10.03.2010

Amerell greift Zwanziger an - DFB will klagen

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Manfred Amerell begibt sich Anfang März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München. (Foto: dpa) Bild vergrößern Der Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell geht in die nächste Runde. Der DFB will seinen ehemaligen Funktionär nach dessen jüngsten Anschuldigungen vor allem gegen Präsident Theo Zwanziger verklagen.

Der Deutsche Fußball-Bund kündigte an, den früheren Bundesliga-Referee wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen.

«Mit seinen neuesten Äußerungen in den Medien ist Herr Amerell endgültig zu weit gegangen», hieß es in der Verbandsmitteilung. Der DFB werde dem «medialen Rachefeldzug nicht weiter tatenlos zusehen und auf die beleidigenden Aussagen» reagieren.

Amerell hatte im Magazin «Sportbild» Zwanziger eine einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal vorgeworfen. Amerell wird beschuldigt, Unparteiische sexuell belästigt zu haben. Er bestreitet dies. Im Deutschen Sportfernsehen DSF unterstellte Amerell dem DFB-Chef, einem Schiedsrichter aus dessen Heimatverein den Aufstieg in die Bundesliga ermöglicht zu haben, obwohl angeblich andere Unparteiische besser bewertet worden seien.

Zuvor hatte Amerell schon seine Angriffe auf Zwanziger verschärft. «Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht», sagte Amerell der «Sportbild». «Fürsorgepflicht hat er auch gegenüber denen, die Fehler machen. Das hat er außer Acht gelassen», ergänzte das frühere Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB. Im DSF betonte er, er würde keinen Rachefeldzug gegen Zwanziger führen: «Das wäre dem Herrn Zwanziger zu viel der Ehre.»

«Jeder, der unseren Präsidenten und sein aufrichtiges Engagement für einen werteorientierten Sport kennt, kann bei solchen Äußerungen nur fassungslos den Kopf schütteln. Letztendlich disqualifiziert sich Herr Amerell durch derart niveaulose Aussagen nur noch mehr», sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zu dem Magazin-Interview. Zwanziger und der als Kronzeuge aufgetretene Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall Amerell ins Rollen gebracht hatte, haben sich derweil einen Maulkorb verpasst.

DFB-Boss Zwanziger, wegen seiner Informationspolitik in dieser Affäre immer mehr in Erklärungsnot geraten, will sich bis zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung in der Frankfurter DFB-Zentrale nicht mehr äußern. Vorher sei auch keine Anhörung Kempters vor dem DFB-Kontrollausschuss geplant, bestätigte ein DFB-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die «Bild» zitierte den 27 Jahre alten Referee Kempter so: «Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich werde mich zu dem Thema nicht mehr äußern.»

Das Gremium des DFB-Sportgerichts prüft derweil weiter, ob eine von Amerell öffentlich gemachte Mail zum Thema FC Bayern - wie der 63-Jährige behauptet - wirklich von dem zur Zeit nicht eingesetzten Bundesliga-Schiedsrichter Kempter stammt. In der von Amerell veröffentlichten Mail heißt es: «Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen.»

Am 12. März wird auf der Präsidiumssitzung in Frankfurt/Main zudem entschieden, ob vor dem für Oktober angesetzten DFB-Bundestag noch ein Außerordentlicher Bundestag für Ende April einberufen werden soll. Angeblich ist auch geplant, dass der designierte Schiedsrichter-Ausschussvorsitzende Herbert Fandel als Nachfolger des ebenfalls in die Kritik geratenen Volker Roth neue Konzepte für das Schiedsrichterwesen vorstellt.

Die Spekulationen über eine möglichen vorzeitigen Rücktritt des 68 Jahre alten Roth wurden in der «Süddeutschen Zeitung» entkräftet. Roth denke nicht daran, zurückzutreten, berichtete der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), Karl Rothermund, in der Zeitung von einem Gespräch mit Roth. Dieser sei sich keiner Schuld bewusst und habe alles «nach bestem Wissen und Gewissen gemacht». Roth soll an Weihnachten 2009 von Kempter als Erster über die angeblichen sexuellen Belästigungen durch Amerell unterrichtet worden sein. Diese Informationen soll Roth allerdings erst Wochen später an Zwanziger weitergeleitet haben. (Quelle: Frankfurt/Main (dpa/lby))


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