«Wenigstens ist es erstmal vorbei» - Sutil verurteilt
Für Adrian Sutil kam es noch schlimmer als befürchtet. Der arbeitslose Formel-1-Pilot ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
(Foto: dpa)
Für Adrian Sutil kam es noch schlimmer als befürchtet. Der arbeitslose Formel-1-Pilot ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
Dazu muss er eine Bußgeld von 200 000 Euro zahlen - die Strafe für einen blutigen Discostreit in Shanghai.
Als Richterin Christiane Thiemann das Urteil am Dienstag im Münchner Amtsgericht verlas, zuckten Sutils buschige Augenbrauen kurz nach oben: Enttäuschung und Betroffenheit waren dem im grauen Anzug erschienenen Angeklagten deutlich anzusehen.
«Wenigstens ist es für den Moment erstmal vorbei», sagte der 29 Jahre alte Gräfelfinger unmittelbar danach. Ob er und sein Anwalt gegen das Urteil Berufung binnen der Frist von einer Woche einlegen werden, ließen sie erstmal offen. Solange ist das Urteil, das eine Bewährungsdauer von drei Jahren vorsieht, auch noch nicht rechtskräftig.
Es war aus Sicht der Richterin die gerechte Strafe für die Auseinandersetzung vor einem Dreivierteljahr in einem Nobelclub in China. Sie lag mit dem Strafmaß allerdings sogar über einem Strafbefehl, der der Verhandlung vorausgegangen war. Darin war ein Jahr auf Bewährung gefordert worden.
Sutil hatte in einer Nobeldisco in Shanghai den Geschäftsmann Eric Lux mit einem Glas schwer am Hals verletzt - unabsichtlich, wie er beteuerte. «Wenigstens haben ich und Herr Lux uns die Hand gegeben. Das war das Schöne daran», bilanzierte Sutil den knapp anderthalbtägigen Prozess, in dem er sich gleich zu Beginn bei seinem Opfer noch einmal entschuldigte.
Lux trat in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er hatte Sutil erst mehrere Wochen nach dem Vorfall im M1NT nach dem Großen Preis von China angezeigt. Lux trägt seit dem Vorfall eine neun Zentimeter lange Narbe unweit der Halsschlagader. «Für mich gibt es keine andere Erklärung, als dass es ihm bewusst war, dass der Schlag auf den Hals zu lebensgefährlichen Verletzungen führen kann», sagte Richterin Thiemann in ihrer Urteilsbegründung.
Sutils Schilderung, dass er Lux zweimal weggeschubst habe, passe nicht zur Aussage des Luxemburgers und auch nicht zu anderen Beweisen. «Nach meinem Verständnis kann es nicht durch Wegstoßen passiert sein», sagte Thiemann. Ein Sachverständiger hatte zudem erklärt, dass das Glas senkrecht auf den Hals getroffen sei. Sutil sei sich auch bewusst gewesen, dass er ein Glas in der Hand gehabt habe. Sutil hatte genau dies in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung bestritten.
Eine außergerichtliche Einigung war wie in den Monaten zuvor auch unmittelbar nach Beginn des zweiten Prozesstages gescheitert. Staatsanwältin Nicole Selzam hatte in ihrem Plädoyer sogar ein und Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 300 000 Euro gefordert.
Für Sutil könnte es der entscheidende Karriereknick sein. Nachdem der Sohn eines Geigenvirtuosen aus Uruguay 2007 als 24-Jähriger in die Formel 1 eingestiegen war, steht er derzeit ohne Team da. In gut einer Woche beginnen aber schon die offiziellen Testfahrten. Ein Platz ist nur noch frei, beim Hinterbänkler-Team HRT. «Vielleicht mache ich jetzt ein Jahr Auszeit», sagte Sutil. Ob er unter den aktuellen Umständen überhaupt seine Superlizenz als Rennfahrer behalten darf, ist offen. Der Automobil-Weltverband FIA könnte nach dem Urteil Sanktionen einleiten.
Bei Force India war Sutil trotz starker Leistungen durch seinen Landsmann Nico Hülkenberg ersetzt worden. Verhandlungen mit anderen Teams scheiterten. Vielleicht schaue er sich nun nach etwas anderem um, meinte Sutil nun.
Seine Geldstrafe - 8 x 25 000 Euro - soll an eine gemeinnützige Einrichtung gehen. Sie bemaß sich an Sutils eigenen Angaben über sein Jahreseinkommen 2011: rund 750 000 Euro. Große Sorgen mache er sich nicht, versicherte Sutil mit Blick auf seine sportliche Zukunft. (Quelle: München (dpa/lby))
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