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Nach kurzer Unterbrechung ist die Bohrung eines Rettungsschachtes für die 33 seit genau vier Wochen in einem chilenischen Bergwerk eingeschlossenen Kumpel fortgesetzt worden.
Die Bohrung für in 700 Meter Tiefe verschütteten Arbeiter musste nach nur gut 20 Metern für einige Stunden gestoppt werden. Grund sei eine instabile Stelle im bisher durchbohrten Gestein gewesen, sagte der leitende Ingenieur André Sougarret.
Die Bohrinnenwand wurde mit Zement verfestigt und die Arbeiten fortgesetzt.
Zum Einsatz kommt dabei auch Zubehör des Unternehmens «Micon - Mining and Construction» aus dem niedersächsischen Celle. Es sei ein System nach Chile geliefert worden, das die Bohrung bis zu den Eingeschlossenen auf Kurs halten soll, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens, Rainer Jürgens, der Nachrichtenagentur dpa. «Das ist technisch extrem herausfordernd», betonte er. Zwei Mitarbeiter seien in Chile und kontrollierten die Funktion des Systems.
Die Kumpel sitzen seit dem Einsturz eines Tunnels am 5. August in der Mine San José in der Atacama-Wüste im Norden des Landes fest. Für die Bohrung des Rettungsschachtes sind drei bis vier Monate veranschlagt. Damit die Männer bis zur Rettung nicht verzweifeln und körperlich fit bleiben, leben sie nach einem strikten Zeitplan, der sich in Arbeiten, Freizeit und Schlafen unterteilt. Auf einem neuen Video waren die von Anfang an sehr gut organisierten und disziplinierten Bergleute trotz ihrer schwierigen Lage bei guter Gesundheit und bester Laune zu sehen.
Nach Ansicht eines Experten wachsen die Männer psychisch über sich hinaus. «Der Mensch ist sehr anpassungsfähig. Unter grausamen Bedingungen entwickelt er immer wieder ungeahnte Stärken, solche schwierigen Situationen zu überstehen», sagt der Traumaexperte Georg Pieper aus dem hessischen Gladenbach der Nachrichtenagentur dpa. Die Extrembedingungen in Hitze, Enge und Dunkelheit werden die Bergarbeiter nach Piepers Einschätzung aber für ihr restliches Leben prägen. Der Psychotherapeut hat die Überlebenden des Grubenunglücks im hessischen Borken 1988 betreut.
Bei den Betroffenen treten nach solchen Erlebnissen oft posttraumatische Störungen auf, sagte Pieper. Sie neigten zu Angststörungen, Depressionen oder auch Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Drogenmissbrauch. Grundsätzlich sind diese Menschen nach den Erfahrungen Piepers in ihrem restlichen Leben «psychisch labiler. Die Widerstandkräfte bei späteren Lebensbelastungen sind einfach nicht mehr so stark». «Aber nicht jeder wird nach der Rettung traumatisiert sein», betont Pieper. «Gerade die Menschen, die dort selber in der Extremsituation zu Helfern werden, Führungspositionen übernehmen, haben gute Chancen, ohne große Trauma-Folgeerscheinungen zu bleiben.» (Quelle: Santiago de Chile/Celle (dpa/lby))
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