«Pop Life» zwischen Kunst und Kommerz

Die Skulptur «Hiropon» des Künstlers Takashi Murakami ist auch in der Ausstellung «Pop Life» in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Bild vergrößern «Gute Geschäfte sind die beste Kunst». Das berühmte Credo Andy Warhols (1928-1987) schockierte einst die Kunstwelt. Führte er doch zusammen, was bis dahin nicht zusammen gehören sollte: Kunst und Kommerz.

Wie sehr die Ikone der amerikanischen Pop-Art zum Vorbild für nachfolgende Künstler wurde, zeigt vom 12. Februar bis zum 9.

Mai eine spektakuläre Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die zuvor schon in London für Wirbel sorgte. Zu sehen sind Arbeiten bekannter Gegenwartskünstler wie Keith Haring (1958-1990), Jeff Koons und Damien Hirst. Sie zeigen, wie sich die Künstler auf die Massenmedien eingelassen haben und dabei ihre Persönlichkeit bewusst als Marke kreierten.

Die Schau in der Galerie der Gegenwart beginnt mit dem Spätwerk Warhols und zeigt, wie sich der exzentrische Künstler in TV-Sendungen, als Werbe-Ikone und als Herausgeber der Zeitschrift «Interview» selbst in Szene setzte. Nachdem er 1968 bei einem Attentat in New York verletzt wurde, griff Warhol in den 70er und 80er Jahren Motive aus seinem Frühwerk wieder auf. So erschienen die ohnehin auf dem Markt eingeführten Marilyns und Selbstporträts als «Reversal Series» (Umkehrungen) im neuen Licht. «Das ist wie Coca-Cola, das Prinzip. Warhol, Warhol, Warhol. Man muss ihn überall sehen, dann wird er immer beliebter, und dann wird er der Pop-Artist, den jeder kennt», sagte Kurator Daniel Koep in Hamburg.

Das Warhol-Prinzip entwickelten zahlreiche Künstler weiter - wie sein amerikanischer Kollege Keith Haring (1958-1990). Um den Bekanntheitsgrad seiner charakteristischen Strichmännchen noch zu steigern, eröffnete er 1986 im New Yorker Stadtteil Soho seinen eigenen Pop Shop, der in der Ausstellung rekonstruiert wurde. Hier konnten Fans Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Sticker und Taschen erwerben. Der japanische Künstler Takashi Murakami schuf sogar - in Anlehnung an Warhols Factory - sein eigenes weltweit agierendes Unternehmen zur Verbreitung seiner Kunst. Kleine Kopien seiner Manga-Figuren können japanische Kinder - wie bei Überraschungseiern - als Beilage von Kaugummis erwerben.

Die Massenmedien für sich nutzen kann auch der Amerikaner Jeff Koons hervorragend. Erst seine Kurzehe mit dem italienischen Pornostar Cicciolina und die daraus resultierende Serie «Made in Heaven», die ihn nackt mit seiner Gespielin auf einem Felsen zeigt, machte den Künstler populär. Speziell für Hamburg haben die Kuratoren die groteske Geschichte dokumentiert, als Koons eine riesige Plastikskulptur für den Spielbudenplatz im Vergnügungsviertel an der Reeperbahn schaffen sollte. Als Beispiel für einen deutschen Künstler, der die Idee der New Yorker-Szene aufgriff, gilt Martin Kippenberger (1953-1997), der bei Koons ein Porträt von sich in Auftrag gab mit dem Titel «Jeff Koons Thinks Martin Kippenberger is Great, Tremendous, Fabulous, Everything!»

Auch die britischen Künstlerinnen Sarah Lucas und Tracey Emin machten sich über den Kunstbetrieb lustig, als sie 1993 in ihrem Shop im Londoner East End T-Shirts mit Aufdrucken wie «I'm so fucky», Rothko-Trostdecken und Aschenbecher mit dem Gesicht von Damien Hirst verkauften. Der bekannteste «Young British Artist» steuert zur Ausstellung sein «False Idol», ein in Formaldehyd eingelegtes Kalb, bei. Und auf einer Videoleinwand kann man nochmals das zweitägige Auktionsspektakel erleben, bei dem Hirst im September 2008 bei Sotheby's seine eigenen brandneuen Werke versteigerte. Einst urteilte Hirst über Kunsthändler: «Most of the time they are all selling shit to fools, and it's getting worse.» (Die meiste Zeit verkaufen sie Scheißdreck an Dummköpfe, und es wird schlimmer). (Quelle: Hamburg (dpa/lby))


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