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Zwei Monate vor Einführung des neuen Personalausweises sind Zweifel an der Sicherheit laut geworden. Dabei geht es vor allem um das Lesegerät für den Chip, der erstmals in dem Ausweisdokument integriert ist.
Das Bundesinnenministerium wies die Zweifel zurück und bekräftigte: «Der neue Personalausweis ist sicher.» Auslöser der Debatte ist ein Bericht des ARD-Magazins «Plusminus», der am Dienstagabend ausgestrahlt werden sollte.
Demnach soll es für Betrüger problemlos möglich sein, sensible Daten abzufangen wie die sechsstellige Geheimzahl (PIN) für die Nutzung des Ausweises bei Online-Geschäften. Zusammen mit dem Chaos Computer Club (CCC) habe die «Plusminus»-Redaktion Testversionen der Basis- Lesegeräte für den Ausweis geprüft, erklärte das Magazin.
Die Sicherheitsabfrage der Personalausweis-PIN erfolgt bei einfachen Lesegeräten über die PC-Tastatur. Eine als «Keylogger» bezeichnete Schadenssoftware, heimlich auf den PC geschmuggelt, kann die eingetippte PIN mitlesen. Höherwertige Lesegeräte, sogenannte Pin-Pads, haben eine eigene kleine Tastatur für die Eingabe der Geheimzahl.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach sich für den Einsatz dieser besonders sicheren, aber etwas teureren Geräte aus. «Meine Befürchtung ist, dass jetzt durch die Verwendung dieser einfachen Leser, die vom Bundesinnenministerium verteilt werden, eine Technologie mit dem neuen Personalausweis verbunden wird, die angreifbar ist», sagte Schaar dem Radiosender NDR Info. Mit der PIN allein sei zwar noch kein Betrug möglich, sagte Schaar. Wenn der Personalausweis aber in einem Hotel oder auf einem Campingplatz hinterlegt werden müsse, «ist in der Tat Gefahr in Verzug».
CCC-Sprecher Frank Rosengart kritisierte im Rundfunksender MDR Info, bei der Sicherheitstechnik seien Abstriche gemacht worden, um möglichst viele Lesegeräte kostenlos oder kostengünstig verteilen zu können. Im Grunde seien das «sehr einfache Plastikteile».
Im Bundesinnenministerium sagte ein Sprecher, der neue Personalausweis sei bei der Benutzung am PC deshalb sicher, weil zwei Faktoren zwingend seien: «Der Besitz des Ausweises selbst und das Kennen der PIN-Nummer. Fehlt einer dieser Faktoren, ist der neue Personalausweis am PC nicht nutzbar.» Zudem habe der Nutzer jederzeit die Möglichkeit, die PIN zu ändern. Kommt der Ausweis abhanden, kann er telefonisch gesperrt werden.
Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sagte der zuständige Experte Jens Bender, selbst bei einem Angriff von außen, etwa mit einem sogenannten Trojaner, sei kein Zugriff auf die persönlichen Daten möglich. Die Verbindung von integriertem Chip und zusätzlicher PIN-Abfrage sei bei Online-Transaktionen «ein deutlicher Sicherheitsgewinn gegenüber dem heute üblichen Verfahren von Username und Passwort».
Mehrere Abgeordnete nahmen die Vorabmeldung zu dem Fernsehbericht zum Anlass für Kritik. Der stellvertretende innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Michael Hartmann erklärte, es dränge sich der Eindruck auf, «dass die zuständigen Experten die Sicherheitsschranken zu niedrig angesetzt haben». Bei den geringsten begründeten Zweifeln müsse der Start des neuen Personalausweises zumindest verschoben werden. Bei den Grünen erklärte Malte Spitz vom Bundesvorstand: «Funkchips haben nichts im Personalausweis zu suchen.» Stattdessen sollte es «eine eigenständige und freiwillige Authentifizierungs- und Signaturkarte» geben.
Kritische stimmen gab es auch auf Seiten der Regierungskoalition. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Manuel Höferlin schrieb, sowohl der Ausweis als auch die ausgelieferten Lesegeräte müssten sicher sein. Wenn noch Sicherheitslücken bestehen sollten, müssten diese rechtzeitig bis zum Start am 1. November behoben werden. Andernfalls «muss der elektronische Personalausweis später eingeführt werden», betonte Höferlin.
Die Lesegeräte sind nur nötig, um den neuen Personalausweis am heimischen Computer für die Abwicklung von Internet-Geschäften oder für das Online-Banking zu nutzen. Zum Start soll mehr als eine Million Basis-Lesegeräte kostenlos verteilt werden, unter anderem über Computer-Zeitschriften und ausgewählte Banken. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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