11.03.2010

Gedenken an die Opfer von Winnenden

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Schüler legen bei der Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs Steine mit den Namen der Opfer vor die Albertville-Realschule in Winnenden. (Foto: dpa) Bild vergrößern Ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden haben die Schüler der Albertville-Realschule in einer bewegenden Gedenkfeier an ihre erschossenen Klassenkameraden und Lehrerinnen erinnert.

Bundespräsident Horst Köhler forderte vor mehreren hundert Trauergästen weitere Beschränkungen für den Zugang zu Waffen und strengere Regeln für Medien.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren Schüler, Lehrer und Hinterbliebene der 15 Opfer bereits am Donnerstagmorgen zum stillen Gedenken zusammengekommen. Zum Zeitpunkt des Gewaltverbrechens vor einem Jahr - um Punkt 9.33 Uhr - bildeten die Trauernden eine Menschenkette, alle Kirchenglocken in dem Ort läuteten.

Die Verschärfung des Waffengesetzes zeige, dass ein Umdenken begonnen habe, sagte Köhler. Dies reiche aber noch nicht aus: «Die Parlamente und die Regierungen des Bundes und der Länder sollten diesen Prozess weiter voranbringen und begleiten - und die Schützenvereine sollten ihnen dabei helfen.» Köhler betonte: «Es kann auch viel geschehen - noch mehr als bisher - damit gefährdete Menschen nicht an Schusswaffen gelangen und Schulen und ähnliche Orte noch besser vor Anschlägen geschützt sind.»

Um schwere Verbrechen wie Amokläufe künftig möglichst zu verhindern, seien auch die Medien gefordert, sagte Köhler: «Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention.» Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Berichte über die Täter Nachahmer auf den Plan riefen.

Der baden-württembergische Landtag beschloss am Nachmittag ein vielfältiges Programm zur Gewaltprävention an den Schulen. Einstimmig votierten die Abgeordneten für die Empfehlungen des Sonderausschusses, den der Landtag nach der Bluttat eingesetzt hatte. Die Zahl der Schulpsychologen wird demnach auf 200 verdoppelt. Zudem werden mehr Gewaltpräventionsberater und Beratungslehrer eingesetzt. Den Pädagogen wird mehr Fortbildung für den Umgang mit Mobbing und aggressiven Schülern angeboten. Am 11. März 2009 hatte ein 17-jähriger ehemaliger Schüler an der Albertville-Realschule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden. Der Vater von Tim K. muss sich daher demnächst vor Gericht verantworten.

Um 9.33 Uhr läuteten in Winnenden die Kirchenglocken. In der Innenstadt verließen viele Menschen die Geschäfte und gesellten sich zu den Passanten, die auf den Straßen stehen blieben und im Gedenken verharrten. In ganz Baden-Württemberg waren an öffentlichen Gebäuden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Winnenden war weiträumig abgesperrt. 300 Polizisten waren im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.

Am Abend wurde der Tag des Gedenkens mit einer Lichterkette beschlossen. Mehrere hundert Menschen zogen mit Kerzen vom Marktplatz zur Albertville-Realschule, wie der Jugendgemeinderat der Stadt als Organisator mitteilte. Vor der Schule formten sie aus den Kerzen eine Blume. Umrahmt wurde die Lichterkette unter anderem von Sängerinnen und Musikern, die sich auch an einer Benefiz-CD gegen Gewalt an Schulen beteiligt haben.

Bei der zentralen Gedenkstunde mit dem Bundespräsidenten hatten Schüler am Vormittag vor der Realschule Gedenkplatten und Blumen für die Opfer niedergelegt. Zusammen mit Politikern und anderen Gästen bauten sie mit großen Kieseln, auf die Wünsche geschrieben werden konnten, einen «Weg in die Zukunft». Die Leiterin der Albertville- Realschule, Astrid Hahn, sagte: «Es wird ein langer Weg für unsere Schule werden. Ein Weg, der sicher nicht gerade verläuft. Er wird manchmal verschlungen sein. Er wird holprig sein. Er wird mühsam sein.»

In Wendlingen, wo der Amoklauf sein Ende gefunden hatte, erinnerte nur wenig an das blutige Geschehen vor genau einem Jahr. Am Rathaus war Trauerbeflaggung aufgezogen. Flaggen mit Trauerflor wehten auch im Gewerbegebiet vor dem Autohaus, wo der Täter einen Kunden und einen Verkäufer getötet hatte, bevor er sich auf dem Parkplatz selbst erschoss. (Quelle: Winnenden (dpa/lby))


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