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Am Donnerstagmittag war es nach einem letzten ärztlichen Check soweit: Neun Tage nach seiner Nierenspende konnte Frank-Walter Steinmeier die Klinik verlassen.
Jetzt will der 54-jährige SPD-Fraktionschef in seinem Haus im Berliner Süden warten, bis auch seine Frau aus dem Krankenhaus kommt. Die 48-jährige Richterin muss aber noch mindestens eine Woche stationär behandelt werden, eventuell auch noch länger.
Beide wollen anschließend gemeinsam eine Reha antreten.
Steinmeier war am Dienstag vergangener Woche eine Niere entfernt worden. Das Organ wurde anschließend seiner schwer kranken Frau Elke Büdenbender transplantiert. Die Eingriffe verliefen ohne Komplikationen. Beiden gehe es gut, hieß es am Donnerstag. Steinmeier will frühestens im Oktober seine politische Arbeit wieder aufnehmen.
Trotz der angekündigten Auszeit wollte Steinmeier aber nicht ganz von der Politik lassen. Schon aus dem Krankenhaus verschickte er Kurznachrichten und telefonierte etwa mit seinem Vertreter an der Fraktionsspitze, Joachim Poß. SPD-Chef Sigmar Gabriel besuchte Steinmeier Anfang der Woche am Krankenbett.
Fast täglich wurden aus Steinmeiers Büro im Reichstag neben einigen Akten auch Blumensträuße und Genesungswünsche aus aller Welt in die Klinik gebracht. Viele alte Bekannte aus Steinmeiers Zeit im Auswärtigen Amt, wie der russische und französische Außenminister, schrieben persönliche Briefe.
Der SPD-Politiker steht auch in den nächsten Tagen unter ständiger ärztlicher Überwachung. Er kann aber sofort etwa radfahren, schwimmen oder laufen. Auf ruckartige Bewegungen oder Streckungen wie beim Gewichtheben solle aber zunächst verzichtet werden, empfiehlt der chirurgische Leiter für Nierentransplantation und Lebendnierenspende des Uni-Klinikums München, Manfred Stangl. Und: «Nach einer Nierenspende sollte der Spender besonders darauf achten, dass er bis zu zwei Liter am Tag trinkt.»
Nach Stangls Angaben ist die Entnahme einer Niere inzwischen weniger riskant als eine Blinddarm- oder Leistenoperation. Empfängern und Spendern rät er auf alle Fälle zu einer gründlichen Reha, die aber leider von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt werde. Stangl freut sich darüber, dass der SPD-Politiker der erste prominente Nierenspender in Deutschland sei. Der Arzt hofft, dass dieses Beispiel Schule macht und vielen Paaren die Angst vor einem solchen Eingriff nimmt.
Nach Steinmeiers Entscheidung hat zumindest das Interesse an Organspenden deutlich zugenommen. Die Zahl der telefonischen Anfragen habe sich seitdem fast vervierfacht, erklärte die Deutsche Stiftung für Organtransplantation in Frankfurt am Main. Täglich seien bis zu 200 Anrufe eingegangen. Die Wartezeiten für eine Niere beträgt in Deutschland bis zu sechs Jahre. Steinmeier selbst trägt seit seinen Studententagen einen Organspenderausweis bei sich. Damals war dem Juristen eine Augen-Hornhaut transplantiert worden. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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