17.03.2010

Paralympics: Zweites Gold für Braxenthaler

Einmal in Fahrt, war Martin Braxenthaler nicht mehr zu bremsen: Nicht vom Sauwetter, nicht vom Kampfgericht und schon gar nicht von der Konkurrenz.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Martin Braxenthaler beisst bei der Medaillenvergabe auf sein Edelmetall. (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Einmal in Fahrt, war Martin Braxenthaler nicht mehr zu bremsen: Nicht vom Sauwetter, nicht vom Kampfgericht und schon gar nicht von der Konkurrenz. Bei Regen, peitschenden Windböen und dichtem Nebel raste der Kulmainer auf dem Alpinhang von Whistler Creekside zu seinem zweiten Paralympics-Gold hintereinander.

«Das war ein unglaublicher Tag.
Ich habe zwei Starts gehabt, zwei Goldene geholt - das kann man nicht toppen», sagte der Gesamt-Weltcupsieger. Mit dem Erfolg im Riesenslalom polierte der Monoski-Fahrer die deutsche Medaillenbilanz auf viermal Gold und zweimal Silber auf.

Die deutschen Rollstuhl-Curler um Skip Jens Jäger (Schwenningen) haben ihre Halbfinalchancen trotz einer Niederlage gewahrt. Nach dem 7:6 vor gut 5000 Zuschauern gegen Italien verlor das Team gegen Großbritannien unerwartet hoch mit 2:9 und kassierte die dritte Niederlage im sechsten Spiel. Die erst 17 Jahre alte Debütantin Anna Schaffelhuber fuhr nach Rang vier im Slalom als Siebte klar an Edelmetall im Riesenslalom vorbei.

Den gemischten Gefühlen der Curler setzte Braxenthaler ein emotionales Hoch entgegen. Ihn hatte es nicht einmal irritiert, dass er im zweiten Durchgang 20 Minuten auf seinen Start warten musste, weil der Wind im Zielraum eine Sturzbande umgeworfen und ein Paralympics-Banner abgerissen hatte. «Jacke aus, Brille geputzt - und dann war ich da», beschrieb er die Situation bevor er sich ritterlich-mutig den Hang hinunterstürzte.

Denn Braxenthaler, der sich zwei Tage zuvor schon mit Slalom-Gold geschmückt hatte, befürchtete gar einen Rennabbruch. «Dann wurde es da oben immer wilder, die Tore wurde auf den Boden gedrückt vom Wind. Dann war es 16.00 Uhr und da fährt man eigentlich keine Alpin-Rennen mehr. Und da habe ich gedacht, jetzt brecht mir den Wettbewerb bloß nicht ab, wo ich so motiviert bin», erzählte er genauso schnell, wie er gefahren war. Schon am Morgen hatte er mit einer Absage gerechnet, denn «es hat nicht geregnet, es hat geschüttet den ganzen Tag».

Während er jedoch vorsorglich mit zwei kompletten Garnituren, vier Brillen und vier Paar Handschuhen bestens ausgerüstet war, froren sein Bruder und sein Schwager auf der Tribüne und weichten durch. «Ich hätte es ihnen nicht übelgenommen, wenn sie runter zum Wirt gegangen wäre und ein Bier getrunken hätten und es sich im Fernsehen ausgeschaut hätten», meinte Braxenthaler.

Derweil flauten die internen Turbulenzen in der Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) nach öffentlicher Schelte und Sabotage-Vorwürfen ab. Frank Höfle, mit 20 Medaillen Deutschlands erfolgreichster Starter bei Winter-Paralympics, distanzierte sich von seiner Kritik an der Förderung des Behindertensports durch Sponsoren. «Ich habe es in dieser Form nicht gesagt und werde größtenteils falsch wiedergegeben, diese negativ wirkende Aussage ist zusammenhangslos», wehrte sich der 42-Jährige. «Ganz im Gegenteil» sei er den DBS-Partnern sehr dankbar: «Denn ohne ihre Förderung hätte ich mich nie so intensiv auf die Paralympics vorbereiten können.»

Athletensprecher Höfle war in Medienberichten zitiert worden, er fühle sich «gekauft», weil er als Mitglied des Top-Teams, das maßgeblich von zwei Groß-Sponsoren finanziert wird, monatlich 1500 Euro bekomme. Das «gekauft» wies er energisch von sich und betonte vielmehr, «wie elementar wichtig» diese Förderung sei. (Quelle: Vancouver (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Verena Bentele war bei den Paralympics 2010 in Vancouver äußerst erfolgreich. Foto: Julian Stratenschulte
Paralympics-Star Verena Bentele: Ende mit Wehmut

07.11.2011: Der deutsche Sport verliert eine seiner erfolgreichsten Medaillensammlerinnen und eine große Persönlichkeit: Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele beendet ihre Karriere.

Verena Bentele - jetzt kommt der Berufseinstieg. Archivfoto: Stephan Jansen
Paralympics-Star Verena Bentele beendet Karriere

07.11.2011: Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele beendet ihre Karriere. «Ich musste mich nach 15 Jahren entscheiden: Entweder ich mache Profisport bis Sotschi 2014 oder ich wähle den Berufseinstieg.

Langläuferin Verena Bentele freut sich über ihre Goldmedaille im 5-km-Rennen.
Große Paralympics-Show, tolle deutsche Erfolge

21.03.2010: Das macht ganz große Lust auf Sotschi 2014: Deutschlands «Helden mit Handicap» verlassen Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.

Super-Kombi-Gewinner Braxenthaler zwischen Egle (l) und Bonadimann bei der Siegerehrung.
Große Paralympics-Show, tolle deutsche Erfolge

21.03.2010: Angeführt von den überragenden Einzelkönnern Verena Bentele, Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler verlassen Deutschlands Medaillen-Helden Vancouver als Nummer eins in der Geschichte der Winter-Paralympics.

Die erfolgreichen Alpinisten freuen sich mit ihrer gesamten Betreuermannschaft.
Duell um Nationenwertung bei Paralympics

20.03.2010: Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nationenwertung: Deutschlands Behindertensportler liefern sich beim Paralympics-Finale ein packendes Duell mit Russland. Nach 48 von 64 Entscheidungen katapultierte sich das kleine Team mit nur 20 Athleten im Medaillenklassement an die Spitze.

Gerd Schönfelder hat erneut Gold bei den Paralympics geholt.
Gerd Schönfelder holt erneut Paralympics-Gold

19.03.2010: Gerd Schönfelder aus Kulmain ist bei den X. Winter-Paralympics in Whistler zu seiner dritten Alpin-Goldmedaille gefahren. Der 39-Jährige siegte im Super-G mit 1:20,11 Minuten souverän.

Gerd Schönfelder jubelt über Gold in der Abfahrt.
«Legendäre» Bentele - Goldrausch hält an

19.03.2010: Der deutsche Medaillenrausch in Kanada geht weiter. In den Loipen von Whistler feierte Verena Bentele im klassischen Fünf-Kilometer-Langlauf mit dem vierten Gold einen weiteren Triumph.

Die Goldläufer Verena Bentele (2.v.l.) und Wilhelm Brem (2.v.r) mit ihren Begleitläufern.
Gold-Regen bei Paralympics für deutsche Athleten

18.03.2010: Deutsche Party-Zone Medals Plaza: Vor einem schwarz-rot-goldenen Fahnen-Wald haben Deutschlands Asse in Whistler mit dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze den Aufstieg zur Nummer 1 bei Winter-Paralympics gefeiert.

Verena Bentele feiert den Gewinn der Goldmedaille im 15-Kilometer Langlauf.
Paralympics: Gold für Bentele und zweimal Silber

16.03.2010: Deutschlands Paralympics-Team hat beim X. Winter-Weltfestival der Behindertensportler die Attacke auf die Spitze der Nationenwertung eröffnet.