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Der Lack ist schon länger ab beim ruhmreichen Williams-Rennstall - und doch ist der Formel-1-Fahrersitz beim taumelnden Traditionsteam heiß begehrt.
Auch wenn der einst stolze Branchenführer mitten in einem schmerzhaften Umbruch steckt, stehen zu Beginn des neuen Formel-1-Jahres die Piloten Schlange.
Die meisten anderen Stammplätze sind bereits vergeben, zudem wirkt der Mythos des britischen Privatteams auch in der tiefsten sportlichen Krise. Der Deutsche Adrian Sutil gilt als Top-Kandidat für das freie Cockpit.
Sollte der Gräfelfinger tatsächlich Veteran Rubens Barrichello verdrängen, wartet reichlich Wiederaufbauarbeit auf ihn. Die vergangene Saison war die schwächste seit den Williams-Debütjahren Mitte der 70er. «Was für eine Demütigung. Aber wir haben es verdient. Wir haben einfach einen schlechten Job gemacht», klagte Teamchef Frank Williams schon vor Saisonende.
Nur noch eine ferne Erinnerung sind die neun Konstrukteurs-Titel mit Legenden wie Ayrton Senna und Alain Prost - lediglich Ferrari hat mehr. In 622 Grand Prix holte Williams 113 Siege, den letzten allerdings 2004 durch Juan Pablo Montoya in Brasilien. Die bislang letzte von 126 Pole Positions eroberte Nico Hülkenberg 2010 in Sao Paulo - kurz darauf musste der Emmericher gehen. Pastor Maldonado hatte mit Petrodollars aus Venezuela die besseren Argumente.
Die knappe Kasse bestimmt inzwischen vieles Handeln beim Rennstall aus dem englischen Grove. Ein Jahr nach dem nur mäßig erfolgreichen Börsengang dümpelt die Aktie immer noch deutlich unter dem Ausgabepreis. Hauptsponsor AT&T hat nach fünf Jahren seinen Ausstieg vollzogen. Derzeit verhandelt Williams in Katar über frisches Geld.
Zur finanziellen Ungewissheit kommt ein tiefer Schnitt auf der sportlichen Seite. «Wir haben erkannt, dass unsere jüngsten Leistungen inakzeptabel waren, also müssen wir radikale Änderungen vornehmen», erklärte Geschäftsführer Adam Parr.
Als Motorlieferant holte Williams den früheren Erfolgspartner Renault anstelle von Cosworth zurück. Zudem wurden Technikdirektor, Chefingenieur und Aerodynamik-Boss ausgetauscht. Team-Mitgründer Patrick Head hat den Rennstall nach 34 Jahren verlassen. Sein Nachfolger Mike Coughlan soll Williams zurück in die Erfolgsspur bringen. «Wir haben den Schlüssel dafür gefunden, was wir tun müssen, damit wir nicht nur in der nächsten Saison, sondern jedes Jahr ein erfolgreiches Auto bauen können», versprach Coughlan jüngst.
Der künftige Anführer im Cockpit aber steht noch immer nicht fest. Lange galt der bei Force India ausgemusterte Sutil als Favorit im Rennen mit den ebenfalls derzeit arbeitslosen Bruno Senna, Jaime Alguersuari und Vitantonio Liuzzi. Doch plötzlich werden auch Rekordstarter Barrichello wieder echte Chancen auf einen Verbleib bei Williams eingeräumt. «Bei all den Änderungen im Team wäre es clever von ihnen, die bisherigen Fahrer zu behalten», meinte der 39-Jährige und fügte listig hinzu. «Ich will sie nicht drängen, sondern nur aufzeigen, was der richtige Weg ist.» (Quelle: Grove (dpa/lby))
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