03.02.2012

Ruf nach NPD-Verbot wird wieder lauter

Nach der Festnahme eines früheren NPD-Mitglieds als mutmaßlicher Helfer der Zwickauer Rechtsterroristen werden die Rufe nach einem Verbot der rechtsextremen Partei wieder lauter.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Die Forderung nach einem NPD-Verbot findet immer mehr Anhänger. Foto: Fredrik von Erichsen (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Nach der Festnahme eines früheren NPD-Mitglieds als mutmaßlicher Helfer der Zwickauer Rechtsterroristen werden die Rufe nach einem Verbot der rechtsextremen Partei wieder lauter.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), sagte der «Financial Times Deutschland» (Freitag), täglich tauchten neue Informationen zum Wirken der NPD auf.
Sie belegten, dass die Partei in aggressiv-kämpferischer Weise versuche, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte sich zuletzt zurückhaltend gezeigt. Noch sei offen, ob es gelinge nachzuweisen, dass die Rechtsterroristen ein militanter Arm der NPD gewesen seien, sagte er am Mittwoch. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe lotet derzeit die Chancen eines NPD-Verbotsverfahrens aus. Nach Angaben aus Regierungskreisen kommen die Innenminister von Bund und Ländern am 22. März in Berlin zusammen, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass dann schon eine Entscheidung für oder gegen ein neues Verbotsverfahren fällt.

Der SPD-Innenexperte Michael Hartmann sagte der Nachrichtenagentur dpa, er erwarte, dass die Bundesregierung und alle Bundesländer schnell Material vorlegten, damit ein NPD-Verbotsverfahren neu gestartet werden könne und erfolgreich sei. Die jüngsten Festnahmen seien weitere Belege für die Verfassungswidrigkeit der NPD. Er wies Vorschläge aus der Union zurück, die staatliche Parteienfinanzierung für die NPD einzuschränken. «Wenn die NPD eine zugelassene Partei ist, genießt sie auch das Parteienprivileg. Dann kann ihr nicht ohne weiteres der Geldhahn zugedreht werden», sagte er.

Ein erstes Verfahren war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Der Vorsitzende des Neonazi-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), will in dem Untersuchungsausschuss gezielt nach Kontakten zwischen der Zwickauer Terrorzelle und der NPD forschen, um ein Verbot voranzutreiben. «Es ist seit Jahren Fakt, dass sich die NPD gezielt gegenüber der Neonaziszene und rechtsextremistischen Kameradschaften geöffnet hat», sagte er der «Mitteldeutschen Zeitung» (Freitag). «Das ist einer der Gründe für ihre Verbotswürdigkeit als verfassungswidrige Partei.»

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, bei den Ermittlungen müsse neben der Frage nach weiteren Helfern auch die Offenlegung der exakten Verbindungen zwischen den Rechtsterroristen und der NPD in den Mittelpunkt rücken. «Sollte belegbar sein, dass es eine systematische und institutionelle Unterstützung der Terroristen durch die Partei gegeben hat, fordern wir die unverzügliche Aufnahme eines NPD-Verbotsverfahrens.»

Am Mittwoch war mit Carsten S., dem früheren NPD-Kreisvorsitzenden von Jena, der zweite Verdächtige festgenommen worden, der zugleich NPD-Funktionär war. Bereits 2011 wurde Ralf Wohlleben verhaftet. Er war stellvertretender NPD-Landesvorsitzender in Thüringen. Insgesamt sitzen neben der Hauptverdächtigen Beate Zschäpe fünf mutmaßliche Helfer in U-Haft. Der Zwickauer Zelle werden unter anderem Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin vorgeworfen. (Quelle: Berlin (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Polizeieinsatz an dem Sportplatz in Memmingen. Foto: Tobias Kleinschmidt
Amokalarm an Schule: 14-Jähriger festgenommen

22.05.2012: Ein 14-Jähriger hat an seiner Schule im bayerischen Memmingen mit zwei Schusswaffen für Entsetzen gesorgt und sich anschließend auf einem Sportplatz verschanzt. Mehrfach schoss der Junge, allerdings ohne jemanden zu verletzen.

Polizeikräfte im schwäbischen Memmingen: Großaufgebot für einen 14-Jährigen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Amokalarm an Schule: 14-Jähriger festgenommen

22.05.2012: Ein 14-Jähriger hat an seiner Schule im bayerischen Memmingen mit zwei Schusswaffen für Entsetzen gesorgt und sich anschließend auf einem Sportplatz verschanzt. Mehrfach schoss der Junge, allerdings ohne jemanden zu verletzen.

Oskar Lafontaine: «Das ist kein Umfeld, in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass Die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird.» Foto: Martin Schutt / Archiv
Lafontaine verzichtet auf Kandidatur für Parteivorsitz

22.05.2012: Das Comeback des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaines ist gescheitert.

Bundespräsident Gauck hat ungewöhnlich «gemeinsames Handeln» gefordert. Foto: Koen van Weel / Archiv
Altmaier Umweltminister - Gauck will mehr Einsatz für Energiewende

22.05.2012: Bundespräsident Joachim Gauck hat den neuen Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und die gesamte schwarz-gelbe Regierung zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung für die Energiewende aufgerufen.

Nach einer neuen Studie zahlen viele Kliniken «Fangprämien» für Patienten. Foto: Patrick Pleul/Symbolbild
«Fangprämien» von Kliniken im Visier - Ärzte wehren sich

22.05.2012: Korruptions-Alarm im Gesundheitswesen: Viele Ärzte sollen illegale Extra-Honorare für Überweisungen von Patienten an Kliniken kassieren. Eine am Dienstag vorgelegte Studie im Auftrag der Krankenkassen geht von einer enormen Dimension bei solchen «Fangprämien» aus.

Lahmes Pferd nicht eingeschläfert - Anklage wegen Tierquälerei

22.05.2012: Tierliebe oder Tierquälerei - mit dieser Frage muss sich das Münchner Amtsgericht seit Dienstag beschäftigen.

Bundespräsident Joachim Gauck (M) übergibt dem scheidenden Umweltminister Norbert Röttgen (r) im Schloss Bellevue in Berlin seine Entlassungsurkunde. Foto: Michael Kappeler
Merkel verteidigt Entlassung Röttgens

22.05.2012: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigt.

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba
Tsipras will Athen in Euro-Zone halten

22.05.2012: Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat sich für den Verbleib Athens in der Euro-Zone und eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise ausgesprochen.

Katharina Schwabedissen kann sich eine Kandidatur für den Parteivorsitz der Linken vorstellen. Foto: Soeren Stache
Linke-Frauen schalten sich in Machtkampf ein

22.05.2012: Im Machtkampf bei der Linken ergreifen nun die Frauen die Initiative: Nach dem Vorpreschen der sächsischen Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hat auch die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen Interesse an einer Kandidatur erkennen lassen.