10.02.2012

Riesen-LKW überraschend auf bayerischen Straßen

Erster Gigaliner in Bayern auf Strecke – Zweimal vom Allgäu nach München zum Kombibahnhof

Erstmals überhaupt ist am Freitag ein so genannter Gigaliner über bayerische Straßen gefahren.
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Nürnberg hat sich gegen den «Gigaliner» entschieden. Archivfoto: Friso Gentsch (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Biessenhofen (kw). Das war für viele PKW-Fahrer ein ungewohntes Bild: erstmals überhaupt ist am Freitag ein so genannter Gigaliner über bayerische Straßen gefahren.

Das alles lief weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ab, denn lediglich ANTENNE BAYERN war über die Lang-LKW-Fahrt vorab informiert. Der Test startete bei Schneefall und zeitweisen Stauungen auf der Autobahn.

Die überlangen Lastwagen messen 25,25 Meter, bislang waren LKW etwa 19 Meter lang. Eine Spedition in der Ostallgäuer Gemeinde Biessenhofen hat noch vor dem offiziellen Start des Feldversuchs mit den Lang-LKW, der für den 5. März mit Bundesverkehrsminister Ramsauer geplant ist, die ersten Fahrten im Freistaat durchgeführt.

Erfolgreicher Testlauf

„Es lief alles überaus problemlos, wir sind zwei Umläufe vom Allgäu nach München gefahren“, sagte nach der ersten von zwei Fahrten der Chef der Spedition Ansorge, Wolfgang Thoma. Sein Gigaliner, den er auch selbst gesteuert hat, war im Allgäu mit einer Ladung Sanitärmaterial losgefahren. Die so genannten Wechselbrücken wurden am Münchner Kombibahnhof auf die Bahn verladen. Auf dem Rückweg wurden dann in dem Lang-LKW Getränke und Lebensmittel transportiert.

Nicht nur Zuspruch

Die Gigaliner sind für verschiedene Gruppen wie Grüne, SPD, Naturschützer und auch den ADAC ein Reizthema. Sie sehen eine höhere Unfallgefahr, ein künftig schwierigeres Überholen und eine stärkere Belastung der Fahrbahnen. Für die Speditionen aber sind die riesigen LKW das „Transportmittel der Zukunft“. Wolfgang Thoma, sagt dazu, dass der Güterverkehr ständig wachse und durch die Lang-LKW die Zahl der Fahrzeuge um ein Drittel verringert werde. Oder anders herum: steigt die Zahl der herkömmlichen Lastkraftwagen künftig an, könnten es im Fall eines verstärkten Gigaliner-Einsatzes gut 30 Prozent weniger an Fahrzeug-Zuwachs sein.

Unbegründete Vorwürfe?

Die Vorwürfe, die Riesenlastwagen seien nur schwer zu überholen, lässt der Spediteur, vor allem nach den ersten Fahrten, nicht gelten. „Wir sind von Autofahrern fotografiert worden und viele haben uns freundlich zugewunken“, sagte er nach der ersten Praxiserfahrung. Auch in den Kurven habe es keine Probleme gegeben. Was die stärkere Beanspruchung der Fahrbahnen angeht, die Kritiker den Gigalinern unterstellen, kontern Spediteure mit dem Argument, dass das gleiche Gewicht auf acht statt bislang fünf Achsen verteilt werde. Denn eine Gewichtssteigerung sei nicht vorgesehen, wohl aber eine größere Länge, die wiederum ein höheres Transportvolumen ermögliche.

Ausbildung und Ausrüstung

Im Bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium sagte eine Sprecherin zu der Bayernpremiere, dass diese im Hause gar nicht bekannt war. Es sei es auch nicht erforderlich gewesen, die Fahrt anzumelden, da die besagte Spedition im Vorfeld des Feldversuches bereits alle Auflagen erfüllt und die Genehmigungen erhalten habe. Die Fahrer müssen eine Zusatzausbildung absolvieren, zudem sind zusätzliche technische Vorkehrungen wie Rückfahrkameras erforderlich.


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