22.02.2012

Taucher finden acht Leichen in der «Costa Concordia»

Fast sechs Wochen nach dem Kentern der «Costa Concordia» haben Taucher am Mittwoch acht Leichen in dem überfluteten Teil des Kreuzfahrtschiffes gefunden.
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Sieben Passagiere und Crewmitglieder der Costa Concordia werden noch vermisst. Foto: Enzo Russo (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Fast sechs Wochen nach dem Kentern der «Costa Concordia» haben Taucher am Mittwoch acht Leichen in dem überfluteten Teil des Kreuzfahrtschiffes gefunden.

Nach vier Toten am Vormittag sichteten die Bergungsteams später vier weitere Leichen, wie italienische Medien übereinstimmend unter Berufung auf den Krisenstab berichteten. Alle befanden sich auf dem vierten Deck des Schiffes. Die «Costa Concordia» war am 13.
Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert.

Sieben Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes werden somit noch vermisst. Die ersten drei der am Mittwoch gefundenen Toten - ein Kind, eine Frau und ein Mann - sind geborgen und nach Grosseto in ein Leichenschauhaus gebracht worden. Die Bergungsarbeiten mussten danach wegen sich verschlechternder Wetterlage unterbrochen werden.

Die Bergung der Toten werde wegen erschwerter Arbeitsbedingungen länger dauern, hatte es zunächst geheißen. Nach einer Überprüfung der Aussagen von Überlebenden der Havarie über den möglichen Verbleib von Vermissten waren Taucher nach längerer Pause gezielt wieder auf die Suche in dem Wrack gegangen. Zuvor wurden noch 15 Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes vermisst, darunter 6 Deutsche.

Unter den Toten soll auch die fünfjährige Italienerin Dayana Arlotti aus Rimini sein, deren Schicksal in Italien viel Anteilnahme gefunden hatte. Sie war zusammen mit ihrem kranken Vater auf der Kreuzfahrt. Dieser ist unter den Vermissten. Ansonsten wurde über die Identität der jetzt entdeckten Leichen zunächst nichts bekannt. Vor drei Wochen war das bisher letzte Opfer identifiziert worden.

Anfang Februar hatten die Rettungskräfte auf Giglio die Suche nach den Vermissten im versunkenen Teil des Wracks offiziell eingestellt. Grund dafür war vor allem die Sicherheit der Taucher, die an dem halb untergegangen Wrack arbeiteten. Später wurde aber eine weitere Suche im Wrack doch möglich.

Gegen den Kapitän Francesco Schettino (52) wird seit dem Unfall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung ermittelt. Schettino ist unter Hausarrest. Das Schiff war auf seiner nächtlichen Fahrt zu nahe an die Insel Giglio herangekommen und hatte einen Felsen gerammt. Die Ermittlungen werden jetzt über Schettino und seinen ersten Offizier Ciro Ambrosio hinaus noch auf sieben weitere Verdächtige ausgedehnt, wie Ansa berichtete. Es handele sich um vier Offiziere des Schiffes und drei Beschäftigte der verantwortlichen Reederei Costa Crociere.

Eine Reihe von Einzel- und Sammelklagen gegen die Reederei sind angekündigt. Die Reederei Costa Crociere hat den Passagieren eine pauschale Entschädigung angeboten. Einen ersten Beweissicherungstermin haben die Ermittler für den 3. März angesetzt. Dabei geht es um den Fahrtenschreiber des Schiffes, der Auskunft über den Hergang des Unfalls geben soll.

Das Leeren der Tanks der «Costa Concordia» ist vorangekommen. Zwei Drittel der 2380 Kubikmeter Treibstoff, ganz überwiegend gefährliches Schweröl, sind abgepumpt. Damit hat sich die Gefahr einer größeren Ölpest im toskanischen Archipel verringert. Das restliche Öl sollen in den nächsten Wochen abgepumpt werden.

Danach muss die Genueser Reederei einen Plan für den Abtransport des 290 Meter langen Schiffes vorlegen. Offen ist, ob das havarierte und teilweise vollgelaufene Schiff nach dem Aufrichten zerteilt werden muss oder aber an einem Stück abtransportiert werden kann. (Quelle: Giglio/Rom (dpa/lby))


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