kiel, 29.2. Burgdorf (wird fortgesetzt). (Quelle: Berlin (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Soluna Samay geht für Dänemark ins Rennen. Foto: Joerg Carstensen
Straßenmusikerin in Baku: Dänemarks ESC-Hoffnung Soluna

22.05.2012: Wer Gee Gee Kettel zum ersten Mal sieht, dem ist sofort klar, dass hier ein Straßenmusiker der alten Schule aufspielt. Mit viel Erfahrung baut er Schlagzeug, Gitarre und Mundharmonika um sich herum auf und legt dann mit seinen Country- und Rockklassikern los.

Ab geht die Post: Buranowskije Babuschki schmettern: «Party For Everybody!». Foto: Joerg Carstensen
Russische Omas, ein britischer Opa und «Unser» Roman

21.05.2012: Der bevorstehende Eurovision Song Contest in Baku war bisher vor allem eins: eine politische Bühne für die Auseinandersetzung um Menschenrechte und Meinungsfreiheit in Aserbaidschan. Um die Musik und die Künstler ging es kaum.

Paul Kalkbrenner: Lampenfieber ist schon lange weg. Foto: Sven Hoppe
DJ Kalkbrenner will in München größtes Konzert geben

21.05.2012: Der Berliner DJ Paul Kalkbrenner (34) will auf dem Königsplatz in München das größte Konzert seiner Karriere geben. Zu der Open-Air-Veranstaltung am 3. Juni könnten maximal 21 000 Menschen kommen, sagte sein Sprecher.

An der Crystal Hall in Baku weht eine aserbaidschanische Nationalflagge. Hier findet am 26. Mai das Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) statt. Foto: Ulf Mauder
ESC zwischen Show und Kritik von Menschenrechtlern

21.05.2012: Vor dem ersten Halbfinale beim Eurovision Song Contest (ESC) im autoritär regierten Aserbaidschan sind in Baku mindestens 41 Regierungsgegner festgenommen worden.

Robin Gibb gab nie auf.
Robin Gibbs größte Hits

21.05.2012: Robin Gibb war die Stimme einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten - der Bee Gees. Sein Falsett prägte eine Generation, viele Titel bleiben unvergesslich.

Robin Gibb hat den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Foto: Joshua Gates Weisberg
Musikwelt trauert um Bee-Gees-Sänger Robin Gibb

21.05.2012: Er führte ein Leben für die Musik und mit der Musik - bis zum Schluss. Robin Gibb, Sänger der britischen Pop-Band Bee Gees, Songschreiber und Komponist, ist tot.

Alpenländische Volksmusik trifft auf afrikanische Perkussion

21.05.2012: Eine neue Art der Volksmusik präsentiert in diesem September das «volXklang»-Festival in Tutzing.

Die britische Sängerin Adele kommt auch in den USA gut an. Foto: Daniel Deme
Adele räumt bei Billboard Awards ab

21.05.2012: Die britische Sängerin Adele hat bei den Billboard Awards abgesahnt: Bei der Musikpreis-Verleihung in Las Vegas erhielt sie in der Nacht zum Montag zwölf Auszeichnungen, darunter auch in den Hauptkategorien wie «Bestes Album» und «Beste Künstlerin».

Roman Lob in Baku. Foto: Ulf Mauder
Roman Lob will beim ESC unter die ersten Zehn

21.05.2012: Roter Teppich für Roman Lob: «Unser Star für Baku» hat die ersten Proben beim Eurovision Song Contest (ESC) in der sonnigen aserbaidschanischen Hauptstadt hinter sich.