08.12.2011

Nach Vorwürfen: Maschmeyer verlässt Swiss Life

Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, reduziert seinen Anteil an der AWD-Mutter Swiss Life und zieht sich aus deren Verwaltungsrat zurück.
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AWD-Gründer Carsten Maschmeyer verlässt nach Vorwürfen wegen Berater-Provisionen den Schweizer Lebensversicherer und AWD-Mutterkonzern Swiss Life. Foto: Boris Roessler (Foto: dpa)
 
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Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, reduziert seinen Anteil an der AWD-Mutter Swiss Life und zieht sich aus deren Verwaltungsrat zurück.

Sein Ausscheiden aus dem Gremium des Konzerns, der AWD Ende 2007 übernommenen hatte, begründete Maschmeyer mit der monatelangen Kritik an seiner Rolle bei dem Beratungsunternehmen.
«Ich möchte mit diesem Entschluss den unberechtigten Angriffen auf meine Person und auf AWD den Boden entziehen», erklärte er in einer am Mittwochabend veröffentlichten Mitteilung der Zürcher Swiss-Life-Zentrale. Zuletzt gab es massive Vorwürfe wegen früherer Berater-Provisionen gegen AWD.

Maschmeyer kündigte an, seinen Anteil an dem Schweizer Lebensversicherer von etwas mehr als 5 auf weniger als 3 Prozent zu senken. «Mit der Mandatsniederlegung und dem Anteilsverkauf sind die falschen Unterstellungen, ich würde operativen Einfluss auf den AWD nehmen, absolut gegenstandslos», sagte der AWD-Gründer. Eine Sprecherin Maschmeyers bekräftigte die Aussagen am Donnerstag.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch über AWD berichtet. Berater sollen demnach vor und nach dem AWD-Börsengang im Jahr 2000 bei vielen vermittelten Fonds hohe Provisionen erhalten haben, ohne dies ihren Kunden mitzuteilen.

Neue Recherchen ergaben nach Angaben des Senders nun, dass auch eine Tochterfirma der Hannoveraner in Vergütungszahlungen von mehr als 15 Prozent an hochrangige Berater verwickelt gewesen sein soll. Sollten entsprechende Klagen dagegen Erfolg haben, könnten auf AWD Rückzahlungen «in dreistelliger Millionenhöhe» zukommen, hieß es.

AWD-Sprecher Béla Anda wies die Vorwürfe zurück: «Das ist eine kampagnenartige Inszenierung.» Gegen die allgemeine Behauptung unrechtmäßiger Provisionen lägen einstweilige Verfügungen bei den Landgerichten Hamburg, Itzehoe und Berlin vor. «Sie haben weiterhin Bestand», betonte Anda.

Dass sich der Fonds-Emittent DCM an einem solchen Vergütungssystem beteiligt habe, treffe ebenfalls nicht zu. Laut NDR gibt es dazu jedoch eidesstattliche Versicherungen zweier Ex-Geschäftsführer des AWD-Vertriebs und der AWD-Tochter AIMS. DCM nannte die darin enthaltenen Angaben in einem Schreiben an AWD «insgesamt nicht nachvollziehbar». Es handele sich um unwahre Tatsachenbehauptungen.

Der NDR bestritt dies. Den Redaktionen von NDR Info und des TV-Politmagazins «Panorama» lägen Dokumente vor, die das Gegenteil belegten: «Wir haben ein Schreiben von DCM, aus dem hervorgeht, dass es bei vielen Verträgen deutlich mehr als 15 Prozent Provision gab.» Der ehemalige AIMS-Chef habe außerdem bestätigt, dass die zusätzlichen Vergütungen die Bilanz des AWD aufbesserten.

Heftig umstritten bleibt auch die Rolle des Hamburger Anwalts Rolf Thiel, der früher selbst für AWD arbeitete und nun Hunderte Mandanten bei Klagen gegen die angeblich illegale Provisionspraxis vertritt. Der Jurist stehe in einem Interessenkonflikt, weil er versuche, als Ex-Mitarbeiter an den Anschuldigungen gegen AWD zu verdienen, sagte Anda. Der NDR konterte: «Wir machen ja keinen Hehl daraus, dass Thiel für AWD tätig war. Aber er hat die nötigen Fakten und Dokumente.»

Dem Sender zufolge könnte es für tausende Anleger, die zwischen 1999 und 2001 in Immobilien- und Medienfonds des AWD investiert hatten, noch die Chance geben, gegen die Beraterhonorare vorzugehen. Die strittigen Fälle verjähren allerdings zum 31. Dezember 2011. (Quelle: Zürich/Hannover (dpa/lby))


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