23.01.2012

ThyssenKrupp prüft Edelstahl-Ehe mit Finnen

Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat einen ernsthaften Interessenten für seine Edelstahlsparte gefunden. Das Unternehmen bestätigte am Montag Gespräche mit dem bisherigen finnischen Konkurrenten Outokumpu.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Ein Stahlarbeiter von ThyssenKrupp am Fuß des Hochofens 8 des ThyssenKrupp Stahlwerkes in Duisburg. Foto: Roland Weihrauch  (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat einen ernsthaften Interessenten für seine Edelstahlsparte gefunden. Das Unternehmen bestätigte am Montag Gespräche mit dem bisherigen finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Eine Entscheidung über einen Zusammenschluss der Edelstahltochter Inoxum mit Outokumpu sei aber nicht gefallen. Die Arbeitnehmervertreter sind alarmiert.
IG Metall und Betriebsräte befürchten massive Arbeitsplatzverluste in Deutschland. Kurzfristig könnten durch eine solche Edelstahl-Ehe bis zu 1000 Jobs an den Standorten Krefeld und Bochum in Gefahr geraten, sagte ein IG-Metall-Sprecher am Montag in Düsseldorf.

Langfristig könnten nach Einschätzung von Arbeitnehmervertretern bis zu 2500 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht sein. Von weltweit 11 000 Mitarbeitern bei Inoxum ist etwa jeder zweite in Deutschland beschäftigt. Das Unternehmen unterhält größere Standorte in Krefeld, Bochum, Düsseldorf-Benrath und im hessischen Dillenburg.

«Das Vertrauen der Belegschaft in einen Erwerber Outokumpu ist bisher gering», sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Oliver Burkhard, laut Mitteilung. Ohne rechtsverbindliche Zusagen für den Schutz der Mitarbeiter werde man einem Verkauf nicht zustimmen. «Wer Werke schließt, bekommt mit uns richtig Ärger», mahnte Burkhard.

Am Montag kam es nach spontanen Arbeitsniederlegungen zu einem mehrstündigen Stillstand der Produktion im Krefelder Werk. Der Ausfall dauerte nach Angaben der IG Metall etwa drei bis vier Stunden. Weitere Aktionen seien im Laufe der Woche geplant, hieß es. «Wir wollen sofort mit den Finnen an einen Tisch», sagte ein IG Metall-Sprecher.

ThyssenKrupp bestätigte lediglich Gespräche mit Outokumpu. Es werde die Möglichkeit eines Zusammenschlusses geprüft. Nach wie vor existierten aber verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehörten ein Börsengang, eine Ausgründung und auch der Verkauf an einen Investor. Die «Rheinische Post» hatte zuvor über die Pläne berichtet.

«Wir halten es derzeit für angemessen, uns alle drei Optionen offenzuhalten«, heißt es in der Mitteilung des Stahlherstellers. ThyssenKrupp hatte im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust erlitten und steht mitten in einem weitreichenden Umbau des Konzerns. Dazu gehört auch die bis zum Jahresende geplante Trennung von der Edelstahlsparte.

Das Unternehmen hatte zuletzt bei seiner Hauptversammlung am vergangenen Freitag auf Überkapazitäten beim Edelstahl vor allem in Europa hingewiesen. Der Edelstahlmarkt stehe vor einer Konsolidierung, hieß es. Anfang Dezember hatte das Unternehmen vor dem Hintergrund der schwierigen Situation auf dem Edelstahlmarkt eine Wertberichtigung von 800 Millionen Euro vorgenommen. Zusammen mit einer Abschreibung von 2,1 Milliarden Euro auf das Stahlgeschäft in Übersee schlugen damit Abschreibungen von zusammen 2,9 Milliarden Euro zu Buche.

Nach Informationen der «Rheinischen Post» soll ThyssenKrupp bei dem geplanten Edelstahlgiganten nur einen Minderheitsanteil anstreben. Dies schrieb das Blatt unter Berufung auf ranghohe Konzernkreise. Bisher war die ThyssenKrupp-Tochter mit 6,7 Milliarden Euro Umsatz Weltmarktführer. Das zusammengeschlossene Unternehmen käme auf 18 000 Mitarbeiter und mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz. (Quelle: Essen/Krefeld (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Im sogenannten Rohstofflager von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro türmen sich Berge von Kohle auf. ThyssenKrupp prüft den Verkauf seiner verlustreichen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Foto: Helmut Reuter
ThyssenKrupp zieht Konsequenzen aus Stahl-Debakel

15.05.2012: ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger zieht die Reißleine. Angesichts von nicht enden wollenden Milliardenverlusten im amerikanischen Stahlgeschäft will er einen Schlussstrich unter das teure Debakel ziehen.

Mitarbeiter arbeitet in Salzgitter auf dem Gelände der Salzgitter AG vor einem angestochenen Hochofen. Foto: Julian Stratenschulte
Stahlkocher Salzgitter weiter vorsichtig

30.03.2012: Der Stahlkonzern Salzgitter bleibt trotz eines kräftigen Gewinnsprungs im vergangenen Jahr weiter vorsichtig. Angesichts des Preisverfalls Ende 2011 und einer Auslastungslücke im Röhrensegment sei es eine Herausforderung, das Vorjahresergebnis zu erreichen.

Stahlproduktion bei Thyssenkrupp: Für das laufende Jahr rechneten die wichtigsten Stahl- Abnehmerbranchen mit weiterem Wachstum. Foto: Oliver Berg
Stahlkocher rechnen mit robuster Nachfrage

06.03.2012: Die deutsche Stahlindustrie rechnet trotz der Euro-Schuldenkrise für 2012 mit einer weiter «robusten» Nachfrage. Nach zwei wachstumsstarken Jahren sei nun jedoch mit einer Beruhigung zu rechnen.

Unter dem Strich legte bei Salzgitter der Gewinn 2011 sogar von 30 Millionen Euro auf 236 Millionen Euro zu - etwas mehr als von Analysten erwartet. Foto: Caroline Seidel
Salzgitter steigert Gewinn deutlich - Vorsichtige Prognose

05.03.2012: Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn kräftig gesteigert. Das Vorsteuerergebnis vervierfachte sich im Vergleich zum schwachen Vorjahr auf 201,6 Millionen Euro, wie die Niedersachsen mitteilten.

Hiesinger verließ Siemens für ThyssenKrupp. Foto: Marius Becker/Archiv
Siemens verliert Forschungschef an ThyssenKrupp

15.02.2012: Siemens verliert nach Vorstand Heinrich Hiesinger einen weiteren wichtigen Manager an den Stahlkonzern ThyssenKrupp.

Aus der Luft ist die Zentrale des finnischen Stahlkonzerns Outokumpu in Espoo, Finnland, zu sehen. Foto: Outokumpu/Archiv
Deutsch-finnische Edelstahl-Ehe startet mit Jobabbau

01.02.2012: Outokumpu geht mit hohen Verlusten in die frisch besiegelte Edelstahl-Ehe mit der ThyssenKrupp-Tochter Inoxum und will 1500 Stellen streichen. In Deutschland seien rund 850 Arbeitsplätze betroffen, teilte der finnische Edelstahl-Hersteller am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ThyssenKrupp in Düsseldorf mit.

Die Produktion im Stahlwerk Krefeld soll schrittweise bis Ende 2013 eingestellt werden. Foto: Martin Gerten
ThyssenKrupp trennt sich von Edelstahlsparte

31.01.2012: ThyssenKrupp verabschiedet sich nach etwa 100 Jahren vom Edelstahlgeschäft: Der Aufsichtsrat des größten deutschen ThyssenKrupp hat dem Verkauf der Edelstahlsparte an den Konkurrenten Outokumpu zugestimmt. Das finnische Unternehmen will einen neuen Weltmarktführer im Edelstahlbereich schmieden.

Der Schriftzug von ThyssenKrupp. Foto: Martin Gerten
ThyssenKrupp will über Inoxum-Zukunft entscheiden

30.01.2012: Für die Zukunft der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte Inoxum werden wichtige Weichen gestellt: Der Aufsichtsrat will an diesem Dienstag über einen Verkauf an den finnischen Konkurrenten Outokumpu beraten.

Ein Feuer brennt vor dem Bochumer Nirosta-Werk von ThyssenKrupp. Die Beschäftigten protestieren gegen geplanten Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Foto: Roland Weihrauch
Inoxum-Verkauf steht vor Entscheidung

27.01.2012: Im Ringen um den Verkauf der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu steht eine Entscheidung bevor. Derzeit laufen unter Hochdruck Verhandlungen zwischen der Arbeitnehmerseite und den Unternehmen.