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Miguel Delibes war gerade 26 Jahre alt, als er seine erste große literarische Auszeichnung erhielt. Gleich für sein Erstlingswerk, «La sombra del ciprés es alargada» («Der verlängerte Schatten der Zypresse»), bekam er 1947 den Nadal-Preis zugesprochen.
Dass er später als «der John Steinbeck Spaniens» gefeiert werden würde, konnte der am Freitag im Alter von 89 Jahren an Darmkrebs gestorbene Autor damals nicht wissen.
Auch nicht, dass seine Bücher zur Pflichtlektüre an den Schulen des Landes werden sollten.
Schließlich wollte der aus Valladolid in Nordspanien stammende Delibes gar nicht Schriftsteller werden. Wie sein Vater hatte er Jura studiert. Zur Literatur fand er über den Umweg des Journalismus: 1941 fing er als Karikaturist bei Spaniens ältester Regionalzeitung, «El Norte de Castilla» an, deren Chefredakteur er später wurde. Wegen seiner liberalen politischen Linie und seines Engagements für die verarmte Landbevölkerung zwangen ihn die Zensoren der Franco-Diktatur (1939-1975) 1963 zum Rücktritt. Dabei hatte er sich als junger Mann während des Bürgerkrieges (1936-1939) noch aufseiten der Franco-Truppen freiwillig zur Marine gemeldet.
Seine große Inspiration, sagte er, sei seine Frau Ángeles gewesen, mit der er sieben Kinder bekam. Er heiratete sie 1946. Ihr früher Tod mit nur 50 Jahren stürzte Delibes 1974 in eine tiefe persönliche und künstlerische Krise, von der er sich nie richtig erholt hat. Der ohnehin menschenscheue Autor zog sich noch mehr zurück. «Allein ihre Anwesenheit machte jeden Lebenskummer erträglicher», schrieb er über sie. «Sie war meine zweite Hälfte.»
Bis zu ihrem Tod hatte der aus einer bürgerlich-liberalen und katholischen Familie stammende Autor allerdings schon einige seiner wichtigsten Bücher geschrieben, darunter «Und zur Erinnerung Sommersprossen», «Die Ratten» oder «Fünf Stunden mit Mario». In seinen Werken, viele davon in seiner Heimat Kastilien angesiedelt, hat Delibes immer wieder das ländliche Milieu mit seinen Werten aber auch mit seinem großen Leid porträtiert. In dem Roman «Die heiligen Narren» (1981) beschreibt er etwa auf schonungslose Weise, wie die Bauern in der Extremadura in feudaler Manier von den «Señoritos» (Landbesitzern) ausgebeutet wurden. Das Buch wurde auch verfilmt und in Cannes ausgezeichnet.
Als passionierter Jäger setzte sich Delibes auch zeitlebens für den Naturschutz ein. «Wir sind dabei, unseren Planeten zugrunde zu richten», kritisierte er. Dieses Engagement gab er auch an seine Kinder weiter: Vier der sieben sind Biologen. Seinen letzten Roman, «Der Ketzer», veröffentlichte der Cervantes-Preisträger 1998. Am selben Tag, als er das Manuskript des gefeierten Buches bei seinem Verleger abgab, wurde bei ihm Darmkrebs festgestellt. «An jenem Tag bin ich als Schriftsteller gestorben», sagte er. (Quelle: Madrid (dpa/lby))
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