27.01.2012

Wulff-Affäre: Landesregierung erneut unter Druck

Die niedersächsische Landesregierung unter dem früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff hat den umstrittenen Nord-Süd-Dialog stärker unterstützt als bislang bekannt.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Immer mehr Bundesbürger wünschen sich den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff. Foto: Peter Steffen (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Die niedersächsische Landesregierung unter dem früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff hat den umstrittenen Nord-Süd-Dialog stärker unterstützt als bislang bekannt.

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB), die zu mehr als 50 Prozent dem Land gehört, beteiligte sich «Zeit Online» zufolge zweimal finanziell und direkt an der Ausrichtung der Lobby-Veranstaltung.


Die NordLB habe das Treffen 2007 und 2009 als Sponsor unterstützt, sagte eine Sprecher der Bank der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Zur Höhe der Zuwendung und zur Frage, wer diese veranlasst hatte, machte die Bank keine Angaben. Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) erklärte am Abend: «Das ist doch nichts Neues. Die NordLB hat eigenständig für sich auf der Veranstaltung gegenüber Kunden geworben. Marketing ist ein völlig normaler Vorgang.»

Bislang war bekannt gewesen, dass der heutige Bundespräsident Wulff 2009 im Vorfeld des Nord-Süd-Dialogs mit seiner Ehefrau an einem Essen teilgenommen hatte, das die NordLB veranstaltete. Die Lobby-Veranstaltung wurde Ende 2007 gestartet. Nach drei Auflagen wurde sie im Dezember 2009 eingestellt.

Im Zusammenhang mit dem Nord-Süd-Dialog ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker wegen Korruptionsverdachts. Die Landesregierung will schnellstmöglich Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben. Erste Unterlagen würden voraussichtlich Anfang nächster Woche vom federführenden Finanzministerium, wo die Akten aus allen Ministerien gesammelt werden, an die Staatsanwaltschaft übergeben, sagte ein Sprecher.

Neben Unterlagen zum Nord-Süd-Dialog sind die Ermittler auch an Dokumenten zu den Urlauben und Dienstbefreiungen Glaesekers sowie Aufzeichnungen zu dessen Anstellungsverhältnis als Regierungssprecher in Niedersachsen interessiert.

Entgegen erster Bekundungen hatte sich in den vergangenen Tagen herausgestellt, dass das Land sehr wohl in die Wirtschaftstreffen der Jahre 2007, 2008 und 2009 involviert war. Wulff war 2009 Schirmherr der Veranstaltung.

Keine juristischen Konsequenzen hat der «Lügner»-Vorwurf des niedersächsischen Grünen-Fraktionschefs Stefan Wenzel gegen Wulff. Der Staatsanwaltschaft Hannover zufolge hat sich aus drei Anzeigen wegen Verunglimpfung und übler Nachrede kein Anfangsverdacht ergeben, der ein Ermittlungsverfahren notwendig gemacht hätte.

Weil Wenzel seine Aussage im Rahmen einer politischen Debatte gemacht habe, sei sie durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Der Grünen-Politiker hatte Wulff in der Debatte über Beteiligungen der Landesregierung am Nord-Süd-Dialog kritisiert: «Wulff ist ein Lügner, und er sollte seinen Hut nehmen, bevor er Recht und Gesetz und Anstand noch mehr in den Dreck zieht.»

Wulff verliert in der Bevölkerung indes immer weiter an Rückhalt. Dem ZDF-«Politbarometer» zufolge spricht sich die Hälfte der Bürger (50 Prozent) für einen Rücktritt aus. 45 Prozent finden, Wulff solle im Amt bleiben. In der Vorwoche hatte der ARD-«Deutschlandtrend» ergeben, dass 46 Prozent für einen Rückzug sind, 45 Prozent dagegen. (Quelle: Hannover (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Die Linken-Frauen Katja Kipping (l) und Katharina Schwabedissen wollen kandidieren. Foto: Karlheinz Schindler/Soeren Stache
Frauen gehen bei den Linken in die Offensive

23.05.2012: Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine geht der Führungsstreit bei der Linken in eine neue Runde.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Kanzlerin Angela Merkel beim Energie-Gipfel. Foto: Michael Kappeler
Energiegipfel bei Kanzlerin Merkel

23.05.2012: Im Bundeskanzleramt hat ein Energie-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), mehreren Ministern und den 16 Ministerpräsidenten begonnen.

Umweltminister Peter Altmaier (M) unterhält sich vor Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Foto: Michael Kappeler
Kabinett beschließt strengere Tierschutzregeln

23.05.2012: Für Züchter, Forschung und Zirkusse in Deutschland sollen strengere Tierschutzvorschriften gelten. Das Bundeskabinett beschloss eine Gesetzesnovelle von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU), wie es in Regierungskreisen hieß. Demnach sollen Brandzeichen bei Pferden verboten werden.

Tausende Patienten sterben jedes Jahr wegen Ärztefehlern. Foto: Uwe Zucchi
Regierung nimmt Kampf gegen Ärztepfusch auf

23.05.2012: Das Bundeskabinett hat ein neues Gesetz für stärkere Patientenrechte beschlossen. Ärzte sollen ihre Patienten vor einer Therapie verständlich und umfassend informieren - auch über die Risiken.

Niedergeschlagen: CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen nach Bekanntgabe der ersten NRW-Prognosen. Foto: Maurizio Gambarini
Union stürzt nach NRW-Wahlfiasko in Umfrage ab

23.05.2012: Berlin (dpa) Die Union bricht nach ihrer Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen laut einer Umfrage auch bundesweit ein. Im wöchentlichen Wahltrend des Magazins «Stern» und des Senders RTL verliert sie vier Punkte und fällt auf 31 Prozent.

Oskar Lafontaine: «Das ist kein Umfeld, in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass Die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird.» Foto: Martin Schutt / Archiv
Lafontaine verzichtet auf Kandidatur für Parteivorsitz

22.05.2012: Das Comeback des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaines ist gescheitert.

Bundespräsident Gauck hat ungewöhnlich «gemeinsames Handeln» gefordert. Foto: Koen van Weel / Archiv
Altmaier Umweltminister - Gauck will mehr Einsatz für Energiewende

22.05.2012: Bundespräsident Joachim Gauck hat den neuen Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und die gesamte schwarz-gelbe Regierung zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung für die Energiewende aufgerufen.

Nach einer neuen Studie zahlen viele Kliniken «Fangprämien» für Patienten. Foto: Patrick Pleul/Symbolbild
«Fangprämien» von Kliniken im Visier - Ärzte wehren sich

22.05.2012: Korruptions-Alarm im Gesundheitswesen: Viele Ärzte sollen illegale Extra-Honorare für Überweisungen von Patienten an Kliniken kassieren. Eine am Dienstag vorgelegte Studie im Auftrag der Krankenkassen geht von einer enormen Dimension bei solchen «Fangprämien» aus.

Bundespräsident Joachim Gauck (M) übergibt dem scheidenden Umweltminister Norbert Röttgen (r) im Schloss Bellevue in Berlin seine Entlassungsurkunde. Foto: Michael Kappeler
Merkel verteidigt Entlassung Röttgens

22.05.2012: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigt.