Wölfl-Ermittlungen - Ein Sumpf von Korruption
Er war eine schillernde politische Figur im Bayerischen Wald: Der langjährige Regener Landrat Heinz Wölfl wurde von der Bevölkerung geliebt und vom politischen Gegner geachtet.
Er war eine schillernde politische Figur im Bayerischen Wald: Der langjährige Regener Landrat Heinz Wölfl wurde von der Bevölkerung geliebt und vom politischen Gegner geachtet. Doch nach seinem Selbstmord im vergangenen Sommer verschwindet dieses Bild immer mehr im Sumpf von Korruption, Schulden und großen Verlusten beim Spielen.
Bisheriger Höhepunkt in der Affäre: Am Mittwoch durchsuchten 130 Polizeibeamte neben dem Landratsamt Regen mehr als 30 Büros und Wohnungen von Unternehmern und Selbstständigen aus der Region und noch ein Objekt in Nordrhein-Westfalen.
Rückblick: Der 58 Jahre alte CSU-Politiker rast mit seinem Wagen in der Nacht zum 17. August 2011 gegen einen Baum. Er stirbt noch im Unfallauto. Als jedoch Abschiedsbriefe des dreifachen Vaters auftauchen, in denen er sich bei seinen Gläubigern entschuldigt, kommen erste Korruptionsvorwürfe auf. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Suizid aus und prüft, ob Bestechungsgelder von Unternehmern aus der Region an Wölfl gezahlt worden sind.
Wie die Leitende Oberstaatsanwältin in Deggendorf, Kunigunde Schwaiberger, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, hatte er rund eine Million Euro Schulden. Das Geld soll er verspielt und sich nicht nur von Bekannten und Unternehmern die Mittel dafür geliehen haben. In einem anonymen Schreiben im Spätsommer werden schwere Vorwürfe gegen Wölfl erhoben. So soll er Schmiergeld von einem Unternehmer verlangt haben, der eine Genehmigung für einen Supermarktbau brauchte. Zudem soll er sich von einem Bauunternehmer eine sechsstellige Summe geliehen haben, der sich dafür ein Entgegenkommen beim Kauf eines Grundstücks erhofft haben soll.
Wölfl galt im niederbayerischen Regen als politische Institution und war nahezu unantastbar. Zunächst war mehr als er zehn Jahre lang Bürgermeister ehe er 1994 Landrat wurde. In den Jahren 2002 und 2008 wurde er jeweils ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Regierungschef Horst Seehofer würdigte Wölfl kurz nach dessen Tod: «Er hat mit großem Einsatz und eindrücklichem Engagement für die Belange seiner niederbayerischen Heimat gekämpft». Niederbayerns CSU-Bezirksvorsitzender Manfred Weber sagte über Wölfl: «Mit Leidenschaft, Ausdauer und Augenmaß hat er für seine Heimat, den Bayerischen Wald, gekämpft. Er war vorausschauend, hat früh neue Entwicklungen erkannt und Antworten gegeben.»
Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt etwas von den finanziellen Problemen. Öffentlich wurden nur seine politischen Erfolge und sein lukrativer Fernsehauftritt. Im Oktober 2007 gewann Wölfl gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus dem Landkreis Dingolfing-Landau, Heinrich Trapp (SPD), bei der ARD-Show «Das Quiz» als parteipolitisch gemischtes Doppel 30 000 Euro. Wölfl hatte damals angekündigt, von dem Gewinn in den Urlaub zu fahren, seinen Kindern etwas abgegeben und auch etwas spenden wollen.
Geblieben ist von den Erfolgen nichts mehr. Neben den horrenden Schulden, die Wölfl aufgehäuft hat, ist auch sein politisches Erbe untergegangen. Bei der notwendigen Neuwahl zum Landrat in Regen setzte sich der SPD-Kandidat, der erst 27 Jahre alte Michael Adam, durch und verpasste den Christsozialen damit einen Denkzettel. Adam und seine Mitarbeiter wären froh, wenn die Ermittlungen bald einen Abschluss finden. «Es wird Zeit, dass wir endlich zur Normalität zurückkehren», sagte am Donnerstag der Sprecher der Kreisbehörde, Anton Weghofer.
Doch ein Ende des Verfahrens ist noch lange nicht in Sicht. «Die beschlagnahmten Unterlagen müssen nun ausgewertet werden», sagte Chefermittlerin Schwaiberger. (Quelle: Deggendorf/Regen (dpa/lby))
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