07.11.2011

Paralympics-Star Verena Bentele: Ende mit Wehmut

Der deutsche Sport verliert eine seiner erfolgreichsten Medaillensammlerinnen und eine große Persönlichkeit: Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele beendet ihre Karriere.
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Verena Bentele war bei den Paralympics 2010 in Vancouver äußerst erfolgreich. Foto: Julian Stratenschulte (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Der deutsche Sport verliert eine seiner erfolgreichsten Medaillensammlerinnen und eine große Persönlichkeit: Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele beendet ihre Karriere.

«Ich musste mich nach 15 Jahren entscheiden: Entweder ich mache Profisport bis Sotschi 2014 - oder ich wähle den Berufseinstieg.
Ich hatte viele gute Erlebnisse, deshalb ist es in Ordnung, wenn ich aufhöre», sagte die blinde Langläuferin und Biathletin der Nachrichtenagentur dpa. Die 29-Jährige Münchnerin hatte 2010 in Vancouver fünfmal Gold gewonnen.

Als die «Schneekönigin» damals auf den Schultern ihres Vorläufers Thomas Friedrich aus dem total verregneten Ski-Stadion ritt, hatte Friedhelm Julius Beucher als Chef des Deutschen Behindertensport-Verbandes den Kampf um seinen Star aufgenommen. Doch seine Hoffnung, dass Bentele 2014 in Russland ihre fünften olympischen Behinderten-Spiele in Angriff nimmt, haben sich zerschlagen.

«Ich hatte schon letzte Saison ein Jahr Pause wegen meines Studiums», sagte Bentele. Ihr Magisterstudium mit dem Hauptfach Neuere Deutsche Literatur und den Nebenfächern Sprachwissenschaften und Pädagogik schloss Bentele mit «sehr gut» ab, nun will sie sich als Personalberaterin etablieren. Zudem arbeitet sie für die Schulsportstiftung Baden-Württemberg bei der Integration behinderter Kinder in den Sportunterricht.

«Mir fällt dieser Schritt schon schwer, ich habe mehr als ein halbes Leben Biathlon und Langlauf gemacht», sagte Bentele. «Aber insgesamt fühlt sich die Entscheidung richtig an, auch wenn ein bisschen Wehmut dabei ist.» Bei Radrennen will sie auch künftig Gas geben. «Der Sport hat mir so viel gegeben, ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht vorstellen.» Wenn sie ihre Laufbahn fortgesetzt hätte, hätte sie sich auch einen neuen Guide suchen müssen, alleine das wäre ein schwieriges Unterfangen gewesen.

Die in Lindau am Bodensee geborene und in Tettnang aufgewachsene Sportlerin hatte mit ihren fünf Triumphen von Vancouver mit dazu beigetragen, dass das deutsche Team mit 13 Gold-, fünf Silber- und sechs Bronzemedaillen vor Russland die Nationenwertung gewann. «Sie ist auf jeden Fall legendär», sagte damals Athletensprecher Frank Höfle über seine so erfolgreiche Kollegin.

Für Bentele waren die Siege in Kanada vor allem deshalb ein großer Triumph, weil sie bei den deutschen Meisterschaften 2009 in Nesselwang im Langlauf schwer verunglückt war.: Sie stürzte einen Abhang hinunter in ein ausgetrocknetes Flussbett. Bentele riss sich das Kreuzband im Knie und erlitt schwere Verletzungen an der Leber und Niere.

Nie verloren hat sie ihre Zielstrebigkeit und ihren Optimismus. «Ich kann so viel mitnehmen, der Sport hat mir viel gebracht», sagte die «Bambi»-Preisträgerin von 2010. Als Botschafterin des Internationalen Paralympischen Komitees will sie sich künftig vor allem für den Nachwuchs einbringen. (Quelle: Frankfurt/Main (dpa/lby))


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