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Die 19 jungen Männer in der honduranischen Stadt San Pedro Sula gingen einer geregelten Arbeit nach. Auch diese Woche saßen sie an ihren Werkbänken der kleinen Schusterwerkstatt und stellten blaue Damenschuhe her.
Plötzlich drangen Bewaffnete in den Raum ein und eröffneten wortlos das Feuer auf die Wehrlosen. Nur einer überlebte schwer verletzt. Er ringt mit dem Tode.
Über den Hintergrund der Tat vom Dienstag wird seither spekuliert. Möglich sind Racheakte rivalisierender «Pandillas», der «Mara»- Banden, die seit vielen Jahren in Honduras, El Salvador und Guatemala, aber auch im Süden Mexikos Terror verbreiten. Das würde voraussetzen, dass einige der getöteten Schusterjungen aktive oder frühere Bandenmitglieder waren. Ausgeschlossen wird ebenfalls nicht, dass die Jungen mit Drogen zu tun gehabt haben.
«Wenn hier mehr als drei oder vier Leute ermordet werden, dann hat das immer mit dem Drogenhandel zu tun», sagte ein Einwohner von Tegucigalpa am Mittwoch (Ortszeit). «Unser Land ist bald nicht mehr regierbar.» Im Jahre 2009, als Honduras nach einem Präsidentensturz monatelang am Abgrund stand, wurden in dem Land 5200 Menschen getötet, das sind 14 pro Tag oder 77 auf 100 000 Einwohner. Gemeinsam mit El Salvador und Guatemala, wo die Mordrate ähnlich hoch ist, gehört Honduras zu den gefährlichsten Ländern der Welt.
Für alle drei Länder war der Migrantenmord beim nördlichen Nachbarn die Gelegenheit, von ihren eigenen Problemen abzulenken. In Mexiko hatten Mitglieder eines Drogenkartells Ende August 58 Männer und 14 Frauen aus Mittel- und Südamerika niedergemetzelt. Die Auswanderer hatten sich offenbar geweigert, auf ihrem Weg in die USA für die Rauschgiftbarone tätig zu werden. Anschließend verschwanden auch zwei Ermittler in dem Fall.
Doch Honduras, El Salvador und Giuatemala sind ebenso gelähmt von Menschenrechtsverletzungen, Morden, Umweltkatastrophen mit Dutzenden von Toten und Überschwemmungen, die riesige Schäden angerichtet haben. Und die Regierungen haben es nicht geschafft, die Gewalt zurückzudrängen, ihre Bürgern gegen Ungerechtigkeit zu schützen, ihre Volkswirtschaften auf Vordermann zu bringen.
Internationale Investitionen sind selten. «Hier steht alles still», sagte der Repräsentant eines Bergbau-Unternehmens aus Kanada, das in Honduras tätig werden will. Und so zeigen El Salvador, Honduras und Guatemala auf Mexiko, deren Drogenkartelle ihre machtvollen Strukturen auch in die kleinen Länder Mittelamerikas ausgedehnt haben.
In Mexiko agieren derzeit mindestens acht Kartelle, die sich untereinander bekriegen. Das mächtigste, das von Joaquin «El Chapo» Guzman angeführte Pazifik- oder Sinaloa-Kartell aus Culiacán, bekriegt die Kartelle der Brüder Beltran Leyva und der Arellano Felix. Es bekämpft außerdem das Golf-Kartell, das seinerseits mit den «Los Zetas» Krieg führt. Diese haben sich von ihm abgespalten, um auf eigene Rechnung zu entführen, zu erpressen und zu morden.
Und es gibt noch die Organisation «La Familia Michoacana», die in zentralen Gebieten Mexikos mit besonders brutalen Morden vorgeht. Sie führt unter anderem Krieg gegen den Clan der Beltran Leyva, der zuletzt von dem kürzlich festgenommenen Edgar Valdez genannt «La Barbie» angeführt wurde. Im Norden des Landes wurde unterdessen am Mittwoch im Beisein Anderer erneut ein Bürgermeister erschossen - der dritte innerhalb eines Monats.
Für US-Außenministerin Hillary Clinton ist Mexiko inzwischen zu einem zweiten Kolumbien geworden, wo vor 20 Jahren die Kartelle ganze Gebiete beherrscht hätten. «Wir sind mit einer wachsenden Bedrohung durch ein gut organisiertes Netz des Drogenhandels konfrontiert, das in einigen Fällen gemeinsame Sache mit dem macht, was wir als einen Aufstand in Mexiko und in Zentralamerika betrachten könnten», sagte sie am Mittwoch in Washington. (Quelle: Mexiko-Stadt (dpa/lby))
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