21.04.2017 | Deutschland BVB-Anschlag: Ermittler fassen Tatverdächtigen

Berlin (dpa) - Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Bundesligist Borussia Dortmund hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen - es scheint um Aktienbetrug zu gehen und nicht um Terrorismus.

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    Einsatzkräfte stehen in einer Straße in Rottenburg am Neckar vor einem Haus. Die Polizei sperrte ein Wohngebiet ab und durchsuchte ein Gebäude. Foto: Christoph Schmidt
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    Vor dem Haus, das in einer Sackgasse liegt, stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Auch Hunde sind im Einsatz. Foto: Christoph Schmidt
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    Polizeieinsatzkräfte sprechen mit Anwohnern in der Nähe des Gebäudes, das durchsucht wurde. Foto: Christoph Schmidt
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    Im Zusammenhang mit der Festnahme nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus hat es Einsätze in den Städten Tübingen und Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg gegeben. Foto: Christoph Schmidt
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    Der Screenshot von der Website von Borussia Dortmund zeigt den Kursverlauf der BVB-Aktie: Laut Bundesanwaltschaft hat der Beschuldigte am 11. April, dem Tag des Anschlags, 15 000 Verkaufsoptionen für 78 000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Foto: website Borussia Dortmund Foto: Marcel Kusch
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    Ein Beamter des Landeskriminalamtes untersucht in der Nacht nach dem Vorfall den Bus der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund. Foto: Marcel Kusch Foto: Bernd Thissen
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    Die zerstörte Scheibe des Mannschaftsbusses der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund, aufgenommen in der Nacht nach dem Vorfall. Foto: Bernd Thissen/Archiv Foto: Marius Becker
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    Mit weißer Farbe ist einer der Explosionsorte gekennzeichnet. Marius Becker Foto:

Berlin (dpa) - Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Bundesligist Borussia Dortmund hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen - es scheint um Aktienbetrug zu gehen und nicht um Terrorismus.

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Der Verdächtige mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit wohnt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Freudenstadt im Schwarzwald. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft wollte um 12.30 Uhr über den Stand der Ermittlungen informieren.

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Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hat der mutmaßliche Täter Sergej W. am Tag des Anschlags auf den BVB-Bus 15 000 Verkaufsoptionen - sogenannte Put-Optionen - für 78 000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Der Kauf wurde demnach über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt. Der Tatverdächtige habe die Papiere über einen am Anfang April 2017 aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert.

Er spekulierte den Angaben nach auf fallende Kurse - die Höhe des Gewinns hänge von der Höhe des Kursverlustes ab. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären. Der Verdächtige sei wie die Mannschaft Gast im Mannschaftshotel gewesen und habe dort bereits am 9. April ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen.

Die BVB-Aktien erholten sich am Freitag im frühen Handel um 2 Prozent. Am ersten Handelstag nach dem Anschlag war das Papier zunächst etwas abgerutscht, schloss letztlich aber 1,7 Prozent im Plus. Viel wichtiger für den Kursverlauf waren die sportlichen Leistungen: Am Vortag war die Aktie nach dem endgültigen Aus im Viertelfinale der Champions League um rund 3,5 Prozent gefallen. Der BVB war im Jahr 2000 als erster deutscher Sportverein an die Börse gegangen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht die Festnahme des Tatverdächtigen als Erfolg. Jetzt gehe es darum, Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären. Zum möglichen Motiv erklärte de Maizière: «Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv.»

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund erklärte: «Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte», werden Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball in einer BVB-Mitteilung zitiert.

Nach Informationen von «Bild.de» und der Deutschen Presse-Agentur sucht die Polizei nach zwei Komplizen von Sergej W.. Die beiden sollen den Angaben zufolge einen Leihwagen in Freudenstadt abgeholt haben - in dem dann möglicherweise die Sprengsätze nach Dortmund gebracht worden seien.

Die Ermittler hatten zunächst versucht, Schlüsse aus drei gleichlautenden Bekennerschreiben zu ziehen, in denen ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag behauptet wird. Die Schreiben waren am Tatort gefunden worden. Nach eingehender Prüfung erhebt die Bundesanwaltschaft an einem radikal-islamistischen Hintergrund aber erhebliche Zweifel. Auch ein weiteres rechtsextremistisches Bekennerschreiben weist nach Angaben der Behörde Widersprüche und Ungereimtheiten auf. Es deute derzeit nichts daraufhin, dass es vom Täter stammt.

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