12.01.2012

Verschwörungstheorien vor Contador-Urteil

Der Radsport ist in der Sackgasse. Egal, wie das in der kommenden Woche erwartete Urteil im Fall Alberto Contador ausfällt: die Branche steht vor einer weiteren Belastung.
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Alberto Contadors Fall wird vor dem CAS verhandelt. Foto: Dominic Favre (Foto: dpa)
 
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Der Radsport ist in der Sackgasse. Egal, wie das in der kommenden Woche erwartete Urteil im Fall Alberto Contador ausfällt: die Branche steht vor einer weiteren Belastung.

Ein Schuldspruch des Internationalen Sportgerichtshofs CAS gegen den besten Rundfahrer der vergangenen Jahre wäre ein weiteres Steinchen im Doping-Mosaik der übel beleumundeten Sportart.
Ein Freispruch könnte andererseits jüngste Verschwörungstheorien weiter befördern.

Flavio Becca, der Geldgeber des Contador-Konkurrenzteams RadioShack-Nissan, hatte dem israelischen CAS-Richter Ephraim Barak in dieser Woche Parteilichkeit vorgeworfen. Der Jurist habe die Saxo-Bank-Mannschaft des Spaniers in ein Trainingslager in sein Heimatland gelotst. Dort halfen die Profis im Dezember sogar eigenhändig beim Aufbau einer Radsportschule.

«Ein Israeli leitet den Fall Contador und Saxo-Bank bestreitet ein Trainingscamp in Israel und wird von der Regierung empfangen. Das sind Fakten, die nicht getrennt werden können. Ich glaube, alles ist schon entschieden», sagte Becca der Luxemburger Zeitung «Le Quotien». CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb verbat sich umgehend solche Unterstellungen. «Das ist unwahr und entbehrt jeder Grundlage. Wir sind uns seiner Unabhängigkeit sicher», erwiderte Reeb.

Außerdem soll der Vorsitzende des Gremiums in Lausanne in der viertägigen Contador-Verhandlung im November nach Augenzeugenberichten einen Belastungszeugen der Anklage - den australischen Hämatologen Michael Ashenden - nicht zugelassen haben. Darüber berichteten verschiedene Medien.

Neben Barak sitzen der von der Contador-Seite nominierte deutsche Universitätsprofessor Ulrich Haas und Quentin Byrne-Sutton aus der Schweiz in der dreiköpfigen Richter-Kommission.

Unterdessen scheint sich Contador ohne einen Anflug von Nervosität auf die kommende Saison vorzubereiten. Nur nach einem Freispruch könnte er wie geplant am 15. Februar bei der Algarve-Rundfahrt starten. Dem etwas außergewöhnlichen Trainingslager in Israel folgten Trainingsrunden auf Gran Canaria.

Schon vor Wochen hatte der dreifache Tour-de-France-Sieger, der im Vorjahr über Rang fünf in Paris nicht hinausgekommen war, sein großes Saisonziel 2012 bekanntgegeben: Er wolle alles dem angestrebten vierten Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt unterordnen.

Die seit 18 Monaten laufende Causa Contador, die am 21. Juli 2010 mit positiven Clenbuterol-Nachweisen begann, dürfte im Januar ihr Ende finden. Der 28 Jahre alte Ausnahmefahrer aus Pinto pocht weiter auf seine Unschuld und gibt einem verunreinigten Steak die Schuld am positiven Befund auf das Kälbermastmittel.

Der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatten beim CAS Einspruch gegen den Freispruch für Contador durch seinen Landesverband vom Februar 2011 eingelegt. Die UCI will den Fall, der nun schon seit eineinhalb Jahren am ohnehin ramponierten Image des Radsports kratzt, bis zur Urteilsverkündung nicht kommentieren. (Quelle: Berlin (dpa/lby))


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