01.10.2009

Pharmaindustrie bezahlt immer mehr Ärzte

Immer mehr niedergelassene Ärzte werden von der Pharmaindustrie für umstrittene Studien mit ihren oft ahnungslosen Patienten bezahlt. Er habe den dringenden Verdacht, dass viele dieser Studien zur Verkaufsförderung veranlasst würden.
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert, dass immer mehr niedergelassene Ärzte von der Pharmaindustrie für umstrittene Studien bezahlt werden. (Symbolbild) (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Immer mehr niedergelassene Ärzte werden von der Pharmaindustrie für umstrittene Studien mit ihren oft ahnungslosen Patienten bezahlt. Er habe den dringenden Verdacht, dass viele dieser Studien zur Verkaufsförderung veranlasst würden.

Das sagte der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Carl-Heinz Müller, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Das ist nicht rechtens und besorgt uns sehr.
» Die KBV, Kassen, Verbraucherschützer und Politiker forderten verschärfte Regeln.

85 000 Mal hätten Ärzte 2008 an einer der 329 Studien teilgenommen. In diesem Jahr sei die Zahl der teilnehmenden Ärzte um fünf Prozent gestiegen. Bei diesen seit langem umstrittenen Studien beobachten Ärzte die Wirkung neuer Mittel an ihren Patienten - meist ohne deren Wissen.

Der Arzt erhalte für jeden teilnehmenden Patienten 10 bis 1000 Euro, teilte Müller mit. Das liege oft über den Dokumentations- und Schulungskosten, die sich ein Arzt erstatten lassen dürfe. Die Hersteller hätten 2008 rund eine Milliarde Euro Umsatzzuwachs mit den entsprechenden Arzneien erzielt, sagte er dem Blatt.

Faktisch dürfte laut KBV wegen Mehrfachteilnahmen mittlerweile in diesem Jahr jeder vierte der knapp 150 000 Kassenärzte an solchen Studien beteiligt sein, berichtete das Blatt. Mehrfachteilnahmen gingen als jeweils einzelne Fälle in die Statistik ein.

Die KBV forderte mehr Transparenz. Die gesetzlichen Krankenkassen schlossen sich dem an. «Wir fordern, dass alle Zulassungs- und Anwendungsstudien veröffentlicht werden müssen», sagte der Sprecher des Kassen-Spitzenverbands, Florian Lanz, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Verbraucherschützer verlangten drastische Einschränkungen. «Zukünftig sollten solche Studien nur zugelassen werden, wenn sie klaren methodischen Anforderungen genügen», sagte der Gesundheitsexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Stefan Etgeton, der dpa. Die Einwilligung der Patienten müsse zur Voraussetzung gemacht werden.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) verteidigte die Studien. «Anwendungsbeobachtungen sind ein unverzichtbares Instrument der Arzneimittelforschung», sagte der für Forschung zuständige vfa-Geschäftsführer Siegfried Throm. Auch nach der Zulassung müssten Informationen über die Mittel gesammelt und ausgewertet werden. Unverhältnismäßige Vergütungen würden im mittlerweile eingeführten Kodex der freiwilligen Selbstkontrolle untersagt.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach kritisierte die Studien als «legale Form der Korruption». Nötig sei ein grundsätzliches Verbot mit Ausnahmen. Als Arbeitsleistung werde von den Ärzten «oft nur verlangt, ein Din-A-4-Formular auszufüllen und es aufs Fax zu legen», sagte er dem «Tagesspiegel». Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland begrüßte den KBV-Vorstoß für mehr Aufklärung. Zuletzt hatten Ermittlungen gegen 480 Ärzte für Schlagzeilen gesorgt, die für Medikamenten-Studien Sachgeschenke angenommen haben sollen. (Quelle: Berlin (dpa/lby))


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