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Die Organspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier hat die Debatte über den eklatanten Mangel an Spenderorganen in Deutschland aufflammen lassen.
Die Koalition peilt Verbesserungen an - und diskutiert auch, den Organspendeausweis in den Führerschein zu integrieren.
Jeder sollte sich einmal im Leben mit der Frage der Organspende beschäftigen - etwa während er den Führerschein macht, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. «Wir könnten zudem wie in anderen Ländern einen Organspendeausweis in den Führerschein selbst integrieren, den trägt fast jeder Deutsche immer bei sich.»
Der Obmann der Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss, Rolf Koschorrek (CDU), kündigte an, für die Widerspruchsregelung zu kämpfen. Dies sei «eine Möglichkeit, die Versorgung mit Spenderorganen hierzulande entscheidend zu verbessern», sagte er der «Welt am Sonntag». Die Ärzte könnten Hirntoten dann Organe entnehmen, wenn die Betroffenen zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. Heute muss man vorher seine Bereitschaft erklären.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich skeptisch. Die Bereitschaft zur Organspende dürfe nicht verordnet werden, sagte Rösler dem Blatt. «Es besteht auch kein direkter Zusammenhang zwischen der rechtlichen Grundlage und der Zahl der Spenden.» Auch Spahn betonte, die Widerspruchslösung sei für viele mit großen Ängsten verbunden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Transplantationsmediziner hingegen befürworten diesen Weg, wie es ihn in anderen Ländern bereits gibt.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, sagte am Sonntag: «Wichtig als erster Schritt ist die Verbesserung durch Beratung und Aufklärung.» Die Themen Widerspruchslösung und Überkreuzspende - also ein Organaustausch mehrerer Beteiligter - müssten FDP und CDU noch besprechen. «Unabhängig von Parteimeinungen ist das sicherlich eine Diskussion, die fraktionsübergreifend im Plenum beraten werden muss.»
Rösler setzt auf mehr Intensivstationen mit Ärzten, die sich mit den Angehörigen über eine Organspende unterhalten und dies organisieren. Bereits vor über einem Jahr hatte Röslers Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD) gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft neue Leitlinien vorgelegt, die solche Transplantations-Beauftragten vorsehen.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten derzeit rund 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich kommen neue schwer kranke Patienten mit Nierenschwäche hinzu. Auch Leber, Herz und Lunge werden dringend benötigt. Zwar stieg die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr leicht auf 1217. Doch sterben täglich drei Menschen, die ein neues Organ gebraucht hätten. Um Leben zu retten, würden einer Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland ihre Organe nach dem Tod spenden. Doch nur 17 Prozent haben einen Organspenderausweis ausgefüllt.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung: «Viele Krankenhäuser unternehmen zu wenig, um Transplantationen zu ermöglichen.» Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es nach Auskunft von Fachleuten im hektischen Klinikalltag zu selten. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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