Da schenken sich die Politiker nix...
Politik und Bier: Harte Sprüche am Aschermittwoch zum Nachlesen
Heftige Angriffe auf die politischen Gegner beim Politischen Aschermittwoch in Bayern. Eine Auswahl...

(Foto: dpa)
Mit heftigen Angriffen auf die politischen Gegner haben die Parteien beim Politischen Aschermittwoch in Bayern einen Vorgeschmack auf den Bundestags- und Landtagswahlkampf 2013 gegeben. Eine Auswahl sehen Sie in unserer Galerie.
SPD-Chef Sigmar Gabriel attackierte den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, kritisierte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und verspottete die Kandidatensuche der schwarz-gelben Koalition. Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, «der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht», sagte Gabriel in Vilshofen. «Es wird Zeit, dass wir nicht nur einen besseren Bundespräsidenten bekommen, sondern auch einen besseren Bundeskanzler oder eine bessere Bundeskanzlerin.»
Grüne Meinung
Auch Grünen-Chefin Claudia Roth griff die Bundesregierung wegen deren Umgangs mit der Wulff-Affäre scharf an. «Es war wirklich ein würdeloses Klammerspiel, das wir in den letzten Wochen erlebt haben», sagte sie in Landshut. Schwarz-Gelb nannte sie eine «Chaos-Truppe». Merkel habe zu lange ihre schützende Hand über Wulff gehalten.
Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hielt sich vor tausenden Anhängern in Passau wegen seiner Doppelrolle als geschäftsführendes Staatsoberhaupt bei der traditionell herben Auseinandersetzung zurück. Er unterstrich die Vorreiterrolle Bayerns in Deutschland. «Wo wir sind, ist oben.»
Die bayerische FDP empfing ihren Bundesvorsitzenden Philipp Rösler in Dingolfing mit stürmischem Beifall. Die Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Rösler habe die Stürme bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten «standfest überstanden». Aber sie versuchte auch, die Wogen nach dem Koalitionskrach mit der CDU/CSU zu dämpfen: «Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde.»
In der Union gibt es Unmut darüber, dass sich die FDP am Wochenende frühzeitig auf Gauck als Nachfolger von Wulff festgelegt hatte und die Kanzlerin, die diese Lösung anlehnte, schließlich zum Einlenken zwang.
Linken-Chef Klaus Ernst kritisierte in Tiefenbach, Merkel habe bei seine Partei bei der Kandidatenauswahl ausgegrenzt. «Sie macht denselben Fehler der Ausgrenzung wieder. Das finden wir schäbig und unangemessen», rief Ernst unter dem Jubel von rund 350 Anhängern.
Gabriel ließ auch an der CSU kein gutes Haar, die am vergangenen Samstag gesagt habe, man sei gegen den neuen Kandidaten Joachim Gauck, und am Sonntag dann Gauck die Gefolgschaft versprochen habe. «Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?», sagte der SPD-Chef. Grünen-Landtagsfraktionschefin Margarete Bause spottete ebenfalls über den plötzlichen Zuspruch der CSU für Gauck. Aber Seehofer sei ja geübt im schnellen Richtungswechsel und rasanten Meinungswandel. «Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann.»
Der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber verteidigte die Zustimmung seiner Partei zur Nominierung von Gauck, dieser sei eine sehr gute Wahl. «Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein Ass verwandeln.»
Seehofer erneuerte seine Kritik am Länderfinanzausgleich und forderte von den anderen Ländern mehr Anstrengungen. Bayern zahle das meisten Geld in den Finanzausgleich. Das zeige, dass das System aus dem Ruder gelaufen sei. «Und ein bescheuertes System kann man nicht so lassen», sagte Seehofer. Bayern sei vom Nehmer- zum Geberland geworden, weil es sich angestrengt habe. «Das erwarten wir auch von anderen Bundesländern.» Seehofer fügte hinzu: «Ich verspreche Euch, Bayern wird das erste schuldenfreie Land in Deutschland sein.»
Wirtschaftsminister Rösler fordert von Griechenland, seine Reformversprechen endlich umzusetzen. «Wir werden uns nicht länger erpressen lassen», sagte er. «Keine Leistung ohne Gegenleistung - auch das geht im Rahmen der europäischen Solidarität!» Die SPD-Spitze verspottete Rösler als «die drei scheinheiligen Könige» und die «Lehman-Brothers der Sozialdemokratie».
Empfehlungen von ANTENNE BAYERN