07.02.2012

Sotschi vor Olympia-Bewährungsprobe

Sotschi präsentiert sich als Olympia-Baustelle. Vor der ersten Bewährungsprobe beim Ski-Weltcup haben die Macher die Strecke im Alpin-Zentrum «Rosa Khutor» herausgeputzt - fernab der TV-Kameras offenbart der Gastgeber der Winterspiele 2014 noch sein staubiges Gesicht.
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Auch an der Weltcup-Strecke in Krasnaja Poljana wird noch gebaut. Foto: Florian Lütticke (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Sotschi präsentiert sich als Olympia-Baustelle. Vor der ersten Bewährungsprobe beim Ski-Weltcup haben die Macher die Strecke im Alpin-Zentrum «Rosa Khutor» herausgeputzt - fernab der TV-Kameras offenbart der Gastgeber der Winterspiele 2014 noch sein staubiges Gesicht.

Auf dem Weg von den Palmen an der Schwarzmeerküste von Sotschi in die Region um den Gebirgsort in Krasnaja Poljana fräsen sich unzählige Bagger in das braune Gestein.
Brückenpfeiler stehen einsam in der Landschaft, ein grauer Hotelrohbau reiht sich an den nächsten.

«Das ist die größte Baustelle der Welt», hatte bereits Gian-Franco Kasper, Präsident des Weltverbandes FIS, immer wieder erklärt, «viele Menschen sagen, dass das IOC verrückt sein muss, Olympia dorthin zu vergeben. Aber ich vertraue der Stärke und Finanzkraft Russlands und der Macht von Wladimir Putin.» Auf mehr als 24 Milliarden Euro werden die Kosten für die russischen Muskelspiele auf der größten Sportbühne geschätzt - nicht nur die Investitionen, sondern auch schärfste Sicherheitskontrollen sollen zwei Jahre vor dem Olympiastart ein perfektes Bild in die Welt tragen.

Wer bei angenehmen drei Grad mit zwei Gondeln und einem Sessellift den Zielbereich vor dem sonnigen Bergpanorama des Kaukasus erreicht, hat ein halbes Dutzend Checks von äußerst ernst musternden Männern passiert. «Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem», sagt Wolfgang Mitter, österreichischer Koordinator im russischen Alpin-Verband, und berichtet lachend: «Wir sind der bestgeschützte Ort der Welt.» Im gesamten Gebiet wachen 5000 Aufpasser, groß ist die Sorge vor möglichen Anschlägen nahe der Konfliktregion Abchasien.

So seien die Testwettbewerbe der Herren, die mit dem ersten Abfahrtstraining am Mittwoch starten, und der Damen in der folgenden Woche «sehr wichtig», verkündete Dimitri Kozak, Sonderbeauftragter des russischen Ministerpräsidenten Putin für Olympia. «Der Start bestimmt den Ton für alles, was danach kommt.»

Herausfordernd ist die Mission ins Unbekannte auch für die Athleten. Bei den Männern gab es bislang nur ein Rennen im vergangenen Jahr auf verkürzter Piste im zweitklassigen Europacup. Als «schön und eher schwierig» beschreibt der nun angeschlagen fehlende Oberstdorfer Tobias Stechert die Abfahrtsstrecke vor ihrer Weltcup-Premiere am Samstag.

Die Schweizer Ski-Legende Bernhard Russi hat den Gleiterkurs anspruchsvoll und mit vier Sprüngen konzipiert. «Als Vorbereitung für Olympia will man natürlich so viel wie möglich mitnehmen», sagt Stecherts Teamkollege Stephan Keppler mit der Hoffnung auf Erkenntnisgewinn, «aber eigentlich ist es ein Rennen wie jedes andere auch und kein Hexenwerk.»

Rätsel gibt hingegen noch die Infrastruktur im Olympiaort auf. Zuletzt hatte Kremlchef Dmitri Medwedew mit deutlichen Worten schleppende Arbeiten und Probleme mit Finanzierungen angeprangert. Vor dem Weltcup klagte nun Russlands Rechnungshof-Chef Sergej Stepaschin über ausufernde Korruption in Sotschi.

Und auch aus Sicht von Umweltschützern bleibt der mangelnde Naturschutz eine offene Baustelle. Inzwischen seien beispielsweise mehr als eine Million Kubikmeter Holz den Bauarbeiten in der Region um Krasnaja Poljana zum Opfer gefallen, sagte Igor Tschestin, Geschäftsführer des World Wide Fund for Nature (WWF) Russland: «Die Schäden sind noch größer als wir erwartet haben und können nicht mehr gutgemacht werden.» (Quelle: Krasnaja Poljana (dpa/lby))


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