Die ANTENNE BAYERN Beweis-Videos
Der große ANTENNE BAYERN-Test: Zivilcourage - Wie mutig ist Bayern?
Ein Kind wird auf offener Straße entführt. Greift jemand ein? Eine Frau wird sexuell belästigt. Hilft ihr jemand? Ein Mann bricht mit einem Herzinfarkt zusammen. Wer kümmert sich um ihn? Sind wir Bürger im Freistaat noch füreinander da – oder kümmert sich jeder nur noch um sich selbst?ANTENNE BAYERN Chefreporter Michael Watzke hat mit Schauspielern insgesamt fünf Notfall-Szenen nachgestellt. Notfälle, in denen ein Opfer Hilfe brauchte, um Hilfe bat, manchmal um Hilfe schrie. In der Fußgängerzone, vor der Schule, in der S-Bahn. Eine versteckte Kamera und ein Mikrofon beobachteten, ob Mitmenschen den Opfern zu Hilfe kamen oder ob sie achtlos vorbeigingen. Die Filme der versteckten Kamera sehen Sie hier auf antenne.de.Konkrekt geht es hier um einfache Dinge: Mut im Alltag. Aufmerksamkeit. Die Bereitschaft zu helfen, wenn jemand Hilfe braucht.Wie verhalte ich mich richtig? Tipps der Polizei
Beweis-Video: Ein Kind soll entführt werden...Situation: Straubing, morgens bei Schulbeginn. Ein 40 Jahre alter Mann lockt ein siebenjähriges Mädchen vor einer Schule mit einem Stofftier an. Dann versucht er, das Kind in sein Auto zu ziehen.Ergebnis: Wir spielen die Situation 15 mal. In elf Fällen reagieren vorbeigehende Passanten sofort. Sie eilen dem Kind zu Hilfe und drohen die Polizei anzurufen. Nur in vier Fällen dauert es länger, bis jemand eingreift. Sechs Menschen gehen vorbei, obwohl sie sehen und hören, dass das Kind um Hilfe ruft. In diesen Fällen wäre die Hilfe für das Mädchen möglicherweise zu spät gekommen. Insgesamt aber beweisen die Straubinger Bürger ein großes Maß an Mut und Zivilcourage. Sie sind wachsam und scheuen sich nicht einzugreifen, wenn sie den Eindruck haben, ein Kind ist in Gefahr.
Beweis-Video: Sexuelle BelästigungSituation: Würzburg, zwölf Uhr mittags, vor dem Hauptbahnhof und der Fußgängerzone. Ein Mann setzt sich zu einer fremden jungen Dame auf die Bank an der Bushaltestelle. Er belästigt sie. Erst mit sexuell expliziten Anspielungen. Dann wird er handgreiflich. Die Frau versucht ihm zu entkommen, er verfolgt sie. Sie ruft um Hilfe. Ergebnis: Wir spielen die Situation 15 mal. In acht Fällen greifen schnell Passanten ein, stellen sich schützend vor die Frau oder drohen dem Täter mit einem Anruf bei der Polizei. In sieben Fällen dauert es minutenlang, bis Menschen eingreifen, obwohl dutzende Passanten die Situation beobachten. Sogar Menschen, die die Frau um Hilfe bittet, bleiben passiv oder gehen demonstrativ weg. Insgesamt sind wir enttäuscht von dem geringen Maß an Zivilcourage, das viele Menschen zeigen, besonders Männer. Dafür beweisen viele Frauen viel Mut und sprechen den Täter direkt an, ohne sich vor dessen Reaktion zu fürchten.
Beweis-Video: Verwirrter RentnerSituation: Bad Kissingen, nachmittags, an einer Landstraße vor der Stadt. Ein 85 Jahre alter, gebrechlicher Mann steht auf einer einsamen Verkehrsinsel. Er ist offensichtlich verwirrt, tief über einen Rollwagen gebeugt und braucht Hilfe. Ergebnis: Insgesamt eine Stunde warten wir mit der versteckten Kamera. In diesem Zeitraum fahren rund 200 Autofahrer an der Stelle vorbei. Da sie abbiegen, müssen sie auf 20 km/h abbremsen und können den alten Mann nicht übersehen. Fast alle Autofahrer schauen auch hin. Aber nur sechs Autofahrer halten an und fragen, ob sie helfen können bzw. steigen aus und helfen. Von den vorbeifahrenden Autofahrern informiert niemand den Polizei-Notruf.
Beweis-Video: RassismusSituation: Tagsüber in der S-Bahn München sowie in verschiedenen Regional-Express-Zügen. Ein Mann (35 Jahre alt, 1,85 m groß) beleidigt einen kleineren, dunkelhäutigen Mann mit grob rassistischen Sätzen wie „Verpiss Dich, Du Scheiß Nigger“, bedroht ihn („Wenn Du aussteigst, mach’ ich Dich fertig!“) und wird handgreiflich. Der Schwarze hat erkennbar Angst und bittet Mitmenschen um Hilfe.Ergebnis: Insgesamt stellten wir die Situation 15 mal nach. In 10 Fällen schritten spätestens nach einer Minute ein oder mehrere Helfer ein und kamen dem Schwarzen zu Hilfe. In der S-Bahn München engagierten sich sogar in allen fünf dort nachgestellten Situation Menschen, meist mehrere, und das dauerte meist auch nur wenige Sekunden.
Im Regionalexpress in Nieder- und Oberbayern war das Ergebnis leider nicht so eindeutig: Hier kam dem Schwarzen in der Hälfte der Fälle (in fünf von zehn Fällen) niemand zu Hilfe, auch nach mehreren Minuten nicht, sogar als das Opfer die Mitreisenden ganz konkret um Hilfe bat und der Täter immer dreister und rabiater wurde. Aber es gab auch Fälle von sehr engagierten, selbstlosen und mutigen Helfern, die dem Opfer Hilfe und Schutz anboten. Oft waren es Frauen.
Beweis-Video: HerzinfarktSituation:Tagsüber in der Augsburger Innenstadt und vor dem Hauptbahnhof. Ein Mann, etwa 35 Jahre alt, bricht plötzlich auf der Straße zusammen. Er sackt mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Knie und hält die Hand verkrampft vor die Brust. Offensichtlich hat er einen Herzinfarkt erlitten. Er röchelt, kann aber aus eigener Kraft keine Hilfe mehr holen oder "Hilfe" rufen. Ergebnis:Insgesamt stellten wir die Situation 15 mal nach. In der Hälfte der Fälle eilen dem Opfer innerhalb von einer Minute Menschen zu Hilfe. In sieben Fällen dauert es mehr als eine Minute (und mehrere vorbeigehende Passanten), bis jemand sich engagiert. In zwei Fällen kommt dem Opfer auch nach fünf Minuten niemand zu Hilfe. Häufigste Begründung der vorbeigehenden Bürger: "Ich dachte, das ist ein Besoffener, deshalb bin ich weitergegangen!"
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