ThyssenKrupp sieht kein Ende der Probleme
Milliarden-Debakel und kein Ende in Sicht: Der Industriekonzern ThyssenKrupp steht nach einem Verlustjahr vor anhaltenden Problemen bei seinem Stahlgeschäft in Brasilien und den USA.
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Milliarden-Debakel und kein Ende in Sicht: Der Industriekonzern ThyssenKrupp steht nach einem Verlustjahr vor anhaltenden Problemen bei seinem Stahlgeschäft in Brasilien und den USA.
«Der vor uns liegende Weg wird in 2012 nicht einfach», stimmte der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger in Bochum die Aktionäre auf weiter schwere Zeiten ein. Er will den größten deutschen Stahlkonzern radikal umbauen.
Das zurückliegenden Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) hatte der Konzern nach Abschreibungen von insgesamt 2,9 Milliarden Euro mit einem Verlust von 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Löwenanteil der Wertberichtigungen entfiel mit 2,1 Milliarden Euro allein auf das Stahlgeschäft in Brasilien und den USA.
Eine Prognose für 2011/2012 traut sich die Konzernführung weiterhin nicht zu. Hauptproblem bleiben die neuen Stahlwerke in Übersee, in denen der Konzern bereits Milliarden versenkt hat und die nach Aussage Hiesingers kurzfristig keine schwarzen Zahlen schreiben werden. Zu Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Problem-Geschäfts nahm Hiesinger keine Stellung. Die Schuldenkrise drückt zusätzlich auf das Geschäft. Der Konzernchef will zur Lösung der Probleme den Umbau vorantreiben und sieht sich damit auf gutem Weg.
In einem Gespräch mit dem «Handelsblatt» (Freitag) hatte der frühere Vorstandschef Ekkehard Schulz noch vor Beginn des Aktionärstreffens Fehler eingeräumt: «Ich habe zu lange den falschen Leuten vertraut», sagte der 70-jährige Ex-Manager. Er fügte hinzu: «Der Schaden wäre geringer gewesen, wenn ich früher gehandelt hätte - und glauben Sie mir: Ich mache mir deshalb Vorwürfe.»
Schulz war zum Ende des Jahres 2011 von seinem Aufsichtsratsposten zurückgetreten. Zum Rücktritt habe sich der Ex-Konzernchef aus eigener Initiative entschlossen, betonte Cromme. «Einer musste die Verantwortung übernehmen», erklärte Schulz in dem Interview.
Aufsichtsratschef Gerhard Cromme konnte in der Rückschau keine Verletzung von Sorgfaltspflichten bei Vorstand und Aufsichtsrat erkennen und verwies dabei auf entsprechende Rechtsgutachten. Aus heutiger Sicht wisse man jedoch, dass viele Antworten des Vorstands auf Fragen des Aufsichtsrats sich im Nachhinein als zu optimistisch, unvollständig und teilweise falsch herausgestellt hätten, räumte er ein.
Für die Milliarden-Abschreibungen im amerikanischen Stahlgeschäft hatte das Unternehmen vor allem eine Kostenexplosion beim Bau eines Stahlwerks in Brasilien verantwortlich gemacht. Erst Ende November vergangenen Jahres sei das ganze Ausmaß der Wertminderungen durch ein Gutachten offengelegt worden, sagte Cromme auf dem Aktionärstreffen in dem fast bis auf den letzten Platz voll besetzten Versammlungssaal.
Hiesinger kündigte unterdessen weitere Anstrengungen beim Umbau des Konzerns an. Es sei deutlich geworden, dass das Unternehmen in der bisherigen Aufstellung weder die Schulden hätte zurückführen können, noch auf absehbare Zeit in der Lage gewesen wäre, alle Geschäftsbereiche strategisch weiter zu entwickeln, sagte er.
Die bereits angelaufene Trennung von Geschäftsfeldern sei notwendig, um die Verschuldung zu reduzieren und Spielraum für Wachstumsinvestitionen zu erhalten. Dabei verlaufe unter anderem die bis zum Jahresende geplante Trennung von der Edelstahlsparte Innoxum nach Plan.
Im ersten Geschäftsquartal, das am 31. Dezember endete, habe das Unternehmen einen deutlich Ergebnisrückgang im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum verbucht, sagte Hiesinger. Genaue Zahlen zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres will das Unternehmen am 14. Februar vorlegen. (Quelle: Bochum (dpa/lby))
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