06.08.2010

«It's Wacken time!»

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Rock On! (Foto: dpa) Bild vergrößern Das beschauliche schleswig-holsteinische Dorf Wacken hat sich in das «Holy Wacken Land» verwandelt - das heilige Wacken-Land. Schwarz gekleidete Gestalten pilgern auf den Zufahrtstraßen zum Wacken Open Air.

«It's Wacken time», brüllt eine Gruppe englischer Heavy-Metal-Fans. Doch bevor die Festivalgänger überhaupt aufs Gelände dürfen, ist Warten angesagt. Wer einen guten Campingplatz haben wollte, war schon früh angereist.



Aus den Anfängen vor 20 Jahren mit Familienfestcharakter ist ein hochkommerzielles Mega-Event geworden. Aus aller Welt sind rund 75 000 Fans dröhnender Rockmusik in das «Kuhdorf» Wacken gereist. In dem 1850-Seelen-Ort gibt es sonst mehr Vieh als Menschen - auf den Weiden rundum grasen allein 4000 Kühe. Für vier Tage ist Wacken nun jedoch das internationale Zentrum der Hardrock-Szene.

In Wacken spielen etwa 120 Bands, darunter Szenegrößen, aber auch viele Newcomer. Mindestens genauso wichtig wie die Musik ist die Atmosphäre. Selbst 150 Meter von der Hauptbühne entfernt wird gefeiert - nur entspannter. Während die Masse vor der Bühne wild tanzt und beim «Headbanging» stilgemäß die langen Mähnen schüttelt, genießen viele Besucher die wummernde Musik in der Sonne sitzend. «Beim Rock geht es um Musik und ein Lebensgefühl - nicht nur um Party», betont eine Gruppe schwarz gekleideter Mädchen aus dem nordrhein-westfälischen Münster.

Vor allem aus dem Ausland kommen etliche Rocker - aus Europa, den USA, Südamerika, Asien oder Israel. «Wacken ist einzigartig, das ist eine große Familie», sagt Angel Ogasta aus Tel Aviv. Nur bekleidet mit Netzstrumpfhose, Höschen und BH steht sie stellvertretend für das tolerante Selbstverständnis des Festivals. «Hier kann man sein, wie man will», meint die 23-Jährige.

Beliebt sind neben den zahlreichen Bierausschänken auch die Buden mit mittelalterlicher Getränkekarte: Met und Wacken-Blut gibt es hier. «Das sind Honigwein-Getränke», sagt eine Verkäuferin mit Hexenhut grinsend. Wie viel ist nötig für einen Rausch? «Da reichen schon zwei Gläser.» Mancher Konsument musste sich nach dem Met-Genuss erst einmal zu einem Nickerchen hinlegen.

Am Donnerstagabend versammelten sich dann zehntausende Metalheads vor der riesigen Hauptbühne, um den US-Sänger Alice Cooper zu erleben. Das Motto des Abends krächzte der Metal-Grande dem Publikum gleich zu Anfang entgegen: «No More Mr. Nice Guy» - denn Nettigkeiten würde der 62-Jährige nicht bieten, sondern Horror pur. In dem folgenden Gewaltrausch wurde Cooper unter einer Guillotine geköpft, später erhängt, um immer wieder aufzuerstehen. «I Love The Dead» heißt einer von Coopers Hits an diesem Abend. Alsbald schlug er Babypuppen den Kopf ab, verprügelte Frauen oder injizierte dem Leibhaftigen eine riesige Ladung Heroin.

Doch Obacht. Zwar speit Alice Cooper, der sich angeblich nach einer englischen Hexe genannt hat, in den folgenden Liedern dem Publikum sein ganzes Arsenal an Drohungen entgegen. Ernst meint Cooper sein Gruselvarieté aber nicht. Vorbei die Zeiten, als er in den 60er Jahren - damals noch als Vincent Damon Furnier - dem Pop mit Blut und Todessehnsucht Selbstironie und Humor beibrachte. Vorbei die Zeiten der Exzesse und Alkoholsucht - der Sänger ist seit Jahrzehnten braver Familienvater und gläubiger Christ. Gelegentlich wählt er sogar die konservativen Republikaner. Für Provokationen sind heute Künstler wie Rammstein, Marilyn Manson oder die für ihre Gewalt verherrlichenden Texte bekannte Gruppe Slipknot zuständig.

Bedrohlich wirkten später aber auch die Jungs von Mötley Crüe nicht. Zu dezibelstarken Hits der US-amerikanischen Glam-Metal-Band wie «Girls, Girls, Girls» und «Shout At The Devil» streckten sich tausende Hände zum Teufelshörner-Gruß in die Luft.

Dass Metalheads neben der Musik auch ein durchaus bürgerliches Leben führen, zeigte der Frontman der britischen Gruppe Iron Maiden. Anders als seine Bandkollegen trägt Sänger Bruce Dickinson seine Haar kurz. Wenn der 52-Jährige nicht auf der Bühne steht, arbeitet er als Pilot für eine britischen Fluggesellschaft. Für den Auftritt mit Iron Maiden nahm sich der Frontmann vorschriftsgemäß Urlaub - wie die meisten Besucher des Festivals. (Quelle: Wacken (dpa/lby))


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