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Die Anspannung ist den Gesichtern abzulesen. Während Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra Beethoven in Berlin proben, fallen in der Heimat die Bomben. «Es ist sehr schweraber wir machen weiter», sagt Ramzi Aburedwan.
Der Bratschist aus Ramallah «hat schon mit 14 Jahren Steine auf israelische Panzer geschmissendie Musik hat seinen Geist gerettet», stellt ihn Barenboim vor.
An diesem Wochenende sollte das arabisch-israelische Orchester in Doha und Kairo spielen. Die Veranstalter sagten «aus Sicherheitsgründen» ab. Nun geben die jungen Musiker an diesem Montag zwei Konzerte in Berlin.
Das Interesse ist enorm, die Staatsoper war in wenigen Stunden ausverkauft. Die weiteren Stationen der Jubiläums-Tour (15.1. Moskau, 17.1. Wien und 18.1. Mailand) sollen wie geplant stattfinden. Auf dem Programm stehen die 5. Sinfonie und die Leonoren-Ouvertüre III von Ludwig van Beethoven und die 4. Sinfonie von Johannes Brahms.
Es sind schwierige Tage für das Orchester. Ausgerechnet zum zehnjährigen Geburtstag von Barenboims «humanitärem Projekt» stellen die Kämpfe im Gazastreifen die rund 100 Musiker aus arabischen Ländern, aus Israel und Spanien auf eine harte Probe. «Wir sitzen hier und unsere Freunde schießen aufeinander», hatte Guy Braunstein gesagt. Der Geiger aus Israel, im Hauptberuf Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, ist um den inneren Frieden des Orchesters besorgt, deutet den Streit über Hamas-Raketen oder den Einmarsch in Gaza nur an. «Es ist wie in einer großen Familiewir streiten uns, aber wir sind uns auch darüber einig, was akzeptabel ist und was nicht.»
Nabil Abbud Aschkar ist im Zwiespalt. «Es ist klar, dass wir nicht tatenlos zusehen können, wie palästinensische Kinder getötet werden, aber auch nicht, wie Raketen auf Sderot fallen», sagt der in Israel geborene Palästinenser. «Ich könnte mich den ganzen Tag mit mir selber streiten», beschreibt der Violinist seine Zweifel.
Auch Meirav Kadichevsky ringt nach einer Antwort. «Vieles war mir vor unseren Gesprächen nicht klar», sagt die Oboistin aus Israel. Sie sieht das Orchester als Vorbild für ein Zusammenleben seiner Landsleute mit den Palästinensern. «Israelis und Palästinenser müssen lernen, deutlich zu sagen, warum sie aufeinander böse sind». Erst dann könne der Weg der Verständigung beginnen.
Seit Tagen herrscht im Orchester, das sich regelmäßig zu Workshops und Tourneen trifft, der Ausnahmezustand. Brahms und Schönberg werden von der Diskussion über Nahost abgelöst. Barenboim und seine Musiker sind in die Offensive gegangen und tragen den inneren Konflikt in die Öffentlichkeit. Vor Kameras und Reportern sprechen sie am Sonntagnachmittag über ihre Differenzen, beschwören immer wieder auch die Gemeinsamkeiten.
Als sie 1999 das Orchester in Weimar gründeten, wollten der argentinisch-israelische Dirigent und der inzwischen gestorbene palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said (1935-2003) einen Ort für die Reflexion über Trennendes und Gemeinsames schaffen. Das West-Eastern Divan sollte ein Labor der Verständigung werdenüber die Gräben hinweg, die im Nahen Osten Geschichte, Religion und Nationalitäten gerissen haben.
«Der Konflikt kann nur gelöst werden, wenn sich alle Gruppen der Region an einen Tisch setzen», sagt Barenboim, die größte Hürde sei die Einmischung externer Mächte wie die USA und Iran. «Wir müssen verstehen, dass es sich um einen lokalen Streit zwischen Israelis und Palästinensern handelt, bei dem beide dasselbe Stück Land beanspruchen.»
Kritiker haben dem Dirigenten immer wieder politische Naivität vorgeworfen. Doch der 66-Jährige ist unbeirrt, auch wenn er weiß, dass die Macht der Musik nur begrenzt ist. «Man kann zwar mit Musik ein wildes Tier zähmen, aber das Tier muss sich auch zähmen lassen», sagt Barenboim. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Berlin ) (Quelle: )
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