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Deutschlands Museumschefs gelten gemeinhin als Eigenbrötler, die eifersüchtig auf Ausstellungserfolge und Besucherzahlen der Kunsthäuser in ihrer Nachbarschaft schielen. Doch im Ruhrgebiet ist plötzlich alles ganz anders.
Im Jahr der Kulturhauptstadt Europas haben sich 20 Kunstmuseen in 14 Städten der Großregion zusammengetan, um ihre Sammlungen mit Werken seit der Klassischen Moderne gemeinsam zu präsentieren.
«RuhrKunstMuseen» heißt die zuvor undenkbare Initiative, die soeben einen ersten gemeinsamen Katalog mit dem Untertitel «Die Sammlung» in provozierendem Singular vorgelegt hat. Vom Campusmuseum der Ruhr-Uni in Bochum bis zu Chipperfields stolzem Folkwang-Neubau in Essen, von Hagen bis Herne findet sich ein erstaunlicher Bilderschatz mit Highlights von Albers, Beckmann oder Cezanne, Schumacher, Lehmbruck oder Richter.
Das erste Gemeinschafts-Ausstellungsprojekt «Mapping the Region» in den 20 Musenhäusern hat mit Präsentationen zum Kunstprovokateur Olaf Metzel in Duisburg oder der bedeutenden Industriefotos des Ehepaares Becher in Bottrop soeben mit beachtlichem Echo in den regionalen Feuilletons begonnen. Und mit Förderung der Deutschen Bank rollen ab sofort bis Jahresende 20 000 Schüler aus dem «Revier» per Bus ins Kunstmuseum ihrer Heimatstadt und einmal auch zu einem ferneren Museum.
Ob dies ein revolutionärer Umschwung ist, der nicht zuletzt vom knappen Geld der Kommunen angetrieben wird und gar ein Vorbild für andere Gegenden der Republik werden könnte, steht dahin. «Es ist ein vorsichtiger Versuch und es ist Zeit, so etwas zu machen», sagt Essens Folkwang-Museumschef Hartwig Fischer als Sprecher der Kultur-Kooperative. Die Zusammenarbeit werde auch vom «Enthusiasmus für die Kulturhauptstadt» seiner Kollegen befeuert, lobt er.
Ob die gemeinsamen Aktivitäten der in Masse und Klasse höchst unterschiedlichen Kunstsammlungen zwischen Duisburg und Hamm, Recklinghausen und Hagen auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus angeboten werden, ist nicht sicher. «Aber die Chance dafür steht nicht schlecht», meint der Folkwang-Chef.
Dass im Zeichen der Finanzkrise, die rund der Hälfte der 53 Kulturhauptstadt-Kommunen wegen Überschuldung einen Nothaushalt beschert hat, auch Einigkeit nicht unbedingt stark macht, mussten die «RuhrKunstMuseen» rasch begreifen: Das mehrfache Millionen-Euro-Budget der Planungsphase, als nach dem weltbedeutenden Museum of Modern Art in New York im Arbeitstitel noch schmissig vom «MoMa des Ruhrgebiets» die Rede war, ist auf fast nichts zusammengeschmolzen. Und einem ihrer Partner, dem Kunstmuseum in der Alten Post in Mülheim/Ruhr, droht dem Vernehmen nach sogar das Ende. Um eine Million Euro zu sparen, liegen in der Stadt seit kurzem Schließungspläne für das Museum auf dem Tisch. (Quelle: Essen (dpa/lby))
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