Oper «Wallenstein» dem Vergessen entrissen

Bariton Teruhiko Komori als Wallenstein in einer Inszenierung von Generalintendant Matthias Oldag. Bild vergrößern Die Uraufführung von Jaromir Weinbergers Oper «Wallenstein» 1937 in Wien stand unter keinem guten Stern: Kurz vor dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich wurde ihr kaum Beachtung geschenkt.

Der tschechisch-jüdische Komponist flüchtete im Jahr darauf vor den Nazis in die USA, und sein Bühnenwerk geriet nach wenigen Vorstellungen in Vergessenheit - gut 70 Jahre lang.

Dem Vergessen entrissen wurde die Oper nun am Freitag: In einer Inszenierung von Generalintendant Matthias Oldag erlebte sie im Theater Gera ihre Deutsche Erstaufführung und wurde vom Publikum mit wohlwollendem Applaus gefeiert.

Weinberger (1896-1967) bediente sich für seine Oper in sechs Bildern der literarischen Vorlage Friedrich Schillers über den Niedergang des berühmten Feldherrn im Dreißigjährigen Krieg. Und so tauchen einige der bekannten Redewendungen à la «Daran erkenn ich meine Pappenheimer» oder «Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung» in der deutschen Übertragung von Max Brod wieder auf. Dagegen bleibt das innerliche Ringen Wallensteins, bei dem sich Schiller des tiefsinnigen Monologs bedient, im Libretto auf der Strecke. Ein Schwachpunkt, den die Geraer Inszenierung mit dramaturgischen Mitteln versucht auszugleichen und von Bariton Teruhiko Komori als Wallenstein viel Schauspielerisches abverlangt.

In seiner Musik adaptiert Weinberger volkstümliche Elemente und greift auf die Spätromantik zurück. Er selbst hatte unter anderem bei Max Reger in Leipzig studiert und galt zeitweise als Nachfolger des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana. Seinen größten Erfolg feierte er 1927 mit der heiteren Volksoper «Schwanda, der Dudelsackpfeifer», die in etliche Sprachen übersetzt wurde. Zu seinen Werken gehören neben Opern auch Operetten sowie Orchester- und Kammermusik. In «Wallenstein» bedient er sich - passend zum Sujet - der Marschmusik und operettenhaften Anklängen.

Durch den weitgehenden Verzicht auf historische Kostüme und ein steriles Bühnenbild (Thomas Gruber) schafft Oldags Inszenierung eine Distanz zur Historie. Gruber setzt die Bühne unter Wasser, darüber führen mehrere Stege. Der Raum erinnert an einen Bunker, der immer wieder in kaltes blaues oder grünes Licht getaucht wird. An der Decke hängen Pfähle, die sich mehrmals herabsenken und das tausendfache Sterben im Krieg in Erinnerung rufen.

Es hätte mit Blick auf die Entstehungszeit nahegelegen, Parallelen zu Hitler-Deutschland und dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen. Oldag vermeidet dies. Ihm geht es erklärtermaßen um «das Nachdenken über die grundlegenden Zusammenhänge und menschlichen Abgründe», nicht um eine genaue Abbildung historischer Zusammenhänge. Mit «Wallenstein» hat das Theater Altenburg-Gera - Thüringens einziges Fünf-Sparten- Haus - die Reihe von Wiederentdeckungen fortgesetzt. Erst vor gut einem halben Jahr hatten die Theatermacher die Oper «Scharlatan» des ebenfalls tschechisch-jüdischen Komponisten Pavel Haas aus der Versenkung geholt.

(Internet: www.tpthueringen.de)

[Theater Gera]: Theaterplatz 1, 07548 Gera (Quelle: Gera (dpa/lby))


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