Paul McCartney schaut zurück
Alles zurück auf Anfang: Der britische Musiker und Songwriter Paul McCartney erinnert mit seinem neuen Album an seine musikalischen Wurzeln.
(Foto: dpa)
Alles zurück auf Anfang: Der britische Musiker und Songwriter Paul McCartney erinnert mit seinem neuen Album an seine musikalischen Wurzeln.
Auf «Kisses On The Bottom» hat er Songs aus seiner Kindheit versammelt, als noch nicht abzusehen war, dass er mit den Beatles die Popwelt revolutionieren würde.
Welche Bedeutung hatten Jazz und Swing der Nachkriegszeit für Paul McCartney und seinen Freund und Co-Autoren John Lennon (1940-1980)? «Wir sind mit den Songs aus der Ära aufgewachsen», erklärt Ex-Beatle McCartney im Booklet.
Es sei ihm diesmal darum gegangen zu zeigen, dass das Repertoire der Fab Four aus Liverpool keineswegs aus dem Nichts entstanden sei, sondern verschiedene Einflüsse darin ihren Niederschlag gefunden hätten - nicht nur der Rock 'n' Roll.
Wenn er nach seinen Lieblingskomponisten gefragt werde, nenne er meist Cole Porter oder die Brüder Gershwin. Für ihn sind das die ganz großen Meister ihres Fachs. Doch auch die Standards, die Harold Arlen und Johnny Mercer oder Irving Berlin geschaffen haben, trugen offenbar zu McCartneys musikalischer Sozialisierung bei.
«Schon seit Jahren wollte ich einige dieser alten Songs aufnehmen, die die Generation meiner Eltern zu Silvester gehört hat», sagt der 69-Jährige, der als erfolgreichster lebender Pop-Komponist gilt. In Zusammenarbeit mit Grammy-Preisträger Tommy LiPuma sowie der kanadischen Jazzmusikerin Diana Krall und ihrer Band hat er die Idee jetzt in die Tat umgesetzt.
Aufgenommen wurde überwiegend im Capitol A Studio in Hollywood, wo auch Entertainment-Stars wie Frank Sinatra oder Dean Martin einst gearbeitet haben. Er habe sich allein auf seine Stimme konzentriert und im übrigen in ein Mikrofon gesungen, das Nat King Cole benutzt haben soll. Das will er zunächst als einschüchternd empfunden haben, gibt McCartney zu Protokoll. Dann aber hätten die Sessions Spaß gemacht, ein bisschen sei es für ihn sogar wie Urlaub gewesen - und vor allem ebenso unaufgeregt-kreativ wie in den 60er Jahren mit dem Beatles-Produzenten George Martin.
Zu Beginn lässt McCartney mit «I'm Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter» (1935) von sich hören und beweist, dass ein mehr als passabler Swinginterpret an ihm verloren gegangen ist. Diesem Klassiker, der dem «Great American Songbook» zugerechnet wird, hat er auch den Titel für sein jüngstes Werk entliehen. In dem Song von Joseph Young und Fred Ahlert geht es um jemanden, der sich selbst einen Brief schreibt und ihn unten mit Küsse symbolisierenden Kreuzchen enden lässt: «Kisses On The Bottom».
In diesem Stil geht es mit den neu arrangierten Coverversionen weiter durch die Vergangenheit. Der Grundton der Produktion bleibt dabei stets positiv und relaxt. Zwischendrin durchbricht McCartney dann aber sein «Vintage»-Konzept: Zwei der 14 Songs sind neueren Datums und stammen aus seiner eigenen Feder: «Only Our Heart», bei dem ihn sein US-Kollege Stevie Wonder auf der Mundharmonika begleitet, und sein Gruß an alle Liebenden zum 14. Februar, «My Valentine», mit seinem Landsmann Eric Clapton an der Gitarre. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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