Nordafrika-Unruhen belasten Thomas Cook weiter
Den großen europäischen Reisekonzernen bläst der Wind scharf entgegen: Anhaltende Unruhen im wichtigen Ferienziel Ägypten schreckt Gäste von Reisen nach Nordafrika ab, wirtschaftliche Unsicherheiten machen sich allmählich bemerkbar und der Wettbewerb nimmt weiter zu. Der bereits angeschlagene Branchenzweite Thomas Cook stürzte im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember 2011 noch tiefer in die roten Zahlen, wie das Unternehmen am Mittwoch in London mitteilte.
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Den großen europäischen Reisekonzernen bläst der Wind scharf entgegen: Anhaltende Unruhen im wichtigen Ferienziel Ägypten schreckt Gäste von Reisen nach Nordafrika ab, wirtschaftliche Unsicherheiten machen sich allmählich bemerkbar und der Wettbewerb nimmt weiter zu.
Der bereits angeschlagene Branchenzweite Thomas Cook stürzte im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember 2011 noch tiefer in die roten Zahlen, wie das Unternehmen am Mittwoch in London mitteilte. Nun will der Konzern mit dem Verkauf seiner indischen Tochter an frisches Geld kommen.
«Nach einer Reihe informeller Interessensbekundungen, die wir unaufgefordert erhalten haben, haben wir uns entschieden, für unsere Beteiligung an Thomas Cook India offizielle Angebote einzuholen», sagte der Interimschef Sam Weihagen bei der Vorlage der Quartalszahlen. Der Reiseveranstalter, der in Deutschland vor allem mit der Marke «Neckermann Reisen» und der Fluglinie Condor präsent ist, hält 77 Prozent an seiner Indien-Sparte, die selbst an der Börse notiert ist. Weihagen verspricht sich von dem Verkauf einen Erlös von mehr als 200 Millionen US-Dollar, wie er in einer Telefonkonferenz sagte.
Marktführer Tui Travel hatte am Vortag wegen Zurückhaltung bei Nordafrika-Reisen ebenfalls über wachsende Verluste im operativen Geschäft berichtet. Unterm Strich konnte Tui das Minus aber von 106 auf 103 Millionen Pfund verringern - vor allem weil das Online-Geschäft gut laufe, teure Exklusisvreisen gut verkauft würden und die teilweise scharfen Umstrukturierungen Wirkung zeigten. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 2,8 Milliarden Pfund. Im Winter schreiben Reiseanbieter meist Verluste, weil sie ihre Fixkosten nicht decken können, die Gewinne fallen im Sommer an.
Thomas Cook steigerte den saisontypische Vorsteuerverlust um mehr als die Hälfte auf 152 Millionen britische Pfund (183 Mio Euro). Der operative Verlust vor Sondereffekten wie Umstrukturierungskosten erhöhte sich auf 91 Millionen Pfund - fast zweieinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte hingegen um drei Prozent auf 1,86 Milliarden Pfund zu. Ein Nettoergebnis gab das Unternehmen nicht bekannt.
Der rund 170 Jahre alte Reiseanbieter Thomas Cook steckt seit einiger Zeit in der Krise. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr stand unter dem Strich ein Minus von 521 Millionen Pfund. Ein Jahr zuvor hatte das Minus noch knapp drei Millionen Pfund betragen. Die Vorstellung der Jahresbilanz war um Wochen verschoben worden, weil man sich vorher noch frische Kredite besorgen wollte. Daraufhin war der Kurs an nur einem Tag um 75 Prozent gefallen. Die Banken griffen Thomas Cook schließlich unter die Arme. Thomas Cook plant eine teilweise Änderung der Strategie. Filialen sollen geschlossen, dafür das Online-Geschäft erweitert werden.
Unterdessen zeigt der Umbau des Großbritannien-Geschäfts laut Weihagen Wirkung. Jede vierte gebuchte Pauschalreise soll in diesem Sommer aus den differenzierten Reiseangeboten stammen, die sich etwa an Senioren, Familien und Sportler richten. Mit solchen Angeboten wollen sich die Anbieter unverwechselbarer machen und ihre Margen angesichts eines scharfen Preiskampfes in der Branche steigern.
Über alle Urlaubsziele hinweg verkaufte Thomas Cook in Großbritannien und Zentraleuropa einschließlich Deutschland bislang vier Prozent weniger Reisen als vor einem Jahr. Für den Sommer sieht Weihagen aber «ermutigende» Anzeichen: Die Buchungszahlen lägen in beiden Regionen nur ein Prozent unter den Vorjahreswerten zurück. Schlechter läuft es in Frankreich: Die schwache Nachfrage vor allem bei Nordafrika-Reisen ließ den Absatz bislang um 22 Prozent einbrechen. (Quelle: London (dpa/lby))
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