01.02.2012

Transmediale spürt Brüche im digitalen Alltag auf

Stromschläge, Hacker-Workshops und Kapitalismus-Kritik - das Berliner Festival Transmediale erkundet die Grenzen der Netzkultur. Bis Sonntag zeigen 200 Künstler ihre Projekte zum Leitthema «in/compatible».
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Eine Ein-Terrabyte-Festplatte mit Daten im Wert von 5 Millionen Dollar. Foto: Jens Kalaene (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Stromschläge, Hacker-Workshops und Kapitalismus-Kritik - das Berliner Festival Transmediale erkundet die Grenzen der Netzkultur. Bis Sonntag zeigen 200 Künstler ihre Projekte zum Leitthema «in/compatible».

Auch eine Fehlermeldung des Computers kann zur Kunst werden: Bei der Eröffnung des Berliner Festivals Transmediale glaubten Besucher erst an eine Panne bei der Präsentation des künstlerischen Leiters Kristoffer Gansing.
Dann aber entwickelte sich daraus das visuell-akustische Chaos eines außer Kontrolle geratenen Computers - ein Werk des in Chicago lebenden Medienkünstlers Jon Satrom.

Das Motto «in/compatible» rückt solche Erfahrungen von Störungen im digitalen Alltag in den Blickpunkt der Transmediale, die bis Sonntag rund 200 Projekte zwischen Kunst, Technik und Politik präsentiert. «Als inkompatible Wesen erforschen wir die Paradoxien der zeitgenössischen Netzkultur, -wirtschaft und -politik, ohne diese Spannungen notwendigerweise aufzulösen», sagte Gansing zur Eröffnung am Dienstagabend. Das Festival feiere Offenheit und Freiheit als eine Antithese zu den gegenwärtigen Krisen.

Wenn Besucher die Rauminstallation «Health & Safety Violation» des britischen Künstlers Ben Woodeson erkunden, passieren sie einen Vorhang, der ihnen einen leichten Stromschlag verpasst: Hier erweise sich das Gefühl freier Bewegung als Illusion, sagte der Intendant des gastgebenden Hauses der Kulturen der Welt (HKW), Bernd Scherer. Dies sei «ein Zwischenraum, ein Bindestrich, in dem die Fragilität von Freiheit körperlich erfahren wird».

Die Ausstellung «Dark Drives» will mit 35 Kunstwerken und Alltagsobjekten auch die «dunkle Seite unseres technologisierten Lebens» zeigen. Den Aktionen der Hacker-Bewegung widmet sich das Symposium «Hackerspaces». Und das Video-Programm «Satellite Stories» untersucht die «Kompatibilität des Menschen mit den von ihm gestalteten Produkten».

Unterstützt wird das Festival von der Kulturstiftung des Bundes. Deren künstlerische Direktorin Hortensia Völckers sagte zur Eröffnung, die Transmediale offenbare «tiefe Einschnitte in das digitale Faserwerk unseres Alltags und in die Mechanismen, die unsere Netzkultur zusammenhalten». Das Programm des Festivals werfe auch die Frage auf: «Wie überwinden die Netzkulturen die Komplizenschaft, die sie seit einigen Jahren mit der kapitalistischen Verwertungslogik, mit Kontrollen, Konsens und Standardisierung verbindet?» Ziel sei eine Medienpraxis, die gesellschaftliche Veränderungen herbeiführe, Freiheitsrechte eröffne und Teilhabe schaffe.

Die Transmediale startete 1988 als «Videofilmfest» und blickt zum Jubiläum auch auf alte Werke zurück. Das Festival Club Transmediale bietet ein Musikprogramm, darunter in den Clubs «Berghain» und «Horst Krzbrg». (Quelle: Berlin (dpa/lby))


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