Bürger von Seltmans im Oberallgäu retten durch 1.100 freiwillige Arbeitsstunden ihr kleines Freibad
Schuften statt Freibad-Schließung
In der kleinen Gemeinde Seltmans, einem Ortsteil von Weitnau im Oberallgäu, haben engagierte Bürger mit großem persönlichen Einsatz ihr kommunales Freibad gerettet.
In der kleinen Gemeinde Seltmans, einem Ortsteil von Weitnau im Oberallgäu, haben engagierte Bürger mit großem persönlichen Einsatz ihr kommunales Freibad gerettet.
Dass es hier am Weitnauer Bach nach wie vor fröhliche Kinder gibt, die stolz beweisen, wie weit sie beim Sprung ins 20 Grad kühle Nass das Wasser außerhalb des Beckenrandes verbreiten können, ist alles andere als selbstverständlich.
„Die Gemeinde hat kein Geld, das Bad wäre geschlossen worden“, sagt Robert Ronge, einer der Initiatoren des Freibad-Erhalts. Bei diesen sommerlichen Temperaturen sitzt er mit seiner Frau Gabi und Mitstreiter Klaus Hiemer im Bad neben dem Wald und schwärmt, wie herrlich hier das Allgäu und überhaupt alles ist.
Dabei hätte es diese Einrichtung um ein Haar nicht mehr gegeben. Über 20.000 Euro hätte die zuständige Gemeinde Weitnau in das Freibad stecken müssen. Die Kabinen mussten gestrichen werden, die Beckenränder brauchten neuen Schliff und frische Farbe, ebenso eine Brücke über den angrenzenden Bach. Und da war auch noch dieser riesige verrostete Kessel, ein Hauptkostenfaktor und ein echtes finanzielles Problem. Das haben sie in Seltmans aber dann auf ihre Weise geregelt. „Da ist einer von uns rein, zum Glück mit Mundschutz, denn als er nach dreieinhalb Stunden wieder rauskam, war er schwarz wie ein Kaminkehrer, nur um den Mund herum war er noch weiß“, erzählt schmunzelnd Klaus Hiemer. Mit Stolz in ihren Blicken listen sie die schier endlosen Renovierungsmaßnahmen auf, die sie gemeinsam gemeistert haben.
Rund 25 Helferinnen und Helfer waren über 1.100 Stunden ehrenamtlich im Einsatz. 1.300 Unterschriften waren zuvor gesammelt worden, damit es überhaupt zum Rettungseinsatz der Freiwilligen kommen konnte. Wer nicht mitmachen konnte, hat gespendet und so kam auch noch ein stolzer Batzen an Geld zusammen, der den Erhalt des Freibades auf Jahre hinaus sichern soll. Der Unterhalt liegt bei der Gemeinde Weitnau und die kann sich nach der Freibad-Rettungsaktion finanziell jetzt wieder anderen Brennpunkten zuwenden. Auch künftig wollen die Frauen und Männer und die Kinder in Seltmans ihr Bad ganz besonders pflegen und mitarbeiten, damit ihnen der Spaß am Baden nicht genommen wird.
Stolz streicht die „Beckenrand-Beauftragte“ Gabi ihrem Sohn über das Haar. Der triefend nasse Bub hat geholfen, die große Rasenfläche zu mähen und er hat die Mutter bewundert, wie sie Stunde über Stunde am Beckenrand kniete und geschliffen und gestrichen hat. „Wir haben plötzlich Leute hier gesehen, die wir noch gar nicht kannten“, merkt ihr Mann Robert noch an. „Die sind einfach gekommen und haben gefragt, können wir washelfen.“ Seltmans (kw).
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