03.02.2012

Russland rüstet sich für Massenproteste vor Wahl

Russlands marschiert: Vier Wochen vor der Präsidentenwahl werden landesweit Zehntausende an diesem Samstag zu den größten Massenprotesten des Landes seit etwa 20 Jahren erwartet.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Putin-Gegner bei einer Demonstration in Moskau am 24. Dezember. Foto: Yuri Kochetkov/Archiv (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Russlands marschiert: Vier Wochen vor der Präsidentenwahl werden landesweit Zehntausende an diesem Samstag zu den größten Massenprotesten des Landes seit etwa 20 Jahren erwartet.

Ein Aufgebot von mindestens 9000 Polizisten sei allein in Moskau für die erwarteten rund 100 000 Demonstranten im Einsatz, meldete die Agentur Interfax nach Behördenangaben.
Ungeachtet der winterlichen Extremkälte will die Opposition vor der Abstimmung am 4. März in der Hauptstadt rund 50 000 Menschen auf die Straße bringen. Anhänger von Regierungschef Wladimir Putin haben eine massive Gegendemonstration angekündigt, um den Kremlkandidaten zu unterstützen.

Mit bizarren Argumenten versuchte ein Teil der russischen Machtelite kurz vor den geplanten Anti-Regierungsprotesten, Demonstranten fernzuhalten. «Echte russische Patrioten sollten Kinder gebären, mindestens drei, und sich nicht auf Kundgebungen herumtreiben», sagte Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin nach Medienangaben vom Freitag. Die Oppositionskundgebung unter dem Motto «Für ehrliche Wahlen» gilt als Protest gegen Putin, der schon von 2000 bis 2008 Präsident war. Die Behörden haben erstmals einen Marsch mit Zehntausenden Menschen durch Moskaus Zentrum genehmigt. Auch der Milliardär und Kandidat Michail Prochorow kündigte sein Kommen an.

Unterstützer Putins haben außerhalb des Stadtkerns eine Gegenkundgebung für 15 000 Menschen angemeldet. In Medien hatten sich Beschäftigte von Staatsbetrieben und staatlichen Einrichtungen beklagt, zur Teilnahme gezwungen zu werden. Neben Drohungen habe es auch Anreize gegeben, für Putin zu demonstrieren, hieß es. So wurden Demonstranten kostenlose Taxifahrten zum Ort der Kundgebung, aber auch Prämien von umgerechnet etwa 20 Euro versprochen. Die Putin-Partei Geeintes Russland wies die Vorwürfe zurück. «Das sind absurde Anschuldigungen», sagte der Abgeordnete Sergej Schelesnjak.

Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-russische Zusammenarbeit, Andreas Schockenhoff, erklärte, Deutschland unterstütze die Forderungen der Demonstranten nach freien und fairen Wahlen. Weiterhin seien aber auch die Vorwürfe der Manipulation bei der Duma-Wahl vom 4. Dezember 2011 nicht aufgeklärt, kritisierte der CDU-Bundestagsabgeordnete in einer Mitteilung in Berlin. Die Regierungsgegner hatten zuletzt bei Massenprotesten am 24. Dezember mehr als 100 000 Demonstranten bei einer Kundgebung versammelt.

Angesichts der Proteststimmung gegen Putin ordnete überraschend Russlands gefürchtetster Terrorist Doku Umarow in einer Videobotschaft ein Ende der blutigen Anschläge auf Zivilisten an. Die Demonstrationen würden zeigen, dass die Gesellschaft Putins «barbarische Nordkaukasus-Politik» nicht mehr unterstütze, sagte der oft als «Russlands Bin Laden» bezeichnete Islamistenführer in einem Clip auf der Internetseite kavkaz.tv. (Quelle: Moskau (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Der Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel. Foto: Julien Warnand
EU-Sondergipfel berät über mehr Wachstum

22.05.2012: Mehr Wachstum und Eurobonds - in Europa wächst der Druck auf Deutschland für einen neuen Weg im Kampf gegen die Schuldenkrise. Wachstumsimpulse sollen den strikten Sparkurs ergänzen.

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba
Tsipras will Athen in Euro-Zone halten

22.05.2012: Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat sich für den Verbleib Athens in der Euro-Zone und eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise ausgesprochen.

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba
Tsipras will Athen in Euro-Zone halten

22.05.2012: Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat sich für den Verbleib Athens in der Euro-Zone und eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise ausgesprochen.

Ein Soldat sichert auf einem gepanzerten Fahrzeug eine Straße in Beirut. Foto: Nabil Mounzer
Lage im Libanon bleibt instabil

22.05.2012: Die Lage im Libanon bleibt angespannt. Am Dienstag blockierten wütende Anwohner in der nördlichen Region Akkar Straßen mit brennenden Autoreifen und Sandsäcken.

Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi: «Der Krieg gegen den Terror wird so lange weitergehen bis dieses Phänomen endgültig bekämpft ist, koste es, was es wolle.» Foto: Yahya Arhab
Nach Blutbad sagt Jemens Präsident Al-Kaida den Kampf an

22.05.2012: Der jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat den Al-Kaida-Terroristen in seinem Land den Kampf angesagt.

US-Präsident Obama am letzten Tag des Nato-Gipfels in Chicago. Foto: Shawn Thew
Obama zieht positive Bilanz des Nato-Gipfels

22.05.2012: Der Abzugsplan für Afghanistan ist besiegelt, die Raketenabwehr in Europa gestartet und die Weichen für milliardenschwere Rüstungsprojekte sind gestellt.

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba
Griechischer Linksradikaler Tsipras für europäische Lösung

22.05.2012: Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise gefordert.

IAEA-Chef Yukiya Amano, Irans Botschafter bei der Wiener Atombehörde, Ali-Asgar Soltanieh, und der iranische Atom-Chefunterhändler Said Dschalili (v.l.n.r.) verhandeln über Teherans Atomprogramm. Foto: Mojbata Haidari
Atom-Abkommen zwischen IAEA und Iran nimmt Form an

22.05.2012: Kurz vor der neuen Verhandlungsrunde mit den Weltmächten über sein umstrittenes Atomprogramm hat der Iran Zugeständnisse signalisiert.

Senator Robert Menendez: «Heute hat der Senat dem Iran ein klares Zeichen gesendet». Foto: Michael Reynolds/Archivbild
US-Senat gibt grünes Licht für neue Iran-Sanktionen

22.05.2012: Zwei Tage vor Beginn der Gespräche der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands (5+1) mit dem Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm hat der US-Senat grünes Licht für eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen das Land gegeben.