11.03.2009

Frankreich kehrt in NATO-Kommandostruktur zurück

Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Frankreichs Präsident Sarkozy hat die Rückkehr Frankreichs in die Kommandostruktur der NATO angekündigt. (Foto: dpa) Bild vergrößern Frankreich will nach mehr als 40 Jahren seine Sonderrolle in der NATO aufgeben und im Verteidigungsbündnis wieder mehr zu sagen haben.

Wir haben kein einzigen militärischen Posten mit Verantwortung. Wir haben kein einziges Wort mitzureden, wenn die Alliierten die militärischen Ziele und Mittel für die Einsätze festlegen, an denen wir uns beteiligen», sagte Präsident Nicolas Sarkozy am Mittwoch in Paris.

Nun sei der Moment gekommen, dieser Situation im Interesse Frankreichs und Europas ein Ende zu setzen.

«Am Ende wird die europäische Verteidigung stärker sein», begründete Sarkozy den geplanten Schritt. Kein Bündnispartner habe die französische Sonderposition zuletzt mehr verstanden. Der damalige Präsident Charles de Gaulle hatte 1966 im Streit um die Atompolitik den Austritt des Landes aus der militärischen Integration verkündet. Seitdem ist es bei der gemeinsamen Verteidigungsplanung nicht mehr dabei. Das Land beteiligt sich allerdings an den Militäroperationen.

EU-Chefdiplomat Javier Solana und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer begrüßen die geplante Rückkehr Frankreichs in die Kommandostruktur. «Der französische Schritt ist willkommen. (...) Jeder ist bereit anzuerkennen, dass wir eine starke NATO und eine starke europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik in der EU brauchen», sagte Solana, der wie de Hoop Scheffer nach Paris gereist war. Der NATO-Generalsekretär bezeichnete den Plan Sarkozys als gut für die Organisation und gut für das Land. Eine Wiederannäherung werde den französischen Einfluss in der NATO, aber auch in der EU stärken.

Kritikern im eigenen Lager und aus der Opposition machte Sarkozy deutlich, dass die Entscheidung trotz der noch ausstehenden Parlamentsdebatte getroffen sei. Er habe von Beginn an die Diskussion und die Transparenz gesucht. Letztlich werde er aber seine Verantwortung als Staatschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte wahrnehmen. Kritiker befürchten vor allem einen Verlust nationaler Unabhängigkeit. Auch in der Bevölkerung ist die Rückkehr umstritten. Bis zu 48 Prozent der Franzosen sind nach jüngsten Umfragen dagegen.

Sarkozy bekräftigte, dass das Land seine Unabhängigkeit als Atommacht nicht verlieren werde. «Die nukleare Abschreckung lässt sich nicht teilen», betonte er. Die Alliierten will der Präsident nach der Parlamentsdebatte schriftlich über seine Entscheidung informieren. Anfang April soll der Schritt Frankreichs auf dem NATO- Gipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden feierlich bekanntgegeben werden.

Nach der Rückkehr in die Führungsinstanzen soll Frankreich Medienberichten zufolge Befehl über zwei wichtige NATO-Kommandos übertragen bekommen. Ein französischer General solle künftig das strategische Hauptquartier im nordamerikanischen Norfolk führen. Ein weiterer soll die Leitung des Regionalkommandos in Lissabon übernehmen. Dieses ist unter anderem für die schnelle Eingreiftruppe der NATO zuständig. Beide Standorte werden derzeit von Amerikanern geleitet. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Paris ) (Quelle: )


ähnliche Meldungen

Droht Griechenland der
Europäer verweigern schnelle Hilfen an Athen

09.02.2012: Die griechische Regierung einigt sich nach langem Ringen auf ein hartes Sparpaket - doch die Euro-Partner dringen auf verbindliche Zusagen aus Athen. Die Finanzminister der Euro-Länder verhandelten in Brüssel über ein neues, milliardenschweres Hilfsprogramm.

Minister Kreuzer: US-Stützpunkte bleiben erhalten. Foto: Sven Hoppe/Archiv
Kreuzer: US-Armee braucht viele Zivilstellen in Ostbayern

09.02.2012: Mit Ausnahme von Schweinfurt und Bamberg bleiben nach Einschätzung von Staatskanzlei-Chef Thomas Kreuzer (CSU) alle bayerischen US-Standorte erhalten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, hier Mitte Januar, droht dem Regime in Damaskus Konsequenzen an. Foto: Nabil Mounzer
Viele Tote in Homs - UN prüfen Beobachtermission

09.02.2012: In der syrischen Protesthochburg Homs bahnt sich nach sechstägigem Dauerbeschuss eine humanitäre Katastrophe an. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete unter Berufung auf Regimegegner, landesweit seien am Donnerstag mindestens 126 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden, davon allein 107 in Homs.

Nicolas Sarkozy: Das Kraftwerk wird nicht abgeschaltet. Foto: Charles Platiau/Archiv
Sarkozy: AKW Fessenheim bleibt am Netz

09.02.2012: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will das umstrittene Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim weiter am Netz lassen.

Wandmalerei in Teheran: Die Beziehungen zwischen den USA und Iran sind seit Jahrzehnten von Spannungen geprägt. Foto: Abedin Taherkenareh/Archiv
Viele Amerikaner für harten Kurs gegen Iran

09.02.2012: Im Konflikt um das iranische Atomprogramm sind die Amerikaner radikaler als die Europäer.

AKW Fessenheim: In Frankreich steigt der Stromverbrauch auf Rekordhöhen, was zu Engpässen führt. Foto: Patrick Seeger
Frankreich braucht «Stromhilfe» aus Deutschland

08.02.2012: Trotz Atomausstiegs und Eiseskälte - Deutschland hat derzeit genug Strom, um Frankreich vor einem Energie-Engpass zu bewahren.

Verhandlungsrunde der Parteichefs mit Premier Lucas Papademo (2..v.r.) in Athen: George Papandreou (PASOK) (r), Antonis Samaras (ND) (2.v.l) und George Karatzaferis (LAOS) (l). Foto: Orestis Panagiotou
Athen bringt Sparpaket auf den Weg

08.02.2012: Die griechische Regierung bringt ihr umstrittenes neues Sparpaket auf den Weg. Am Mittwochabend traf sich der parteilose Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Spitzen der drei Regierungsparteien, um deren Unterstützung für den harten Sparkurs zu gewinnen.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow in Damaskus. Foto: Epa/Sana
Gräueltaten in Homs - Arabische Beobachter ziehen ab

08.02.2012: Das syrische Regime mordet auch nach dem Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow unvermindert weiter. Westliche und arabische Staaten verstärken den diplomatischen Druck auf Präsident Baschar al-Assad.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew im Kanzleramt in Berlin Foto: Hannibal
Deutschland kann Rohstoffe in Kasachstan ausbeuten

08.02.2012: Begleitet von Kritik an der Menschenrechtslage in Kasachstan hat die Bundesregierung eine Rohstoffpartnerschaft mit dem autokratisch regierten zentralasiatischen Staat geschlossen.


Meistgelesene Artikel

Singleschnäppchen Marina

Single-Schnäppchen: Marina aus Mittelfranken
Die quirlige Marina aus Mittelfranken ist auf der ...

mehr

Winter Schnee Baum kalt

Kälteeinbruch: So kommen Sie sicher durch den Winter
Brrrr. Es wird kalt in Bayern. Wir haben die beste...

mehr